Fastenwandern

Fasten Buch

Ausschnitt zum Thema Fasten aus dem Buch von Bernd Bieder:

Natürlich leben und genießen

"... Sehr gute Erfahrungen wurden immer wieder von vielen gemacht, wenn sie zunächst einige Tage fasteten und danach die Ernährung auf Rohkost umstellten. Die Umstellung scheint dann oftmals leichter zu gehen. Aber das Fasten kann auch falsch sein. Es ist dann falsch, wenn es dem Körper zu sehr aufgezwungen wird oder auch wenn erhebliches Untergewicht besteht. Und es sollte möglichst auch aus einem instinktiven Gefühl heraus gemacht oder unterlassen werden. Wenn man sich allerdings in den ersten Tagen etwas überwinden muss, ist das hierbei noch nicht als Zwang anzusehen.
Dass beim Fasten nur Wasser getrunken wird und allenfalls täglich ein bis zwei Gläser frisch gepresster Fruchtsaft, wurde bereits in diesem Buch erwähnt. Ergänzt werden müsste noch, dass der Saft selbstverständlich keine Fruchtstücke enthalten darf, da sonst wieder Hungergefühle einsetzen. Der Körper kann ja das Fruchtfleisch nicht einfach im Magen liegenlassen und muss dann zwangsläufig sein Energieprogramm wieder auf Verdauung umschalten. So ist es auch ganz klar, dass jeder kleinste Happen während des Fastens dieses enorm erschwert oder sofort zum Scheitern bringen würde. Fasten ist aber nicht Hungern und Hungern ist nicht Fasten. Dass während des Fastens nicht das Geringste gegessen wird, ist in der Tat viel leichter als wenig zu essen. Ja, es wird sogar zum Genuss. Es wird zu einem Genuss an Leichtigkeit und Wohlbefinden. Lediglich die ersten drei Tage, die der Körper zur Umstellung benötigt, kosten Überwindung. Dagegen sind die vielen Diäten, bei denen Grammweise kleine Mahlzeiten gegessen werden, reine Quälerei. Wer solche Diäten schon einmal probiert hat, der schlussfolgert dann zwangsläufig daraus, dass gar nichts essen noch schlimmer sei. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wird das Fasten zu einer tiefen Selbsterfahrung.

Jesus ging 40 Tage in die Wüste um zu fasten, und als er zurückkam, hat er seine berühmte Bergpredigt gehalten. Was wurde aber bei den Christen aus der Fastenzeit, die einst von Aschermittwoch bis Ostern, also 46 Tage dauerte? Man verkürzte sie schon bald auf einen einzigen Tag, den Karfreitag, und führte an diesem Tag auch noch statt Fleisch einfach Fisch ein. Das hat aber mit Fasten nichts mehr zu tun, ebenso wenig wie der Fastenmonat Ramadan bei den Moslems, wo man am Tage fastet und sich des Nachts die Bäuche voll schlagen kann.

Wenn Kinder krank sind, wollen sie meistens nichts essen. Sie fasten dann also instinktiv. Statt dieses zu beachten befleißigen sich die Mütter, ihnen dann erst recht die süßesten Häppchen oder Lieblingsspeisen anzubieten.
Wer normal konditioniert ist und über einige überschüssige Kilogramm verfügt, für den sind 2 - 3 Fasten-Wochen durchaus möglich. Aber niemand sollte sich bestimmte Mindestmarken setzen. Wie bereits gesagt, sollte das Fasten oder Fastenwandern möglichst einem instinktiven und keinem zwanghaften Charakter entsprechen. Es kann genauso richtig sein, nicht zu fasten oder nur ein paar Tage. Um das stimmig zu entscheiden sollte man in Ruhe in sich selbst hineinspüren. In jedem Fall, ob mit oder ohne Fasten, ist es sinnvoll, auch schon in den Tagen vor der Umstellung viel Obst und Gemüse zu essen und die denaturierten Produkte weitgehend zu meiden.

Den Saft beim Fasten trinkt man am besten am Mittag und am Abend, jeweils ein Glas und das sehr langsam in sehr kleinen Schlucken. Man kann ohne weiteres zwanzig Minuten oder länger damit zubringen und man wird staunen, welchen Genuss allein das bedeutet. Hat man das Gefühl, am Mittag oder am Abend auch ohne Saft auszukommen, dann lässt man ihn einfach weg. Jedoch ist reines Wasser-Fasten - also der gänzliche Verzicht auf frischen Saft - nicht unbedingt zu empfehlen, allenfalls in kurzen Perioden von einigen Tagen und bei instinktiver Übereinstimmung mit dem Körper. Beim reinen Wasser-Fasten werden zwar auch überflüssige und ungeeignete Substanzen stark abgebaut, aber man erhält keinerlei aufbauende Nähr- und Wirkstoffe.

