Einführung in das Buch

Rohkost Buch
Rohkost Buch

Dieses Buch ist kein praxisbezogenes Ernährungshandbuch. Über Ernährung wird darin sogar relativ wenig gesprochen. Es baut jedoch auf den natürlichen Ernährungs- grundlagen auf, wie ich sie in meinem Buch "Natürlich leben und genießen" (Band I) ausführlich beschrieben habe. Sie als Leser sind dazu eingeladen, einen atemberaubenden Weg mitzuverfolgen oder auch mitzugehen. Einen Weg, der uns über tiefe psychische Zusammenhänge, geschichtliche und kulturelle Prägungen und sexuelle Hintergründe in eine spannende Welt führt. Eine Welt, in der wir unsere wahre Heimat suchen und auch finden können.

Seit Erscheinen des ersten Bandes von "Natürlich leben und genießen" haben mich viele Reaktionen erreicht. Eine häufige ist, dass gesagt wird, die Sache sei absolut logisch und klar. Man würde es jedoch nicht schaffen hundertprozentig so zu leben. Ich kann dazu nur bemerken, dass auch Teilerfolge sicher schon hilfreich sind. Niemand sollte das Ganze verwerfen, weil er nicht alles sofort erreicht. Macht man zwei Schritte nach vorn und einen zurück, bleibt immer noch eine vorwärtsgerichtete Bewegung übrig. Man sollte allerdings sehr aufpassen, dass es nicht wieder umgedreht wird, also eine rückläufige Entwicklung eintritt. Die Gefahr dafür besteht aus den gegebenen Umständen heraus tatsächlich. Oft beobachte ich auch, dass die Praxis einfach unzureichend ist. Die gegebenen Hinweise sollten wirklich sehr gewissenhaft beachtet werden, sonst sind Stolpersteine vorprogrammiert. Es empfiehlt sich durchaus, die entsprechenden Abschnitte oder auch das ganze Buch mehrmals zu lesen. Die Lebensweise, die darin vorgestellt wird, unterscheidet sich von der sonst üblichen so sehr, dass es gar nicht verwunderlich ist, wenn manches zunächst wieder untergeht, weil man ja viel zu sehr in den bestehenden Prägungen und Gewohnheiten steckt. Dies zeigt sich auch darin, dass mich immer wieder Fragen erreichen, die im ersten Band bereits beantwortet sind. Nicht zuletzt will ich auch noch einmal dazu einladen, wirklich mit Entschlossenheit vorzugehen oder dies zumindest eine Zeit lang zu versuchen. Denn Erfolge legen sich meistens eben nicht von selbst in den Schoß. Man muss auch etwas dafür tun. Konsequent zu sein soll aber nicht mit Verhärtung oder Verbissenheit verwechselt werden. Sensibilität ist ein Wort, das ich sehr dick unterstreichen möchte. Und selbst wenn es nicht gelingt, hundertprozentig diesen Weg zu gehen, so ist es doch von großem Vorteil zu wissen, wie es funktionieren könnte. Es ist von Vorteil, eine Orientierung zu haben. Ähnlich wie im Straßenverkehr, in dem ich die Regeln kennen und immer wieder neu beachten muss, obwohl es mir wahrscheinlich nie gelingen wird, diese ständig fehlerfrei einzuhalten.

Doch es gibt neben der mangelhaften Ernährungspraxis auch noch andere entscheidende Gründe, warum die Sache nicht dauerhaft wie gewünscht funktioniert. Denn eigentlich reicht selbst die beste Praxis noch nicht aus, um dafür eine Gewähr zu bieten. Es ist dringend notwendig, auch eine innere Arbeit an sich selbst vorzunehmen. Es ist notwendig, die tieferen psychischen Zusammenhänge zu durchdringen und zu erkennen. Mich hat es immer schon gestört, dass es manchmal Rohköstler gibt, die mit einer gewissen Überheblichkeit auftreten. Sie glauben, allein durch die Tatsache, dass sie Rohkost verzehren, würde sich alles lösen. Eine solche Einstellung ist eine sehr schlechte Voraussetzung für tatsächlich erfolgreiche Entwicklungen bzw. Weiterentwicklungen. Es ist eher ein stagnierender Weg. Ich möchte auch stark bezweifeln, dass jene Personen wirklich längere Zeit ausschließlich von Rohkost leben. Sicher, die Rohkosternährung kann sehr vieles lösen, in der Tat schon von selbst. Doch man befände sich in einem riesigen Trugschluss, würde man annehmen, dies träfe auf alles zu. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, heißt es in dem berühmten und oft missbrauchten Jesuswort. Er lebt also nicht nur von der stofflichen Ernährung, sondern auch von der Ernährung der Geistigkeit und der Liebe. Dass es dabei sehr wohl auch folgenreiche Zusammenhänge zur stofflichen Ernährung gibt, werden wir noch genauer sehen. Doch es gibt auch zahlreiche wechselseitige Beeinflussungen mit geradezu atemberaubenden Hintergründen und dramatischen Folgen für unser Leben, die sich viel zu massiv in uns eingeprägt haben und die sich niemals allein durch eine hundertprozentige Rohkostpraxis auflösen würden. Wie die Rillen in einer Schallplatte bestehen diese Prägungen in uns. Dies ist umso stärker, je mehr die damit verbundenen Inhalte existenziellen Charakter für uns haben. Die Bereiche Ernährung und Liebe haben wie keine anderen diesen Hintergrund. Automatisch wird sich der Tonarm genau in diese vorhandenen Rillen wieder senken, selbst wenn die dort gespeicherten Inhalte Fehler enthalten. Solche Fehler hört und sieht man aber meistens nicht. Häufig werden sie sogar als unumstößliche Wahrheiten angesehen; weil es scheinbar bei allen Menschen so ist oder weil es alle offenbar so machen. Ganze Systemfehler unserer Kultur können sich so unbemerkt in unsere Psyche eingraben, eben durch die Erfahrungen, die wir von frühesten Kindheitstagen an machen, oder auch dadurch, dass wir bestimmte Erfahrungen, die vielleicht notwendig wären, leider nicht machten.

In diesem Gesamtsystem einen gründlichen Check vorzunehmen wäre also durchaus geboten. Die konsequente und vor allem instinktive Rohkosternährung bietet dazu die denkbar günstigsten Voraussetzungen. Sie ist sogar äußerst wichtig, wie wir noch genauer sehen werden. Sie ist ein Garant dafür, auf diesem Weg dauerhaft erfolgreich zu sein. Doch es wäre eine Illusion anzunehmen, dass sich damit alles von selbst löst. Die durch unsere Prägungen in uns entstandenen Furchen sind viel zu tief, als das sie sich allein durch die Änderung der Ernährungspraktik von selbst auflösen würden. Hierzu sind eine innere Arbeit und das Verständnis tieferer Zusammenhänge nötig. Es ist nötig, alles in Frage zu stellen - alle Glaubenssätze, Moralvorstellungen, Voreingenommenheiten usw. -, die unsere Erziehung und Kultur in uns eingepflanzt haben. Ehrlichkeit, Entschlossenheit und Mut ist ebenso notwendig und die Bereitschaft, gegebenenfalls noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Doch ich will nicht einseitig sein mit meiner Kritik. In anderen Teilen der Bevölkerung - in jenen, die sich bisher wenig oder überhaupt nicht mit natürlicher Ernährung befasst haben - gibt es weit verbreitet eine noch viel größere Skepsis. Es ist die Überheblichkeit, mit der man die Wichtigkeit der natürlichen Ernährung unter den Tisch fegt oder einfach nicht zur Kenntnis nimmt. Und dies nicht etwa nur in einfachen Bevölkerungsschichten, sondern besonders auch in den Kreisen der Intelligenz und Wissenschaft, ja sogar bei Weisheitssuchenden und Meditationsmeistern. Wenn ich z.B. Programme von geistigen Foren in die Hand bekomme, in denen sich anerkannte Persönlichkeiten Gedanken über Gott und die Welt machen, fehlt ein Thema eigentlich ständig: die natürliche Ernährung. In Veröffentlichungen über esoterische Fragen sucht man es ebenfalls fast vergeblich. Ärzte haben sich darauf eingestellt, falls überhaupt, ihren Patienten eine "ausgewogene Ernährung" zu empfehlen, was auch immer das heißen mag. Psychotherapeuten suchen beinahe überall, nur nicht ernsthaft im Bereich der Ernährung.

