Lügenpresse - Was bedeutet das heute?

Lügenpresse - Was bedeutet das heute?

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es das politische Schlagwort „Lügenpresse“ im deutschen Sprachraum. In den letzten Jahren ist es durch Pegida und AfD bei uns wieder populär geworden. Was bedeutet es für mich heute?

Um eines gleich klar zu sagen. Ich sympathisiere weder mit Pegida noch mit der AfD. Doch der Begriff „Lügenpresse“ hat mich die letzten zwei Jahre immer wieder mal bewegt. Vor allem, wenn ich Nachrichten höre, und dann dieser Begriff - abwertend gegen jene, die in verwenden - zitiert wird. Doch auch, wenn ich nicht mit den beiden genannten Gruppen sympathisiere, hinterlässt dieser Begriff in mir sogleich eine Vorstellung, in der ich innerlich für mich bestätige: da ist was dran. Da ist ein Vorwurf, der gegen unsere etablierten Medien erhoben wird. Ein schwerer Vorwurf. Die angeblich freie Presse wird der Lügen oder der Falschdarstellung bezichtigt.

Ich sitze an einem Sonntagvormittag im Auto und höre Deutschlandfunk. Es läuft ein kleiner satirischer Beitrag über die Lügenpresse. In diesem Beitrag machen sich die beiden Redner - die Journalisten darstellen sollen - über jene lustig, die diesen Begriff als Argument gegen die Presse benutzen. Sie stellen es so dar, als ob sie dann am Montag zu Merkel müssten, um dort deren Dekrete für die kommende Woche abzuholen. Natürlich weiß jeder normaldenkende Mensch, dass kein Journalist weder am Montag noch an irgendeinem anderen Tag bei Merkel auf der Matte steht, um dort journalistische Weisungen abzuholen. Doch mit dieser Blödelei im Radio soll die ganze Bewegung „Lügenpresse“ ins Lächerliche gezogen werden, und natürlich auch die Menschen, die diesen Vorwurf und diese Kritik erheben.
Das ist nun das Gegenargument der etablierten Sender: „Lächerlich machen!“ Doch das allein schon bestätigt für mich den Vorwurf, der hier gemacht wird. Es bestätigt mein Unbehagen, dass ich dieser Presse bzw. diesen etablierten Medien nicht mehr ganz trauen kann. Und dieses Unbehagen habe ich längst nicht erst seit Pegida.

Ich habe dieses Unbehagen, wenn ich z.B. feststellen muss, dass impfkritische Berichte oder Publikationen alternativer Heilmethoden zu Gunsten der großen Pharmakartelle (und Werbegeldbringer) völlig unterdrückt werden.
Ich habe dieses Unbehagen, wenn Panikmache statt seriöser Aufklärung betrieben wird.
Ich habe dieses Unbehagen, wenn über allem, was nicht in das Muster der Systemparteien passt, die Keule „rechtsradikal“ oder „Verschwörungstheoretiker“ gehoben wird, ohne sich ehrlich und fair damit auseinander zu setzen.
Ich habe dieses Unbehagen, wenn ich per Zwangsbeitrag zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien gezwungen werde.

Ganz aktuell sorgt auch der neue amerikanische Präsident Trump mit seinen Vorwürfen und Angriffen für ordentlich Verwirrung. Er greift Fake-News an und produziert Fake-News dabei selbst zuhauf. Und in dieser Dynamik tauchen dann plötzlich unsinnige Posts im Internet auf, wonach es in Schweden angeblich einen Bürgerkrieg gibt. Das Frühstücksfernsehen von SAT.1 geht dem nach, sucht einen jungen Mann, der diesen Post veröffentlicht hat und fährt mit ihm nach Malmö, um zu beweisen: alles ruhig. Und um damit auch zu beweisen: weder gibt es einen Bürgerkrieg in Schweden noch eine Lügenpresse.

Als Kind und junger Mann lebte ich noch eingemauert in der DDR. Neidvoll hörte ich immer wieder die Freiheitsglocke und den Freiheitsschwur im Westradio.

„Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen.“

Und ich dachte damals immer wieder, was für ein tolles Land muss das sein, in dem es eine solche freie Presse gibt. Heute finde ich mich in einem Deutschland wieder, in dem ich abermals aufpasse, was ich am Telefon sage, und in dem die Schafe, für die Informationen, mit denen sie gefüttert werden, per gesetzlicher Zwangseintreibung zahlen müssen, ob sie wollen oder nicht; und sogar, wenn sie sich die Ohren zuhalten. Und damit auch kein Schaf entgeht, dürfen die öffentlich-rechtlichen Medien sogar auch noch mit den Meldebehörden zusammenarbeiten. Allein, dass eine solche Vorgehensweise bei uns - mit unseren historisch gewachsenen Werten und mit unserem Grundgesetz - möglich ist, verschlägt mir zumindest die Sprache. Und ich fürchte, sehr vielen ist gar nicht klar, welches Gefahrenpotential hier heranwächst. So müsste die Freiheitsglocke eigentlich wieder heftig schlagen, aber diesmal um Alarm zu geben.