Als geeigneter Saft ist Orangensaft empfehlenswert. Dieser wird erst unmittelbar vor dem Trinken schonend ausgepresst, z.B. mit einer einfachen Handpresse und danach durch ein Sieb gegeben. Zu lange Sauerstoffeinwirkungen können zu ungünstigen Oxidationen führen und zu starke mechanische Einflüsse sind ebenfalls zu meiden. Theoretisch und nach Belieben wären auch andere Sorten frischer Fruchtsäfte möglich, vorausgesetzt, dass sie sich auf ebenso einfache Weise erzeugen lassen wie der Orangensaft. Der Saft von jungen Trinkkokosnüssen ist ideal, da er ein reines unverändertes Naturprodukt darstellt. Oder man könnte auch, falls der Instinkt mitspielt, einige Wildkräuter kauen, den Saft herunterschlucken und die Fasern wieder gründlich ausspucken. Verschiedene Sorten Saft unmittelbar hintereinander zu verwenden oder gar zu mischen, ist jedoch auf keinen Fall zu empfehlen. Jede Sorte sollte also immer einzeln eingenommen werden.

Gemüsesäfte, die mit einem entsprechenden niedertourigen Gerät schonend gewonnen werden, können verwendet werden. Sie sollten aber auf keinen Fall dickflüssig sein, weil sonst die Verdauung im Magen wieder angeschoben wird. Auch wäre es sinnvoll, Gemüsesäfte eher am Abend zu verzehren und am Mittag Fruchtsaft. Ich selbst habe das Fasten am liebsten mit Fruchtsaft, vorzugsweise mit Orangensaft und mit viel Quellwasser praktiziert und damit sehr gute Ergebnisse erzielt.

Besonders hervorgehoben werden muss aber noch das Fasten-Brechen. Dabei sollte man sehr behutsam sein, je länger das Fasten dauerte, und am ersten Tag z.B. nur mit einem halben Apfel beginnen, und dies dann von Tag zu Tag langsam steigern. Andernfalls kann es sehr heftige Verdauungsbeschwerden geben.

Eigentlich ist das Fasten unter der Verwendung von ausgepresstem Fruchtsaft auch schon wieder ein gewisser Kunstgriff. Man sollte deswegen auch darauf achten, diesen so gering wie möglich zu halten. In diesem Fall ist es aber ein Kunstgriff, der es uns erleichtert, sozusagen wieder ohne selbige auszukommen. Es ist in diesem Rahmen der einzige und auch nur für die Ernährungsumstellung ggf. vorgesehen. Unser Körper, der jahrelang gebeutelt und vollgestopft wurde, wird es uns danken. Und unsere Sinne werden so schon etwas sensibilisiert. Auch später, wenn man dann diese Ernährung sicher praktiziert, kann es mitunter vorkommen und sinnvoll sein, eine oder ein paar Mahlzeiten instinktiv auszulassen, also zu fasten. Dann aber selbstverständlich ohne jeglichen Verzehr von ausgepressten Fruchtsäften. Ich habe einmal in den Tropen ein paar Tage lang keinen Hunger verspürt und instinktiv mit Zuckerrohr gefastet. Das geschälte Zuckerrohr wird gekaut, der Saft hinuntergeschluckt und die Fasern sowieso immer ausgespuckt. Es war wunderbar.

Zum Fasten gibt es inzwischen auch schon zahlreiche Ratgeber. Allerdings fehlen den meisten die Erfahrungen der konsequenten Rohkosternährung. Daher empfehlen dann manche u.a. auch gekochte Gemüsebrühe. Diese Dinge kann und soll man natürlich in dem hier behandelten Sinne unbedingt streichen. Auch ist es oft exemplarisch anzusehen, wie durch die Empfehlungen jener Ratgeber der Körper, der sich doch gerade von den Lasten der Kochkost wenigstens etwas erholt hat, nach dem Fasten allmählich wieder an diese herangeführt wird. Insbesondere nach längeren Fasten-Zeiten kommt es oft dazu, dass der Körper zunächst gegen die denaturierte Kost kräftig rebelliert, z.B. indem man sich übergeben muss. Sie dann in kleinen Schritten wieder einzuführen, wird mit einer notwendigen Gewöhnung nach einer solchen Zeit begründet. Aber es ist nichts anderes, als den Toleranzzustand allmählich wieder herzustellen.

Das erinnert mich übrigens auch an die Berichte jener, die die Hungerszeiten während und nach dem Krieg miterlebt haben und die große körperliche Reaktionen und Widerstände beobachteten, wenn nach solchen Zeiten wieder fette Produkte wie Wurst verzehrt wurden. Statt aber die Wurst insgesamt in Frage zu stellen, schlussfolgerte man auch in diesen Fällen einfach, der Körper müsse sich erst wieder daran gewöhnen ..."

Dieses Rohkost Buch ist erhältlich in unserem Bücher-Shop. Kopien vom Text, auch auszugsweise, sind nicht erlaubt. Verlinkungen sind gestattet.