Die Bemühungen, mit denen sich zahlreiche Menschen für mehr Klarheit und ein bewussteres Leben einsetzen, sollen keineswegs gering geachtet sein. Aber erreichen sie soviel Bewusstsein und Klarheit, dass der Kurs in Richtung globale Katastrophe verhindert oder korrigiert wird? Schaffen sie es, klare und wirkungsvolle Antworten auf die großen Fragen der Menschheit zu geben? Ich kann dies bisher nicht erkennen.

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Menschen wie niemals zuvor am Rande einer globalen Katastrophe befinden. Die Existenz des gesamten Planeten steht auf dem Spiel. Trotz sicherlich vorhandener positiver Ansätze und Bemühungen in den letzten Jahrzehnten sind wir von dieser Grundsituation kaum einen Millimeter abgerückt. Millionen von Menschen kämpfen um ihre Existenz. Wirtschaftliche Interessen stehen über allem anderen. Eine Klimakatastrophe steht uns wahrscheinlich ins Haus. Krankheiten nehmen weiter zu. Müllberge wachsen. Es ist, als ob wir uns alle auf einem Schiff namens Titanic befinden. Und was noch schlimmer ist, wir wissen, dass ein Eisberg auf uns zukommt, auch wenn wir dies gerne verdrängen. Wir wissen, dass unser Kurs nach wie vor in Richtung Abgrund geht. Doch wir sind nicht in der Lage, diesen Kurs entscheidend zu ändern. Wir richten die Kabinen vielleicht hin und wieder etwas anders ein, ein neuer Anstrich, neue Möbel, eine neue Tapete. Die Musik im Salon ändert sich dann und wann. Doch das Schiff fährt mit voller Kraft voraus, weiter in Richtung Katastrophe.

Es ist tröstlich, dass die Konfrontation des Kalten Krieges heute nicht mehr besteht. Doch wir haben nach wie vor ein noch nie dagewesenes Potential an Zerstörung. Wir kultivieren es sogar fortwährend.
Es stimmt zuversichtlich, dass es viele Menschen gibt, die diese Entwicklung nicht mehr mitmachen wollen, die erkannt haben, so geht es nicht weiter. Doch es reicht leider noch nicht aus, um das Steuer wirklich herumzureißen. Resignation und Gleichgültigkeit sind ein steter Begleiter. Egoistische Interessen scheinen lohnender zu sein. Wenn schon nicht die Erde retten, dann zumindest sein eigenes Ego. Eine trügerische Illusion. Ein verheerender kollektiver Irrtum.

Ich beobachte die Entwicklung seit Jahren sehr genau. Trotz allem bin ich immer noch optimistisch. Doch eines ist mir dabei immer wieder aufgefallen. Dem Thema Ernährung wird - von gewissen Modediäten abgesehen - wenig Beachtung geschenkt. Jedenfalls nicht in einer Weise, die unsere bestehenden Verhältnisse ernsthaft in Frage stellen könnten. Es scheint sogar eine Tendenz zur Geringschätzung dieses Themas zu bestehen, je höher man sich auf einer geistigen oder wissenschaftlichen Ebene zu bewegen glaubt. Nobelpreise werden für andere Untersuchungen erzielt, nicht für etwas so scheinbar profanes wie der Ernährung. Wenn aber so gravierende globale Probleme bestehen, dann wären auch grundsätzliche Infragestellungen dringend notwendig, die nicht an unserer Kultur und an unserem Ernährungsverhalten Halt machen. Stattdessen ziehen es Wissenschaftler vor, in Jahrmillionen alte genetische Programmierungen des Lebens einzugreifen. Sie haben damit eine extrem gefährliche Entwicklung eingeleitet. Sie glauben, in der Natur sei etwas falsch, statt den Fehler bei uns und unserem Verhalten zu suchen.

Seit alters her ist in den Weisheitslehren bekannt, dass der Körper den Geist beeinflusst und umgekehrt. Welche Schlussfolgerungen haben seit dem all die Meditationsmeister, Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzte, Wissenschaftler usw. hinsichtlich der Ernährung daraus gezogen? Und wo sind eventuell deutliche Ergebnisse davon zu sehen?

Probleme anzusprechen, daran mangelt es inzwischen nicht mehr. Unzählige Fernsehmoderatoren, Zeitungsschreiber, Fest- oder Sonntagsredner beweisen das immer wieder. Woran es mangelt sind echte Lösungsvorschläge, und es mangelt vor allem an deren Umsetzung. Überhaupt scheint es eine Mode geworden zu sein, Probleme zwar anzusprechen, aber dies recht schön zu formulieren. Natürlich auch mit einer gewissen Schärfe, so dass es rhetorisch trefflich wirkt. Doch im Ergebnis werden die Hörer nicht mit grundsätzlichen Infragestellungen oder notwendigen Änderungen ihres Lebens konfrontiert, vor allem nicht im Ernährungssektor. So bekommt man viel Beifall und verliert sein Publikum nicht, aber es passiert faktisch gar nichts.

Wir stehen am Anfang eines neuen Jahrtausends. Dies ist eigentlich nur eine Zahl. Doch wir befinden uns gleichzeitig auch an einer anderen bedeutenden Schwelle. Wir stehen vor der Möglichkeit zu einem neuen großen Schritt der Menschheit und der Evolution, hin zu einem höheren Bewusstsein. Wenn es uns gelingt diesen Schritt zu gehen, dann gelangen wir tatsächlich in ein neues und in ein glückliches Zeitalter. Gelingt es uns aber nicht, dann stehen wir vor der globalen Zerstörung des Lebens. Und dazu, das ist inzwischen klar, sind nicht unbedingt Atombomben notwendig.

Soll der Weg glücklich verlaufen, dann kommen wir nicht an dem Thema der Ernährung vorbei. Sie ist ein fundamentaler Bestandteil des Lebens. Ohne sie würde nichts funktionieren. Das Leben scheint geradezu daraufhin ausgerichtet zu sein, dass es sich durch die Ernährung immer wieder neu transformiert. So kann es also nicht falsch sein, die damit im Zusammenhang stehenden Naturgesetze zu erkennen und zu studieren. Es kann nicht falsch sein, diese Gesetze zu beachten. Sie wurden in vielen Millionen von Jahren geschrieben, sie bestehen im Leben und der Natur und sie legen sich immer wieder in jede lebendige Zelle. Auch für uns Menschen sind sie heute noch ohne Einschränkung gültig. Es kann nicht falsch sein einer Weisheit zu folgen, die unvergleichlich viel mehr Wissen enthält, als sämtliche gelehrten Köpfe und Computer zusammengenommen: der Weisheit der Natur und des Lebens. Es kann nicht falsch sein, unserem Körper die unverfälschten Baustoffe anzubieten, die er für seine geniale Konstruktion benötigt.

Menschen, die glauben, das Problem der Ernährung vernachlässigen zu können, werden immer wieder auf der Stelle treten, selbst wenn ihre Erklärungsmodelle noch so geistreich klingen. Sie werden sogar Rückschläge oder Rückentwicklungen hinnehmen müssen. Aber auch jene, die versuchen, sich ausschließlich auf die Naturkost zu konzentrieren und alles andere außer Acht lassen, werden nicht wirklich vorankommen, weil sie wichtige Hintergründe ihrer eigenen Lebenssituation nicht erkennen und von diesen Ursachen sogar unbewusst beherrscht, ja sogar bis zum Scheitern gebracht werden.

Sein oder nicht sein wird sich also daran entscheiden, ob wir authentisch mit uns selbst und mit der Natur sein können und ob es uns gelingt, kulturelle Irrtümer und Systemfehler aufzudecken, zu verstehen und zu korrigieren. Das ist eine Voraussetzung für die Evolution des Bewusstseins. Die bisherigen Rezepte haben uns da nicht unbedingt sehr weit gebracht. Ebenso wenig nützt es, sich dualistischer Schicksalsgläubigkeit hinzugeben.

Doch dieser Weg beginnt nicht beim Staat oder einer Partei, nicht bei einem Verein und auch nicht in irgendeiner Kirche. Dieser Weg beginnt bei jedem Einzelnen selbst. Es ist kein Verzicht, sondern ein großer Gewinn, den wir damit erreichen können. Wir können alles gewinnen, wenn wir wollen oder auch alles verlieren.

