Fassandenfamilien und Familiengeheimnisse
Ich bin – wie die meisten von uns – in einer Fassadenfamilie aufgewachsen. In solchen Familien geht es immer auch darum, den äußeren Schein einer guten heilen Familie zu wahren. “Doch wie’s da drin aussieht, geht niemand was an.” (Land des Lächelns)http://www.youtube.com/watch?v=yA3YQTz-fcw
Einen Großteil der Interaktionen in solchen Familien nannte Eric Berne “Spiele” – Vermeidung von echter Nähe und wahrer Liebe aus Angst vor neuen Verletzungen. Es sind alles Variationen des grundlegenden Dauerspiels, “Niederes Drama” (Opfer-Täter-Retter), wie Clint Callahan es anschaulich in “Heilen durch Klarheit” beschreibt.
Fassandenfamilien sind mehr oder weniger dysfunktional und erzeugen Suchtverhalten. Familiengeheimnisse - wesentliches Kennzeichen aller Fassadenfamilien – dienen auch ihrer Stabilisierung. Sie müssen gewahrt bleiben – nach außen und nach innen. Und auf Geheimnisverrat stehen massiven Strafen. Familiengeheimnisse binden einen Großteil der kreativen Energien und sind mitverantwortlich für alle seelischen Störungen bis hin zum Wahnsinn.
Die “Spiele der Erwachsenen” und in der Familie, also die niederen Dramen, haben drei Intensitätsstufen:
- Die Spiele 1. Grades gelten als “normal”. Sie werden gern und überall auch öffentlich gespielt, in den Familien, in den Medien, in Wirtschaft und Politik
- Bei den Spielen 2. Grades ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen, sie geschehen hinter verschlossenen Türen
- Die Spiele 3. Grades enden im Erziehungsheim, in der Psychiatrie (geschlossene Anstalt), im Gefängnis oder in der Leichenhalle.
Die Herstellung einer begrenzten mitfühlenden Öffentlichkeit ist ein wichtiges Instrument der Familientherapie.
Einen heilsamen Sommer wünsch ich uns.
Henner
Und noch einmal auch der Hinweis zu unserer Seminarreise nach Bali, bei der es auch wieder die Möglichkeit zu Familienaufstellungen geben wird.
Aktualisiert am 9. Juli 2011
Schlagwörter: Familienaufstellung, Familienstellen

