Kapitel 2 -- Ernährung, Meditation und Solarplexus

Rohkost Buch
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In unserem Oberbauch gibt es ein großes Nervengeflecht, das als Solarplexus bezeichnet wird. Das Wort Solarplexus bedeutet Sonnengeflecht. Doch das dieses Sonnengeflecht in uns existiert und was es damit auf sich hat, ist eigentlich gar nicht so sehr bekannt. Sicher, man weiß davon, aber es ist der Allgemeinheit nicht so vordergründig geläufig, wie z.B. der Begriff Herz oder Intellekt. Allein aber die Tatsache, dass es in der Mitte unseres Körpers einen Ort gibt, der als Sonnengeflecht bezeichnet wird - und dies nicht etwa nur in irgendwelchen fernöstlichen Weisheitslehren, sondern selbst in unserer Medizin - finde ich hoch interessant. Mir scheint hier die Etymologie des Wortes einen deutlichen Hinweis auf die tieferen Zusammenhänge zu liefern, insbesondere der Begriff Sonne. So lässt sich ahnen, dass der Solarplexus viel mehr ist, als nur ein nüchternes Nervengeflecht.

Gespürt haben wir den Solarplexus eigentlich alle schon einmal, oder die Energien, die über bzw. durch ihn fließen, z.B. wenn wir uns richtig verliebten. Man spricht dann sogar davon, dass man Schmetterlinge im Bauch hat. Dies ist ein Zeichen davon, wie eine Energie in uns geradezu kribbelt, wie etwas in Schwingung gerät und in uns vibriert. Diese Energie ist auch - wie der Begriff Schmetterlinge es sehr gut trifft - etwas ganz Leichtes. Es ist etwas, was sich kaum erfassen und kaum beschreiben lässt. Aber es ist etwas Wunderbares und sehr reiches.

Auch sind solche Begriffe oder Formulierungen wie "aus dem Bauch heraus entscheiden" oder "mit dem Herzen" überall bekannt. Tatsächlich befindet sich dahinter meistens eine Verbindung zum Solarplexus, der nur eben nicht begrifflich genauer fixiert ist. Aber immerhin haben wir die Vorstellung, dass es eine Ebene in uns gibt, in der man sogar Entscheidungen besser als mit dem Intellekt trifft. Das ist die Ebene des Solarplexus.
Doch der Solarplexus ist nicht das Herz. Während das Herz eher als das Zentrum der Gefühle verstanden wird, ist der Solarplexus die Verbindungsstelle zu einer besonderen energetischen und transzendentalen Ebene. Er kann natürlich auch durch Emotionen und Empfindungen in gewisser Weise fühlbar werden, bzw. der Ort, an dem er sich befindet. Oder er kann eben auch seine Energien in das Herz speisen und dadurch zum Ausdruck kommen. Mitunter ist auch eine wunderbare Wärme im Bereich des Solarplexus selbst zu spüren. Eine Wärme, die aber einen anderen Charakter hat als den, den wir vielleicht von einer Heizung her kennen. Eher wie ein Licht, von dem man erfüllt wird. Als ich mit der instinktiven Rohkosternährung begann, war ich erstaunt, wie oft ich plötzlich diese Wärme im Solarplexus spürte. Vorher war mir das unbekannt. Solange wir uns denaturiert ernähren, ist der Solarplexus aber leider meistens verschlossen. Es kommt dann sogar dazu, dass wir dort Depressionen empfinden. Ist er jedoch geöffnet, oder wenigstens teilweise geöffnet, können wir nicht nur diese wunderbare Wärme spüren. Dann kann es zu Emotionen kommen, die etwas Ekstatisches und Beglückendes haben, etwas Magisches, wunderbar Weites und Reiches.

Sigmund Freud hat danach gesucht diesem Gefühl einen Namen zu geben und es schließlich als "ozeanisches Gefühl" bezeichnet. Es ist also etwas Unendliches. Aber Freud sagte auch, er hat es selbst nie gekannt. Ein Freund hatte ihm mehrmals von solchen Empfindungen berichtet. Um Verwechslungen vorzubeugen: Schmetterlinge im Bauch sind noch kein ozeanisches Gefühl. Da gibt es noch einen ziemlichen Unterschied. Ein ozeanisches Gefühl geht viel weiter. Leider gibt es sehr viele Menschen, die dieses Gefühl nicht kennen.

Auch künstlerische Intuitionen, oder schöpferische Intuitionen überhaupt, sofern es sich denn um echte handelt, befinden sich immer auf der Ebene des Solarplexus. Platon sprach sogar davon, dass es zwei verschiedene Arten der Mathematik gibt. Eine, die man nur intellektuell versteht, klärt, beweist usw. und eine andere, die uns in Kontakt setzt mit den Essenzen.