 

Kapitel 1 -- Ernährung und Psyche

Dass Ernährung und Psyche zwei Dinge sind, die sich gegenseitig sehr beeinflussen, wird von vielen Menschen, wenn nicht sogar von den meisten, gar nicht so sehr bewusst wahrgenommen. Natürlich, man fühlt sich gut, wenn man eine schmackhafte und sättigende Mahlzeit hinter sich hat. Aber dass da vielleicht ein paar wesentliche Dinge in diesem Zusammenhang bei uns Menschen sehr schief laufen, die ihre Ursache im denaturierten Ernährungsverfahren haben und die ernste Folgen nach sich ziehen, wird kaum oder überhaupt nicht gesehen. Auch Psychotherapeuten behandeln dieses Thema eher stiefmütterlich, obwohl gerade sie das Unterbewusstsein erforschen wollen. Man nimmt allenfalls an, dass die psychischen Ursachen das Ernährungsverhalten der Menschen beeinflussen. Aber dass die Qualität der Nahrung maßgeblich die Psyche beeinflusst, ja sogar die entscheidende Ursache für psychische Probleme oder Störungen ist, wird nicht wenige sehr erstaunen. Diese Erkenntnis und Erfahrung erschließt sich ebenfalls erst im Zusammenhang mit einer konsequenten und dauerhaften instinktiven Rohkosternährung. Bisher wurden Beobachtungen aber immer nur an Menschen gemacht, die sich denaturiert ernähren. So kann man aber keine Einsichten bekommen, wie unser Verhalten und unsere psychische Konditionierung ohne denaturierte Ernährung aussehen würde. Man nimmt einfach an, so wie es ist, so ist es halt. Ebenso wie man annimmt, dass die Kochkost zur menschlichen Ernährung gehört, weil sich praktisch alle Menschen von gekochten Produkten ernähren.

Im ersten Band habe ich schon mehrmals psychische Zusammenhänge oder Hintergründe gestreift. Wenn man sich in den Bereich der natürlichen Ernährung begibt - und selbst schon, wenn man sich mit dem Thema Ernährung nur sehr aufmerksam beschäftigt - stößt man unweigerlich immer wieder an solche Verbindungen. Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch dieses Gebiet. Und sie berühren und beeinflussen unser Leben in geradezu existenzieller Weise. Was nun aber auf der Grundlage der instinktiven Rohkosternährung im Bereich der Psyche an Zusammenhängen und Hintergründen sichtbar gemacht werden kann, das war auch für mich selbst zunächst unerwartet und überraschend und geradezu atemberaubend. So will ich beginnen, dieses Thema hier zu vertiefen.

Es gibt im Wesentlichen drei Hauptursachen für sehr ungünstige bzw. sehr starke Beeinflussungen unserer Psyche und unseres Verhaltens im Zusammenhang mit dem Ernährungsverfahren. Das sind:
- Die Prägung und Strukturierung der Psyche durch unsere Kultur.
- Die Umkippung des Befragungszustandes zum Behauptungszustand.
- Die Reizung unseres Nervensystems durch anormale Substanzen und die dabei entstehenden Rückkopplungen in unserer Psyche.

Die erste Ursache, die Strukturierung oder Prägung unserer Psyche durch unsere Kultur, kommt - jedenfalls auf den ersten Blick - ausschließlich aus dem kollektiven psychischen Bereich. Es sind in diesem Fall also psychische Hintergründe, die unser Verhalten beeinflussen. Dass dahinter aber auch noch eine andere Ursache steht, werden wir später noch genauer sehen. Auf jeden Fall gibt es ein Fülle von Verhaltensweisen, die unsere Kultur und unsere Erziehung in uns einpflanzt, die genügend Kraft besitzen, unser gesamtes Leben enorm zu beeinflussen und unsere Wege zu lenken, auch ohne dass wir es merken. Wir glauben dann zwar, in vielen Situationen der Herr unserer Dinge zu sein. Aber in Wirklichkeit wirken Kräfte aus dem Unterbewusstsein, die unsere Entscheidungen zumindest beeinflussen, wenn nicht sogar überwiegend oder ganz bestimmen.

Wenn wir als kleine Kinder auf die Welt kommen, gibt es in uns schon eine Reihe von Dingen, die sozusagen als Arbeitsprogramme bereits fest in uns installiert sind. Das sind z.B. Steuermechanismen, die das Funktionieren des Gesamtsystems gewährleisten und die uns durch die Genetik mitgegeben wurden. Diese Genetik ist auf der Grundlage von Naturgesetzen entstanden. Auf unserer inneren "Festplatte" sind bereits zahlreiche Programme installiert, wenn wir das Licht der Welt erblicken. Aber was unsere psychischen Speicher und Verzeichnisse betrifft, ist ein großer Teil davon zu diesem Zeitpunkt praktisch noch leer. Diese werden erst nach und nach im Laufe der Jahre und im Zuge der Erfahrungen, die wir machen, beschrieben und damit also unser Unterbewusstsein strukturieren. Dann machen wir mancherlei Beobachtungen und Erfahrungen und diese Daten bzw. Informationen zeichnen sich wie die Spurrillen einer Schallplatte in bestimmte innere Verzeichnissen ein, und das um so tiefer, je mehr sie existenziellen Charakter für uns haben. Und ohne dass wir es bewusst steuern, wird sich auch in späteren Situationen und unter bestimmten Umständen der Tonarm genau in diese Spurrillen setzen. Kompliziert wird die Sache übrigens auch noch dadurch, dass ja unter den einzelnen Verzeichnissen Verknüpfungen bestehen, um das Gesamtsystem effektiv zu betreiben.

Da gibt es also zum Beispiel die Beobachtungen, dass die Erwachsenen manche Getränke aus feinen Porzellantassen oder geschliffenen Kristallgläsern trinken, woraus wir als Kinder unweigerlich schlussfolgern müssen, dass dies alles offenbar etwas Besonderes sei. Da gibt es ausgelassene Feste mit viel Fröhlichkeit und mit üppig gedeckten Tafeln. All diese Bilder und die damit verbundenen Gefühle und Inhalte zeichnen sich in unsere Psyche ein. Und da gibt es auch ein tägliches Ernährungsverfahren, das uns bestimmte Regeln, Anschauungen oder Glaubenssätze vorgibt und alleine schon durch die fortwährende tägliche Wiederholung tiefe Spuren in uns hinterlässt. Am schwerwiegendsten sind jene Erfahrungen, die unmittelbar mit Liebe, mit Leben und mit Überleben verbunden sind. Wenn diese berührt und vielleicht mit falschen Inhalten gespeichert oder überlagert werden, dann zieht das Folgen und Konflikte nach sich, die unser ganzes Leben massiv betreffen. Irgendwie spüren wir dann zwar noch, dass in unserer Welt, in unserem Leben und in uns selbst erhebliche Konflikte und Widersprüche bestehen. Aber da uns unsere von der Kochkost geprägte Kultur keine anderen Bilder vorgibt als die, die wir unter diesen Erfahrungsbedingungen kennen, halten wir diese Konflikte und Widersprüche, die wir auch sonst überall sehen können, für relativ normal und wir versuchen, uns damit irgendwie zu arrangieren. Wenn sie sich dann in unserem Inneren oder in unserem Umfeld manifestiert haben, unterdrücken wir potentielle Warnsignale auch noch nach besten Kräften.

Aber es ist nicht nur der Tonarm, der sich unbewusst in die eingezeichneten Spurrillen senkt. Die ganze Sache ist noch ein bisschen komplizierter. Da gibt es zum einen zwar bestimmte Erfahrungen und Beobachtungen, die mehr und mehr unsere inneren Verzeichnisse und Speicher füllen und damit auch unsere späteren Wege mitbestimmen. Aber da gibt es vor allem auch schon einen unglaublich großen Bestand an vorhanden Daten. Es sind Arbeitsprogramme, Daten und Informationen, die wir vom ersten Tage an, also mit unserer Geburt, auf diese Welt mitbringen und deren Wurzeln zurückreichen bis zur ersten Zelle des Lebens vor zwei Milliarden Jahren. Diese Informationen enthalten ein unglaublich reiches Wissen. Sie enthalten das Wissen um die Gesetze der Natur. Und sie enthalten vor allem auch das Wissen um die Charakteristiken und Erfordernisse der eigenen Art. Sie enthalten genetische Prägungen und Programme, aber nicht nur im organischen Sinne. In ihnen sind auch die Programmierungen für unsere Instinkte gespeichert. Es gibt ja nicht nur den Ernährungsinstinkt, von dem hier schon viel die Rede war, sondern noch eine Reihe anderer Instinkte, die ebenfalls elementar zu unserem menschlichen Leben dazugehören. Da wäre z.B. der Liebesinstinkt, der sexuelle Instinkt, der Abwehrinstinkt, der Hordeninstinkt, der Ateminstinkt, der Mutterinstinkt, der Instinkt der Brutpflege und manches weiter. Die Programmierung dieser Instinkte ist bereits schon in jedem Baby vorhanden. Sie ist so sicher vorhanden, wie man keinem Baby erklären muss, dass es an der Brust der Mutter Nahrung findet und dass es nur daran zu saugen braucht. Das Baby wird dieses Verfahren beherrschen, ohne es jemals zuvor irgendwo gesehen oder gelernt zu haben. Die Mutter wird allenfalls seinen Mund in die Nähe der Brust führen. Aber sobald es dort angelangt ist, wird es, sofern es hungrig ist, mit dem Saugen beginnen.

Manche Verhaltensforscher mögen diese Dinge vielleicht etwas abwertend nur als Reflexe bezeichnen. Aber es ist doch klar, dass es sich dabei nicht nur um Reflexe handelt, die einfach so entstehen, durch eine bestimmte Reizung vielleicht, sondern dass es Automatismen und Triebe sind, die bereits in einem Grundprogramm mit einer Reihe von Instinkten angelegt sein müssen. Ein Schaf, das über keinen Herdeninstinkt verfügt, würde sich großer Gefahr aussetzen. Doch mit Herdeninstinkt wird es diese Gefahr spüren, auch wenn es noch nie zuvor einen Wolf gesehen hat. Oder ein Mensch, der niemals über Sexualität aufgeklärt wurde, wird dennoch eines Tages spüren, dass da irgend etwas in ihm nach einer Verwirklichung strebt.
Wir können also mit Sicherheit davon ausgehen, dass nicht nur in der Tierwelt, sondern auch in jedem von uns instinktive Programme schon genetisch fest angelegt sind, wenn wir auf die Welt kommen. Und wir können weiterhin davon ausgehen, dass das Leben diese Programme so angelegt, beschrieben und weiterentwickelt hat, dass sie dem Leben des Individuums und der Art nützlich sind und sich selbst ständig perfektionieren. Es ergibt anders einfach keinen Sinn, weil sonst die Gesetze der natürliche Auslese unbarmherzig zuschlagen und das Individuum und sogar die ganze Art auslöschen würden. Schon das Fehlen oder Nichtfunktionieren eines einzigen Instinktes, z.B. des Sexualinstinktes, hätte evolutionsgeschichtlich dazu geführt, dass die Entwicklung ins Leere geht.

Nun kommen wir also auf die Welt und sind zum einen schon gut ausgerüstet mit spezifischen Programmen. Aber wir machen zum anderen auch viele Erfahrungen und Beobachtungen, die ihrerseits neue Informationen in uns hinterlassen. Diese neuen Informationen erreichen unser Unterbewusstsein und treffen dort natürlich auf die bestehenden Datenbestände. Und genau an dieser Stelle entstehen in unserem Unterbewusstsein erhebliche Konflikte, wenn die neuen Informationen, die unsere Kultur uns gibt, nicht mit den Informationen übereinstimmen, die die bestehenden Programme in uns erwarten.

Wenn wir also als kleine Kinder eine süße Frucht erwarten und stattdessen einen pappigen Brei in den Mund geschoben bekommen, dann werden wir die ersten Male vielleicht noch strampeln, spucken und uns dagegen wehren. Aber es gibt zwei entscheidende Gründe, die uns dazu bringen, diesen Brei dann doch regelmäßig zu schlucken; abgesehen davon, dass wir nichts anderes angeboten bekommen. Der erste ist, dass damit in uns ein ganz wichtiges genetisches Programm überlistet wird, nämlich unser Ernährungsinstinkt. So sitzen wir schon bald in der gleichen Falle wie unsere Eltern. Und der zweite Grund ist der, genau zu spüren, dass in der Erwartungs- und Glaubenshaltung unserer Mutter der Wunsch enthalten ist, diesen Brei zu essen, damit wir volle Wangen bekommen und groß und stark werden. Unsere Mutter drückt diese Erwartungshaltung auch noch damit aus, dass sie uns lobt und besondere Zuwendung schenkt, wenn wir brav unseren Teller leergegessen haben, oder andererseits, dass sie ein grimmiges Gesicht macht und die Stimme hebt, wenn wir uns dem verweigern wollen.
So entsteht in unserem Unterbewusstsein ein großer Konflikt. Unsere genetische Ernährungsprogrammierung erwartet natürliche Nahrung, doch unser Ernährungsinstinkt wird machtvoll überlistet, was noch dazu erhebliche Folgen für andere Programmierungen in uns hat und unseren Körper vor unerwartete Aufgaben stellt. Andererseits wird aber unsere genetisch programmierte Erwartung nach Zuwendung befriedigt, jedoch im Zusammenhang mit der Aufnahme denaturierter Nahrung. Also kurz zusammengefasst. Einmal wird ein genetisches Programm nicht befriedigt und es entstehen sogar noch weitere Probleme in unserem Körper. Und einmal wird ein genetisches Programm befriedigt, wenn die Nichtbefriedigung oder die Nichtentsprechung zum ersten aufrechterhalten wird. Dies dürfte einen so großen Konflikt in unserem Unterbewusstsein schon in den frühesten Kindheitstagen hinterlassen, für den das Wort Trauma eigentlich noch eine milde Formulierung ist. Später folgen noch weitere Reglementierungen und Prägungen, die uns die Erziehung und unsere Kultur eingeben, aber die nicht unbedingt unseren vorhanden inneren Programmen entsprechen. Verschärft wird das Ganze auch noch damit, dass mit der denaturierten Nahrung, wenn auch nicht das Leben in seiner eigentlichen Qualität und Bestimmung, aber doch zumindest ein Überleben eine bestimmte Zeit möglich ist. Also auch darin der Konflikt, wo einerseits einem Grundprogramm entsprochen und das Leben erhalten wird, aber andererseits langfristig sehr schädliche Wirkungen entstehen.

Schließlich gibt es noch einen weiteren ganz gravierenden Konflikt. Jedes Verhalten, das mit Vergnügen belohnt wird, prägt sich positiv ein in der Psyche, und jedes Verhalten, das mit Missvergnügen bestraft wird, prägt sich ebenfalls in der Psyche ein, aber es wird als negativ, als gehemmt und als unangenehm verinnerlicht. Das ist eine Grundlage des normalen Funktionierens unserer Psyche. Aber das bedeutet auch, wenn wir denaturierte Produkte verzehren und uns diese Genuss und Vergnügen bereiten - wenn auch nur einen Scheingenuss, aber immerhin - werden diese als positiv in unserer Psyche verinnerlicht, obwohl sie eigentlich für unseren Körper schädlich sind. Und wenn wir andererseits vollkommen naturbelassene und ursprüngliche Produkte zu uns nehmen wollen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass uns diese nicht schmecken oder keinen besonderen Genuss bereiten, eben auf Grund der bestehenden Überlastungen mit den denaturierten Produkten. Sie können sogar einen sehr unangenehmen Eindruck auslösen. Und selbst wenn uns bestimmte Früchte trotz denaturierter Ernährung manchmal einigermaßen schmecken, so erreichen wir den eigentlich möglichen und notwendigen hohen Genuss damit unter diesen Umständen eben nicht. Zudem sind die wahrgenommenen Empfindungen und das Genussniveau hierbei von Zeit zu Zeit ohnehin auch noch verschieden, während dagegen die denaturierten Produkte in ihrem Geschmack immer gleich bleiben. So werden also die naturbelassenen Produkte häufig als unangenehm verinnerlicht, weil wir mit ihnen unter den denaturierten Ernährungsbedingungen nicht selten Missvergnügen erleben, obwohl wir normalerweise genau diese dringend benötigen würden. Dagegen werden die denaturierten Produkte trotz schädlicher Wirkungen positiv verinnerlicht, weil sie uns einen gewissen Genuss bringen. Und das geschieht um so öfter und stärker, je mehr wir mit denaturierten Produkten überlastet sind.