Es gibt also zwei Möglichkeiten um etwas zu verstehen. Entweder ganz klar, nackt, rationell, nur die Form der reinen Logik. Oder es kann auch, vor allem im Moment der Synthese, eine Art Emotion geben. Dann versteht man plötzlich etwas wie mit einem anderen Kanal. Es entsteht eine Emotion, die man eigentlich eine mystische oder spirituelle Emotion nennen müsste. Das ist dieselbe, wie man sie auch in einer echten hohen Liebe findet, oder auch in einer tiefen Wahrheit. Da ist etwas, was über die nackte Rationalität eindeutig hinausgeht, etwas, was sogar eine Art Nahrung beinhaltet. Allerdings eine andere Nahrung als die physische. Für Platon sind die Essenzen die echte Ernährung der Seele. Wenn eine Seele sich zu sehr davon getrennt hat, dann bleibt allenfalls nur noch die Meinung ihrer Ernährung, statt die Essenz selbst, die ein transzendentales Phänomen ist.

Es gibt auch einen interessanten Begriff, der in diesen Bereich gehört. Ein Wort, das wir heute allerdings nicht mehr richtig verstehen, oder sagen wir, nicht mehr vollständig in seiner ursprünglichen Bedeutung. Wir kennen es alle, es ist das Wort Enthusiasmus. Für uns bedeutet es Schwärmerei oder Begeisterung. Untersuchen wir aber seine Etymologie genau, dann stoßen wir auf eine erstaunliche Sache.
"En" bedeutet "in".
"Thus" kommt von Theos und das bedeutet Gott.
"Asmus" kommt von "atmos" und das heißt atmen.
Also bedeutet Enthusiasmus "Atmen in Gott". Das ist natürlich etwas anderes als nur so eine Schwärmerei. In dem Wort "Begeisterung" kann man noch einen Rest davon erkennen, nämlich etwas Geistiges. Aber eigentlich eben nicht nackt und rational, sondern etwas metaphysisch Substantielles. Wir haben aber leider den richtigen Kontakt zu den Essenzen verloren. So bleibt uns nur noch eine psychologische Funktion ohne den richtigen oder tieferen Zustand.

Es ist also klar, es gibt für bestimmte und wichtige Bereiche des menschlichen Lebens eine andere Ebene als die des Intellektes; sogar, um zu verstehen und selbst, um eine bestimmte Nahrung zu erhalten. Und es ist auch klar, dass eine wahre Liebe, eine echte schöpferische Emotion oder auch eine echte Weisheit und Geistigkeit, sich niemals auf der Ebene des Intellektes manifestiert. Es ist weiterhin klar, dass wir eigentlich alle, bewusst oder unbewusst, auf diese andere Ebene gelangen wollen. Nur leider gelingt uns das ziemlich selten.

Im vorigen Abschnitt war sehr viel von Behauptung und Befragung die Rede und davon, dass das denaturierte Ernährungsverfahren den Behauptungszustand prägt. Wenn wir uns nun einmal fragen, welchem Bereich oder welcher Ebene das in uns entspricht, so fällt es nicht schwer zu erkennen, dass der Behauptungszustand dem Intellekt entspricht. Der Befragungszustand dagegen entspricht dem Bereich der inneren Mitte. Er entspricht dem Solarplexus. Das ist auch genau der Ort, an dem man sich bei einer echten Meditation sammelt bzw. befindet. In dem Wort Meditation, das aus dem Lateinischen kommt, ist ja auch schon "medit" enthalten und das bedeutet Mitte.
Sich in die Mitte versetzen und sich sammeln, das kann man nur im Befragungszustand. Wenn man dagegen denkt, "ich weiß es, ich bin konzentriert, ich bin ein großer Geist", dann kann man natürlich absolut nichts mehr machen in diesem Gebiet, das dem geistigen Zustand entspricht. Dann ist alles nach oben in den Kopf verschoben und dann hat der Intellekt die Macht übernommen. Diese Macht wird wiederum durch Behauptungen abgesichert und gerechtfertigt. Wäre hingegen das Bewusstsein im Solarplexus gesammelt, dann würde der Intellekt zwar auch noch funktionieren, aber er würde dem Solarplexus gehorchen. Das ist etwas vollkommen anderes. Dann kann man auch denken, aber ohne in die Gedanken vollständig hineinzufallen. Außerdem ist auch klar, dass der Intellekt in den subtilen Ebenen der Geistigkeit, der Liebe und der Seele stört. Der Normalzustand müsste also die Gegenwart des Bewusstseins als Schwerpunkt im Sonnengeflecht sein. So könnten wir ganz anders denken, spüren und leben.