Wir müssen also feststellen, dass der Intellekt uns zwar in die Lage versetzt hat, die Denaturierung vorzunehmen, aber er war nicht in der Lage vorauszusehen, welche dramatischen Folgen sie haben würde. Wir haben durch die denaturierte Ernährung sozusagen eine Art permanenten Kurzschluss in unserer Psyche.
Wie aber wird nun unser Unterbewusstsein und unsere Psyche mit diesen Konflikten im Laufe der Zeit und vor allem später im Erwachsenenalter umgehen? Es wird Rechtfertigungen, Entschuldigungen oder Begründungen aufbauen, warum wir dies so und nicht anders praktizieren. Es wird unser Mutterbild schützen wollen, das mit der denaturierten Nahrungsaufnahme gekoppelt ist. Wir werden uns auch unbewusst einem Sog ergeben, der eindeutig süchtige Komponenten oder Verhaltensweisen enthält. Wir werden viel arbeiten müssen um damit zumindest das eine Programm, wo es um das Überleben geht, wenigstens einigermaßen zu befriedigen. Aber wir werden andere elementare Bedürfnisse nicht in ihrer eigentlichen Erwartung befriedigen können. Zum einen schon dadurch nicht, weil unser inneres Gesamtsystem durch die denaturierte Nahrungsaufnahme ohnehin gestört ist und selbst schon, weil wir einfach keine ausreichende Zeit mehr dazu haben. Wir werden dieses Dilemma irgendwie spüren, doch wir werden Trost, Liebe und Zuwendung in der denaturierten Nahrung suchen. Schließlich werden wir auch noch Scheinwahrheiten willkommen annehmen, die uns ein gutes Gewissen geben, damit wir unser Ernährungsverhalten so fortsetzen können wie bisher. Unser Unterbewusstsein wird diese verfälschten, widersprüchlichen und unwahren Inhalte oder Dateien vor die eigentlichen Programme schalten und ein ganzes Netz aus Rechtfertigungen, Glaubenssätzen und Stereotypen aufbauen, welches außerdem auch noch dazu führt, dass die eigentlich wahren Informationen oder Inhalte - also jene, die widerspruchsfrei und konvergent mit den vorhandenen Programmierungen unserer Instinkte sind - dieses Geflecht in einem bewussten intellektuellen Prozess häufig gar nicht mehr durchdringen können. Und unser Unterbewusstsein wird auch noch sich selbst gegenüber in Rechtfertigungen treten, um die Widersprüche und Konflikte und die Fehler, die es zwar spürt aber nicht abstellen kann, irgendwie abzuschwächen.

Aber das war lediglich der erste Punkt. Kommen wir nun zum zweiten, der Umkippung des Befragungszustandes zum Behauptungszustand. Im ersten Band sind auch diese beiden Begriffe im Zusammenhang mit der Ernährung hin und wieder schon gefallen und ihre Bedeutung oder Wirkung auf die Psyche angedeutet worden. Diese Sache ist aber von solcher Tragweite, dass sie nun als einzelner Punkt herausgestellt und vertieft werden muss. Und es lässt sich am Anfang schon sagen, dass es natürlich ein großer Unterschied ist, ob wir überwiegend mit einem Behauptungs- oder mit einem Befragungszustand durchs Leben gehen.

Wie sieht diese Sache nun aus, wenn man sich denaturiert ernährt? Im denaturierten Ernährungssystem werden wir schon vorher innerlich behaupten können, dass eine bestimmte Speise uns Genuss bringen soll, und wir werden dies tatsächlich immer wieder bestätigt finden. Ob es nun ein Gericht ist, welches wir auf einer Speisekarte auswählen oder vielleicht selber kochen, ob es die Brötchen auf dem Frühstückstisch sind oder der Kaffee, ob es eine Eissorte ist, die wir mögen oder eine Schokolade oder auch ein Lieblingsgericht, das wir uns zum Geburtstag wünschen oder zum Wochenende, oder auch unser tägliches Abendbrot, wir werden immer wieder innerlich behaupten können, dass diese Produkte uns Genuss bringen sollen und wir werden immer wieder diese Behauptungen bestätigt finden; bis auf ganz seltene nicht nennenswerte Ausnahmen eventuell, weil vielleicht ein Koch einmal eine Suppe versalzen oder ein Steak angebrannt hat. Grundsätzlich werden wir aber diese Behauptungen stets und ständig anwenden, täglich bei jeder Mahlzeit und sogar schon lange vorher. Die denaturierten Produkte sind in unserer Geschmackswahrnehmung niemals größeren Schwankungen unterworfen. Spaghetti mit Tomatensoße werden uns immer wie Spaghetti mit Tomatensoße schmecken und Schokolade immer wie Schokolade. So werden wir in unserer Behauptungshaltung schon die Erwartung eines bestimmten Geschmackes oder Genusses enthalten haben, wenn wir diese Produkte kennen, und die Wirklichkeit wird uns tatsächlich recht geben.

Wenn wir also ein bestimmtes Produkt mit einem bestimmten Wohlgeschmack verbinden, werden wir schon vorher behaupten können, genau diesen Wohlgeschmack wieder darin zu finden. Und wenn wir ein bestimmtes Produkt mit einem schlechten Geschmack verbinden, werden wir ebenfalls schon vorher behaupten können, dass es schlecht ist. In beiden Fällen wird uns die Wirklichkeit recht geben. Wir können in ein Restaurant gehen, die Speisekarte nehmen und ein Gericht auswählen, ohne dieses zuvor gesehen und gerochen zu haben, allein mit unseren mentalen Vorstellungen. Das ist reine Behauptung. Oder wir können auch eine bestimmte Eissorte, die wir mögen, an verschiedenen Orten kaufen oder sogar durch Dritte uns mitbringen lassen und wir werden tatsächlich den Geschmack und Genuss darin finden, den wir kennen. Oder umgedreht, ein bestimmtes Produkt verbinden wir mit einem negativen Genussempfinden, sagen wir z.B. gekochten Spinat, so werden wir stets Erfahrungen machen, die genau das bestätigen. Also auch damit werden wir die Behauptungshaltung anwenden und sogar festigen.

Wir können solche Behauptungen sogar auch noch kollektiv aufstellen, z.B. indem wir für eine ganze Hochzeitsgesellschaft schon vorab entscheiden, welches Gericht alle Personen verzehren werden oder welchen Kuchen. Sicher wird es da geringe individuelle Unterschiede in der Geschmacksbewertung geben. Der eine wird vielleicht ein bestimmtes Gericht mehr als ein anderer mögen. Aber dennoch wird es üblicherweise allen möglich sein, dieses zu verzehren. Ja, man kann dann sogar kollektiv darüber urteilen, ob es gut oder schlecht zubereitet war. Was aber noch entscheidender ist, es wird niemals dazu kommen, dass z.B. ein Stück Kuchen jemanden auf der Zunge brennt, wie eine ursprüngliche Frucht bei der instinktiven Sperre.

So können wir also feststellen, dass im denaturierten Ernährungssystem der Weg, um den Genuss zu verwirklichen, die Behauptung ist. Sowohl, um Vergnügen und Genuss zu erreichen, als auch um Missvergnügen zu vermeiden wird immer wieder die Behauptung angewendet. Immer wieder werden wir unsere Haltung dahinein investieren. Und immer wieder wird uns die Wirklichkeit aufs neue bestätigen, dass wir damit recht haben.
Ganz anders aber im natürlichen instinktiven Ernährungsverfahren mit ausschließlich rohen und unveränderten Produkten. Da ist es auf gar keinen Fall möglich, solche Behauptungen anzuwenden, um den Genuss zu verwirklichen. Vielleicht wird es in seltenen Fällen einmal zutreffen, aber meistens eher nicht. Und vor allem nicht, wenn auch wirklich naturbelassene und ursprünglichen Produkte verwendet werden. Dann kann ich also nicht innerlich behaupten, diese Ananas soll mir jetzt Genuss bringen oder dieser Milchapfel. Es kann nämlich sein, dass die Ananas mir im Moment gar nicht besonders gut schmeckt und zudem auch noch sehr schnell an der Zunge zu brennen beginnt, oder dass der Milchapfel, der von einem anderen vielleicht als wunderbar süß und köstlich empfunden wird, mir selbst beinahe schon widerlich ist. Auch wenn mir eine Sorte vielleicht an einem Tag besonders gut schmeckt, bedeutet das noch lange nicht, dass dies für die nächsten Tage nun auch noch so bleibt. Wir werden viel häufiger feststellen, dass ein Produkt, das uns noch am Vortage höchsten Genuss verschaffte, plötzlich auf einer tieferen Genussebene liegt. Oder auch umgedreht. Ein Produkt, das uns in der vergangenen Zeit schlecht oder uninteressant roch, riecht plötzlich verlockend und schmeckt auch ausgezeichnet.