Es gibt viele Menschen, die diesen seligen Zustand mit Meditation zu erreichen versuchen. Doch schon von den ersten Wochen unseres Lebens an wird durch die denaturierte Nahrung der Behauptungszustand in unserer Psyche tief verwurzelt. Bei jeder Mahlzeit, Tag für Tag und Jahr für Jahr prägt er sich ein. Die Behauptung ist für uns etwas geworden, womit wir glauben den Genuss und das Vergnügen zu erreichen. Das betrifft schließlich nicht nur das Vergnügen beim Essen, sondern auch sehr viele andere Bereiche und Situationen in unserem gesamten Leben. Es betrifft uns jedes Mal, wenn wir uns verwirklichen wollen. So wird die allgemeine Verwirklichung im Leben - z.B. all unserer Instinkte oder Triebe, oder des Willens, oder der Dominanz, oder der Liebe, oder der Sexualität - automatisch in die Verlängerung der Perspektive der Behauptung gesetzt. Während wir das Vergnügen sonst als Ergebnis der Befragung wahrnehmen würden. Wir haben eine abnormale Strukturierung in unsere Psyche eingebaut, die nachhaltige Folgen auf unser gesamtes Leben hat. Bestünde diese nicht, so würden wir ganz anders funktionieren und uns zuerst befragen. Und wir haben permanent Rückkopplungen in unserem Nervensystem und damit eben besonders auch in unserem Gehirn, solange wir uns denaturiert ernähren.

Wir zivilisierten Menschen - insbesondere in unserer westlichen Kultur - haben den richtigen Ort des Bewusstseins verloren. Alles hat sich nach oben verlagert. Wir glauben sogar, dass der Kopf der Ort der Seele wäre. Wir versuchen in diesem Zustand alles mit dem Intellekt zu erfassen und auszudrücken. Aber dann fehlt uns dabei die wichtigste Dimension. Die Dimension, die im Kontakt steht mit der Geistigkeit und mit dem Göttlichen. Oder wie Platon es sagt, die Dimension, die im Kontakt steht mit den Essenzen. Es gibt sicherlich einige Momente oder Erlebnisse in unserem Leben, in denen wir trotz allem doch noch manchmal von da oben aus dem Kopf in den Solarplexus gelangen. Das kann vielleicht mit einer schönen Musik geschehen oder mit einem tiefen Gebet, oder eben auch mit Meditation. Aber das dauert ein paar Minuten und schon sind wir wieder oben. Selbst große Meditationsmeister müssen immer wieder viel meditieren, um diesen Zustand für kurze Zeit zu erreichen. Wenn aber unsere Psyche nicht abnormal strukturiert wäre, wenn unser Körperinneres nicht durch die denaturierte Nahrung belastet wäre, wenn bestimmte subtile Kanäle nicht gestört oder unterbrochen wären und wenn wir nicht unter Rückkopplungen leiden würden, dann könnten wir mit unserem Bewusstsein ganz von selbst am richtigen Ort sein und das auch ohne Meditation. Meditation ist nur ein Weg, den normalen Zustand wieder zu erreichen. Sie ist nur entstanden, weil dieser normale Zustand gestört und verloren wurde. Wenn aber alles normal funktioniert, braucht man eigentlich keine Meditation. Dann ist alles Meditation und das Bewusstsein ist immer richtig gesammelt. So funktioniert der Intellekt dann natürlich auch noch, aber nicht mehr in einer Art, in der er die Herrschaft und die Macht übernehmen würde.

Dennoch kann man sich dann natürlich auch noch bei Gelegenheit und Gefallen in eine entspannte Haltung bringen und in die Dinge hineinlauschen, innere Zwiesprache halten oder sich und seine Gedanken einfach loslassen; z.B. an einem schönen und ruhigen Ort in der Natur. Und man wird normalerweise feststellen, wie leicht es unter diesen Bedingungen ist, die Ebene des Solarplexus zu erreichen, zu genießen und für sein Leben zu nutzen, und wie leicht es ist, die wunderbare Wärme im Solarplexus zu spüren. Aber man braucht dann dazu nicht mehr unbedingt einen Lotussitz, eine bestimmte Technik oder jahrelange Übung. Man sieht z.B. einen schönen Sonnenuntergang, riecht den Duft einer Blume oder denkt an die Person, die man liebt und ist gleich da. Und man bleibt dort eigentlich auch die meiste Zeit. Ist man dagegen die meiste Zeit nicht in dieser Ebene gesammelt und nicht mit ihrer Energie verbunden, dann entstehen daraus ständig Leiden, Schmerzen, Konflikte und Depressionen, und es wird sogar eine Unmenge Energie verschwendet.

Während wir also unter dem Einfluss der denaturierten Ernährung uns nur selten und nur kurze Zeit im Sonnengeflecht und damit in der innere Mitte zu sammeln vermögen, gelangen wir unter dem dauerhaften und ausschließlichen Einfluss der natürlichen und instinktiven Rohkosternährung normalerweise ganz automatisch an diesen Ort. Sicher, am Anfang ist es noch nicht sofort so. Nur ein Gedanke, und man wird wieder herausgerissen. Doch später lernt man das als den normalen Zustand. Und während nur einige wenige von uns, die sich denaturiert ernähren, mit viel Meditation vielleicht große Meister werden, wird man mit der instinktiven Rohkosternährung ganz einfach normal. Das ist auch recht heilsam für unser Ego.

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