So wird es also bei dieser natürlichen instinktiven Ernährungsweise nie möglich sein, gleichbleibende allgemeine oder auch subjektive Bewertungen für den Geschmack aufzustellen. Es kann z.B. sein, dass zehn verschiedene Personen das gleiche Produkt probieren und es wird zehnmal verschieden beurteilt, oder auch noch häufiger. Das ist durchaus möglich. Oder es kann auch sein, dass wir eine bestimmte Geruchs- und Geschmackswahrnehmung mit einem bestimmten Produkt hatten und einige Zeit später entdecken wir an genau demselben Produkt ganz neue oder andere Nuancen, was sogar auch noch so weit gehen kann, dass diese Empfindungen extrem entgegengesetzt liegen. Wir können dann also nicht für alle Zeit solche Behauptungen aufstellen, wie z.B. "Avocados schmecken mir nicht." Wir können dann nur sagen: "Avocados schmecken mir zur Zeit nicht." Oder noch besser, "Avocados schmecken mir heute nicht, in diesem Augenblick." Und wir können umgedreht unmöglich behaupten, dass uns irgendeine andere Sorte fortlaufend Genuss verschaffen soll. Noch weniger ist es möglich, dies gleich kollektiv für eine ganze Mannschaft festzulegen. Wir werden also Missvergnügen ernten, wenn wir hierbei Behauptungen anwenden. Und wäre da nicht noch die instinktive Sperre, so würden wir uns in der Natur auf diese Weise sogar permanent vergiften. Lassen wir uns dagegen hierbei durch die Befragung führen, werden wir sehr hohe Genusserlebnisse und eine sehr hohe Zufriedenheit erreichen.

So können wir also feststellen, dass im natürlichen Ernährungsverfahren der Weg, um den Genuss zu verwirklichen, die Befragung ist. Wir können nicht dahergehen und behaupten, dieses oder jenes Produkt soll uns jetzt Genuss verschaffen und uns befriedigen. Und wir können andersherum auch nicht ein Produkt schon von vornherein als schlecht werten. Ich kann nur mit einer innerlichen Befragungshaltung dem gegenübertreten, also mit der Frage: Wird es mir gut riechen und wird es mir gut schmecken? Ich werde es auf mich wirken lassen und in mich hineinspüren und ich werde erst dann feststellen, es wird mir Genuss oder es wird mir keinen Genuss verschaffen. Aber wir werden dies nicht schon vorher und noch weniger auf Dauer und schon gar nicht kollektiv per Behauptung festlegen können, weder in die eine noch in die andere Richtung.

So ist also klar zu sehen, dass von der Natur aus der Behauptungszustand eigentlich einen sehr kleinen und der Befragungszustand einen sehr großen Platz in unserer Psyche einnehmen sollte und dass eine totale Umkippung dieses Verhältnisses durch die denaturierte Ernährung entsteht. Und das zeichnet sich gleich mehrmals täglich ein in unser Unterbewusstsein und strukturiert unsere Psyche. Dass sich daraus nicht nur Folgen für uns persönlich - für unsere Psyche, für unser Verhalten, für unsere Gesundheit, für unsere Beziehungen usw. - ergeben, sondern auch dramatische Folgen für unsere ganze Gesellschaft und Kultur, dazu bedarf es, wenn man diese Zusammenhänge erst einmal erkannt hat, kaum noch eines größeren Vorstellungsvermögens.

Die Prägung mit dem übergroßen Behauptungszustand beginnt ebenfalls schon in der frühesten Kindheit. Auch ein Kleinkind wird schon behaupten können: "... Ich weiß, dass dieser Bonbon schmeckt, ich will diesen Bonbon haben ... " usw. Es wird sogar Missvergnügen ernten, wenn es zögert, weil nämlich dann das Brüderchen kommt und sich den Bonbon schnappt. Später wird dann der Behauptungszustand unser ganzes Leben durchdrungen haben und wir werden immer wieder und auch in ganz anderen Situationen in die Behauptung investieren: "... Ich weiß es ..., ich habe recht ..., die Meinung meiner Partei ist die richtige ..." usw., dieses ganze Zeug statt Entspannung, Öffnung und Befragung.


ch habe einmal auf der indonesischen Insel Lombok durch Zufall an einigen Affen den Behauptungs- und Befragungszustand sehr gut beobachten können. Es war eine Horde, die sich in der Nähe eines entlegenen Tempelgeländes aufhielt, das an einen Dschungel angrenzte. Dass sich die Affen dort aufhielten hatte seinen Grund darin, dass dort hin und wieder Besucher kamen, die sie fütterten. Im Eingangsbereich wurden an einem kleinen Verkaufsstand unter anderem auch Erdnüsse verkauft. Diese Erdnüsse waren natürlich geröstet. Wenn also ein Besucher ankam, einige Erdnüsse kaufte und diese den Affen hinwarf, so schnappten sich die Affen die Erdnüsse und steckten sich diese sofort in den Mund hinein. Also keine Spur von einer Befragung. Das beobachtend kam ich auf die Idee ein kleines Experiment zu machen. In meinem Gepäck befanden sich einige Mangostan. Ich nahm also eine dieser Früchte, brach die dicke Schale ab und warf zuerst nur die Schale einem großen Affen hin. Der griff nach der Schale, hielt sie sich jedoch einen Moment kurz unter die Nase und ließ sie sofort wieder fallen. Dann nahm ich aber etwas Fruchtfleisch und warf es ihm hin. Er schnappte sich auch dieses, hielt es sich ebenfalls einen Moment unter die Nase und steckte es danach gleich in den Mund hinein. Dies alles lief mit einer solchen Präzision und Zügigkeit ab, die nicht die geringsten Zweifel zeigte. Ich konnte sogar in seinen Augen sehen, wie sich im Moment des Riechens sein Blick quasi nach innen richtete. Auch bei den anderen Affen, die inzwischen herangekommen waren, konnte ich das ganz genauso beobachten. Sie waren also noch nicht weit degeneriert. Dann kam aber wieder ein neuer Besucher, der einige geröstete Erdnüsse hinwarf. Die Affen schnappten sich auch diese wieder, aber steckten sie ohne daran zu riechen gleich in den Mund hinein. Sie hatten inzwischen verstanden, diese gerösteten Erdnüsse schmecken praktisch immer, und so braucht man sich darüber nicht zu befragen. Man kann einfach zugreifen und fressen.

Bei uns Menschen ist diese Sache aber schon sehr viel weiter degeneriert. Wir befinden uns nicht mehr in irgendwelchen Anfängen der Verfälschungsfolgen. Bei uns ist das von der Natur vorgesehene Verhältnis bereits vollkommen umgekippt. Der Behauptungszustand, das kann man überall sehr gut beobachten, hat sich sogar regelrecht aufgeblasen. Würde dies das richtige Verhältnis sein, dann dürfte es damit eigentlich keine Schwierigkeiten geben. Aber das Gegenteil ist leider der Fall. Wir machen auf diese Weise vieles kaputt und wir haben damit eine Fülle von Schwierigkeiten. Sehr nachteilig wirkt sich dabei auch noch unser Intellekt aus, der eigentlich ein nützliches Werkzeug sein sollte. Doch im Zusammenhang mit dem denaturierten Ernährungsverfahren kommt es zu Beurteilungen, die keine natürliche Entsprechung haben und deren Einfluss sich auch auf Situationen erstreckt, die in ihrer Gesamtheit eigentlich niemals vom Intellekt wirklich erfassbar sind. Das Tier, das weder über intellektuelle Verstandeskraft verfügt noch über die Ratschläge der Ernährungswissenschaftler, muss zwangsläufig dem Nahrungsprodukt immer wieder mit einer Nullwertung gegenübertreten. Es muss sich vollkommen auf seinen Instinkt verlassen. Es hat gar keine andere Wahl. Die Menschen aber tragen einen riesigen Berg an Beurteilungen, Meinungen, Voreingenommenheiten, Rechtfertigungen und Behauptungen mit sich. Behauptungen, die im Zusammenhang mit dem denaturierten Ernährungsverfahren entstanden.

Wenn ich mich in der Natur befinde, kann ich z.B. intellektuell wissen, wo sich ein bestimmter Obstbaum befindet. Ich kann den Weg dahin mit Hilfe meines Verstandes finden, kann meinem Arm den Befehl geben, den Ast herunter zu biegen, um die Früchte zu greifen. Doch ob ich diese Früchte esse oder nicht - ob sie momentan gut für meinen Körper sind oder eher schlecht - kann fehlerfrei nur mein Instinkt entscheiden, indem ich an den Früchten rieche und schmecke. Riechen sie gut und schmecken sie auch noch ausgezeichnet, dann werden sie bestens auf meinen Körper wirken, werden dem Körper Bausteine liefern, die er momentan benötigt. Riechen sie aber schlecht und schmecken auch noch schlecht, dann würde ich damit meinem Körper nur einen schlechten Dienst erweisen, wenn ich sie dennoch verzehre (vielleicht unter Zuhilfenahme von Zucker oder anderen Gewürzen).

Nun gehen wir aber davon aus, dass wir höher entwickelte Wesen sind. Es ist auch klar, dass die Strukturierung unserer Psyche durch das Ernährungsverfahren außerordentlich groß ist und Wirkungen auf all unsere Lebensbereiche hinterlässt, nicht nur auf die Auswahl der Nahrung. So stellt sich also noch die wichtige Frage. Welchen eigentlichen Zweck könnten dann Behauptungen für uns Menschen haben und in welchem Rahmen wäre ihre Anwendung sinnvoll?

Wenn man eine Behauptung starr und steif verwendet und erklärt, so ist es, schwarz oder weiß, dann kann man nichts mehr machen, dann ist jede Diskussion immer steril und abgegrenzt und der Austausch mit einem Anderen, der vielleicht sehr bereichernd sein könnte, bleibt blockiert. Auch können wir überall sehen, wie Behauptungen als eine Form der Absicherung verwendet werden. Man hat eine bestimmte Ansicht oder Überzeugung und will diese durch Behauptungen absichern. Wenn man sich aber grundsätzlich im Befragungszustand befindet, kann man eine Behauptung als eine Art Werkzeug verwenden. Als ein Werkzeug, um z.B. den Dialog zu öffnen und um die Wirklichkeit besser zu erforschen. Man sagt dann etwas, um die Annahme, die man bereits hat, in die Prüfung der Wirklichkeit zu setzen und um zu sehen, was dann geschieht. Die Behauptung ist in diesem Falle also nicht starr und steif, sondern gepaart mit Offenheit und Befragung. Sie ist ein Experiment und keine Vorentscheidung. So sieht man, dass es vielleicht nicht ganz weiß oder nicht ganz schwarz ist und man versteht, warum es möglicherweise verschiedene Abstufungen gibt. Und so ist in der Diskussion und im Erkenntnisprozess eine gute und rasche Weiterentwicklung möglich. Diese Form der Behauptung bleibt also ein Versuch. An dessen Ausgang kann man sich gut orientieren. Das ist eine ganz andere Art zu leben.

Oder, um auf unser einfaches Beispiel mit dem Obstbaum in der Natur noch einmal zurückzukommen. Ich kann mit dem Intellekt durchaus eine gewisse Behauptung anwenden. Nämlich die, dass ich weiß, wo sich der Baum befindet. Doch ob ich seine Früchte esse oder nicht, kann ich im gegenwärtigen Augenblick zweifelsfrei nur mit dem Instinkt und damit im Zusammenhang mit der Befragung entscheiden. Bei Früchten, die züchterisch verfälscht wurden, ist das mitunter nicht sehr präzise. Doch bei ursprünglichen wilden Sorten funktioniert es eindeutig.

So sehen wir also, dass die grundsätzlichsten Funktionen unserer Psyche auf dem Ernährungsinstinkt beruhen bzw. durch das Ernährungsverfahren strukturiert werden. Schon ganz am Anfang des Lebens, vor etwa zwei Milliarden Jahren, mussten die ersten Zellen entscheiden, ob irgend eine Substanz nützliche Nahrung oder schädlicher Abfall ist. Sie mussten sich dafür oder dagegen entscheiden. Da gibt es also eine uralte Ja-Nein-Funktion. Aber eine Ja-Nein-Funktion, die immer etwas in Frage gestellt bleibt. Das, was Ja war, muss nicht unbedingt Ja bleiben und kann auch Nein werden. Und das, was Nein war, kann vielleicht Ja werden. Die Psyche lernt also im natürlichen und instinktiven Ernährungsverfahren, dass sie weder das Ja noch das Nein hundertprozentig einsetzen kann.

Wenn wir andere Kulturen, Völker oder Stämme beobachten, die wir allgemein und im Gegensatz zu unserer westlichen Kultur als rückständig betrachten, dann können wir mitunter noch feststellen, dass dort die Ja-Nein-Funktion in der Psyche dieser Menschen noch nicht ganz so stark integriert ist wie bei uns. Sie ist nicht vollkommen voneinander getrennt. Man sagt ja, aber das könnte vielleicht provisorisch sein, und man sagt nein, aber das ist vielleicht auch provisorisch. Für uns, die wir in der westlichen Kultur geprägt wurden, mag das sicherlich schwer zu verstehen sein. Doch eigentlich ist man auf diese Weise besser verfügbar und kann sich einer Überraschung oder einer neu entstandenen Situation besser anpassen.

In unserer ganzen westlichen Kultur sind das Ja und das Nein so starr und so fest integriert, dass sich beide wie unverrückbare Antipoden gegenüberstehen, und sowohl das Ja als auch das Nein wird - bis auf wenige Ausnahmen vielleicht - immer wieder durch die Behauptung bestätigt oder abgesichert. Wenn diese Funktion aber so strukturiert und gelebt wird, wie es die Natur schon im instinktiven Ernährungsverfahren eigentlich vorgesehen hat, dann bleibt das Ja und auch das Nein immer etwas in Frage gestellt. Dann müssen wir in der jeweiligen aktuellen Situation immer wieder aufs Neue in uns hineinspüren und dann unsere Ja- oder Nein-Entscheidung unmittelbar treffen.
So kann man verstehen, dass in der menschlichen Gemeinschaft viel schief gegangen ist, seit diese Gegebenheit nicht mehr richtig funktioniert, denn sie unterminiert einfach alles. Sie unterläuft alle unsere Verhaltensweisen, z.B. auch die Justiz. Er ist böse, er hat Recht, er hat Unrecht, er ist schuld, er ist nicht schuld usw., immer ja oder nein. Und so gibt es immer Gegensätze. Er ist ein Feind, er ist ein Freund - immer entweder/oder. Wir haben dieses entweder/oder so stark eingebaut in unserer Psyche, dass es ständig stört, besonders auch in der Liebe. Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht - immer wieder entweder/oder. So kann man aber der Liebe nicht gehorchen. Dann baut man die Liebe in eine Schachtel ein, in der es nur zwei Abteile gibt, Ja oder nein. Und so entstehen sogar Leid und Schmerzen.

Wir müssen also feststellen, dass wir durch die Folgen der denaturierten Ernährung ein Modell auf die Wirklichkeit projizieren, das dem eigentlichen Weg der Natur und seiner Formung nicht entspricht. Und so machen wir natürlich viel kaputt im Leben.

Kommen wir zum dritten Punkt, der Reizung unseres Nervensystems durch anormale Substanzen und der dabei entstehenden Rückkopplungen in unserer Psyche. Diese Ursache resultiert aus der stofflichen Beschaffenheit unserer Nahrung. Wir wissen, dass durch das Kochen bzw. durch den Denaturierungsprozess zahlreiche anormale Substanzen und Verbindungen entstehen, Molekülketten werden zerrissen und zu Neuverbindungen zusammengeschmolzen usw. Und wir wissen, zumindest teilweise, dass denaturierte Nahrungsmittel eine innere Erregung in uns auslösen, ja wir wünschen dies sogar ausdrücklich, z.B. beim Kaffee. Diese Erregung wirkt natürlich auf unser Nervensystem und damit auch auf unsere Psyche. Nun nehmen wir aber durch die denaturierte Ernährung ständig Myriaden anormaler Substanzen, Moleküle und Verbindungen auf. Unser Organismus wird damit geradezu wie von einer Lawine regelrecht überschüttet. So stellt sich die ernste Frage, ob mit der denaturierten Ernährung womöglich ein endogener Erregungszustand hervorgerufen wird, der permanent viel zu hoch ist und der Störungen im Nervensystem verursacht.

G. C. Burger hat Ende der achtziger Jahre dahingehend Versuche gemacht und mit einem Mitarbeiter ein Gerät gebaut, mit dem man die muskulare mikroskopische Zitterung misst; also nicht die Bewegung der Muskeln, sondern ihre mikroskopische Vibration, die selbst in Augenblicken der Entspannung unsichtbar schwingt. Er hat mit diesem Stressometer zuerst Messungen an Mäusen unternommen, die ausschließlich mit rohen und natürlichen Nahrungsmitteln ernährt wurden. Bei diesen wurden 21 Einheiten gemessen. Danach wurden Mäuse genommen, die 10 % gewöhnliches Weißbrot zu dieser natürlichen Ernährung dazubekamen, und der Messwert betrug schon 40 Einheiten. Dann wurde noch eine dritte Gruppe untersucht, die statt Weißbrot zusätzlich Weizenvollkornbrot erhielten. Bei ihnen betrug der Wert sogar 92 Einheiten.
Das zeigt, dass in jenen denaturierten Produkten gewisse Substanzen enthalten sind, die das Nervensystem abnormal reizen. In der Tat wird schon seit längerem das Gluten im Getreide in Zusammenhang mit Schizophrenie, Autismus und Hyperaktivität gebracht. Man nennt Gluten die Proteine, die sich im Mehl befinden. Sie haben eine schleimige Beschaffenheit und sind auch der Grund dafür, warum sich Mehl ausgezeichnet für die Kleisterherstellung eignet. Der Unterschied in den genannten Messergebnissen zwischen Weißbrot und Weizenvollkornbrot ist daher so hoch, weil es im Vollkornbrot durch das volle Korn viel mehr Gluten gibt, da dieses konzentriert in den Randschichten des Korns vorkommt, und weil Weizen durch die Überzüchtungen besonders stark mutiert ist. So ist also das Vollkornbrot, das bei uns in den letzten Jahrzehnten in den Ruf gebracht wurde gesünder zu sein, eigentlich noch schädlicher.

Wenn nun diese Reizungen alleine schon mit den Getreideprodukten so drastisch ausgehen, dann stehen auch alle anderen anormalen Substanzen, die in den Stoffwechsel gelangen, in dem dringenden Verdacht, Störungen des Nervensystems zu bewirken. Danach hat Burger diese Messungen auch an Menschen durchgeführt und festgestellt, dass durchschnittliche Menschen mit denaturierter Ernährung etwa um das drei- bis vierfache stärker endogen gereizt sind, als dieselben Personen mit instinktiver Rohkosternährung ein paar Wochen später. Dass diese Reizungen und inneren Vibrationen auch auf unser hoch komplexes Nervensystem und damit auf unsere Psyche und unser ganzes Verhalten wirken, ergibt sich zwangsläufig.

Wenn also bereits 10 % Weizenvollkornbrot bei Mäusen eine fast fünfmal stärkere endogene Reizung hervorrufen und wenn bei Menschen schon nach ein paar Wochen natürlicher Rohkosternährung eine viermal geringere innere Erregung festgestellt werden kann als zuvor mit denaturierter Nahrung, dann stellt sich die besorgniserregende Frage, wie es bei den Menschen um das Nervensystem und um die Psyche bestellt ist, die sich dauerhaft zum größten Teil von denaturierten Nahrungsmitteln ernähren. Und man muss sich auch fragen, welche Folgen dieser permanente Erregungszustand auf unser Verhalten und unser ganzes Leben hat, oder anders herum, wie unser Verhalten und unsere Instinkte aussehen würden, wenn es da keine induzierten Störungen gebe? Aber da sich die Kochkunst rund um die Erde verbreitet hat und überall auch annähernd dieselben Verhaltensweisen zu beobachten sind, hielten wir dieses Verhalten bisher wieder einmal für normal oder einfach für unabänderlich gegeben. Doch es dürfte klar sein, dass wir Menschen - bei der Gewalt, den Problemen und der Zerstörung in der Welt - weit davon entfernt sind, unser Verhalten als normal bezeichnen zu können. Etwas drastisch und satirisch formuliert könnte man vielleicht sagen, wir leben im Irrenhaus, nur merkt es keiner.

Auch bei denaturiert ernährten Haustieren kann man schon ohne Messgeräte beobachten, dass sie mitunter Verhaltensweisen und Impulse zeigen, die übertrieben oder fehlplatziert sind. So kann es vorkommen, dass Katzen vor einem Grasbüschel, das sich im Wind bewegt, erschrecken und einen Buckel machen. Dass sie einen Buckel machen ist normalerweise ein Abwehrinstinkt. Aber es ist unsinnig vor einem Grasbüschel. Auch sollte man annehmen, dass sie wegen einer solch geringen Ursache nicht gleich erschrecken. Oder Hunde reagieren mitunter sehr gereizt und böse und beißen ohne jede ernsthafte Bedrohung. Ich habe einmal einen Hund am Strand beobachtet, der wie wild in Richtung Wasser bellte. Da war aber niemand. Doch bei genauerem Hinsehen konnte ich den Grund dafür erkennen. Unter der Wasseroberfläche befand sich ein großer dunkler Stein, der sich durch das Wellenspiel ein bisschen zu bewegen schien. Der Hund bellte also den Stein an. Das ist aber genau so unsinnig wie der Katzenbuckel vor dem Grasbüschel. Hunde sollten bei echten Bedrohungen reagieren und nicht Steine anbellen. Wenn aber ihr Nervensystem durch denaturierte falsche Ernährung endogen gereizt ist, dann reagieren sie sehr heftig und noch dazu an der falschen Stelle.

Nehmen wir noch ein anderes Beispiel und betrachten wir unsere Vettern, die Affen, und ihren Abwehrinstinkt. Es ist bisher noch keine einzige Affenhorde in freier Wildbahn beobachtet worden, in der sich größere Aggressionsimpulse zeigten als die, die im Rahmen ihrer artspezifischen Bedingungen erforderlich und sinnvoll wären. Viele Aggressionsimpulse sind bei ihnen zudem auch nur Scheinangriffe. Es ist also nicht nur so, dass diese Instinkte bis auf eine bestimmte Stufe hin entwickelt sind. Sie gehen auch unter normalen natürlichen Bedingungen nicht darüber hinaus. Wir Menschen dagegen haben Kanonen und Raketen erfunden, mit denen wir sogar über Ländergrenzen hinwegschießen können. Oder nehmen wir auch noch andere Tiere, z.B. solche, die ein Gehörn besitzen und dieses ebenfalls im Zusammenhang mit Aggressionsimpulsen verwenden können. Es ist noch nie beobachtet worden, dass ein solches Tier vielleicht einen mehrere Meter langen Spieß ausgebildet hätte, um seine Konkurrenten abzumetzeln. Nun könnten wir vielleicht sagen, dass der Grund dafür darin liegt, dass die Affen oder jene Tiere dümmer als wir sind. Aber woran messen wir das eigentlich? Sind sie vielleicht dümmer als wir, weil sie nicht die Atombombe erfanden? Oder gibt es da möglicherweise einen elementaren Zusammenhang, der in der Störung unseres Nervensystems durch denaturierte Substanzen liegt und der unsere Instinkte und Impulse abnormal reagieren lässt?

Als man im zweiten Weltkrieg die feindliche Flak irreführen wollte, warf man säckeweise kleine Lamettastreifen ab, die dann zu Tausenden durch die Luft rieselten. Das war zweifellos eine für diesen Zweck erfolgreiche Methode. Was aber ist, wenn in unserem Organismus permanent Myriaden anormaler Substanzen und Moleküle herumschwirren? Was ist, wenn in unseren Körper so viele schädliche oder beschädigte Bausteine gelangen, dass diese nicht mehr getrennt werden können und das Gesamtsystem unterwandern? Und was ist, wenn in unserem Organismus Antikörper zur Abwehr schädlicher Substanzen gebildet werden, die aber in diesem ganzen Dilemma schließlich sogar das eigene Gewebe angreifen, weil sich ja dort jene anormalen Substanzen in den Zellen eingelagert und mit dem Gewebe verbunden haben?

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Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebe
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