Fit for Life: Harvey und Marilyn Diamond

Nicole Freialdenhoven
Nicole Freialdenhoven

Ein Artikel von Nicole Freialdenhoven

Das "Fit for Life"-Prinzip des amerikanischen Ehepaares Harvey und Marilyn Diamond wurde 1985 durch die Erstveröffentlichung des gleichnamigen Buches bekannt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein vollkommen neues Prinzip, sondern um eine Weiterentwicklung der bereits im 19. Jahrhundert entstandenen "Natural Hygiene"-Bewegung. In abgeschwächter Form wurde "Fit for Life" vor allem als Trennkost Ende der 80er Jahre in den westlichen Industrienationen sehr beliebt.

Die Entwicklung von Fit for Life

Die Naturheilkunde wurde bereits im 19. Jahrhundert entwickelt, u.a. von dem deutschen Arzt Christoph Wilhelm Hufeland, der 1801 eine Stelle als königlicher Leibarzt von Friedrich Wilhelm III. antrat und Direktor der Charité wurde, und später von Friedrich Eduard Bilz, der 1888 das erste Standardwerk zur Naturheilkunde veröffentlichte.  Zu dieser Zeit schwappte der Trend auch in die USA hinüber, wo die Naturheilkunde als "Naturopathy" weiterentwickelt wurde, aus der wiederum die "Orthopathy" bzw. "Natural Hygiene" entstand.  Als Vater der modernen Natural Hygiene-Bewegung wird der Autor Herbert M. Shelton bezeichnet, der vor allem auf eine rohköstliche Ernährung und auf Heilung durch Fasten setzte. 1922 veröffentlichte er sein erstes Buch "An Introduction to Natural Hygiene".

Auf die Lehre von Herbert M. Shelton stützten sich auch Harvey und Marilyn Diamond, die den Schwerpunkt ihrer "Fit for Life"-Theorie auf die Trennkost legten.  Zu den wichtigsten und bekanntesten Punkten gehört zum Beispiel, dass Proteine und Kohlenhydrate nie zusammen gegessen werden sollen (wie es im Westen üblich ist, z.B. wenn ein Stück Fleisch mit Kartoffeln gegessen wird).  Überhaupt sollte auf Fleisch und Milchprodukte möglichst verzichtet werden. Eine große Bedeutung kommt dem Obst zu,  das ebenfalls separat gegessen werden sollte.

Die Thesen von Fit for Life

Wie andere Vertreter der Rohkostbewegung gehen auch die Diamonds davon aus, dass der Mensch von Natur aus auf pflanzliche ungekochte Kost ausgerichtet ist, wie er sie in der Urzeit in der Natur vorfand. Weil gekochte Nahrung nicht richtig verwertet werden kann, kommt es zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht, Übersäuerung und Toxämie (einer Vergiftung des Blutes, die jedoch nichts mit der normalen Blutvergiftung - Sepsis - zu tun hat).  Bei der Fit for Life-Kost soll die Nahrung zu etwa 70% aus Rohkost wie Obst, Salat und Gemüse bestehen, wobei wasserreiches Obst bevorzugt wird. Lediglich 30% sollen auf andere Nahrungsmittel wie Brot und Fleisch entfallen.

Auf die Lehre von Howard Hay, dem Begründer der modernen Trennkost, geht die Annahme zurück, dass der Körper nicht in der Lage ist, mehrere Nährstoffe gleichzeitig zu verarbeiten. Werden Proteine und Kohlenhydrate gemeinsam aufgenommen, entstehen im Körper schädliche Säuren.

Die dritte These von Fit for Life basiert dagegen auf der Lehre des Schweden Are Waerland, der ebenfalls auf Rohkost und einen speziellen selbstentwickelten Brei namens Kruska setzte. Waerland glaubte zusätzlich, dass der Körper täglich bestimmte Phasen durchliefe, in denen er auf die Nahrungsaufnahme, die Verwertung und die Ausscheidung eingestellt sei.  Weil der Körper bis 12 Uhr mittags nur auf Ausscheidung eingestellt sei, sollen nach dem Fit for Life-Prinzip morgens nur Säfte und Früchte konsumiert werden. Zwischen 12 und 20  Uhr sollen dann die beiden großen Mahlzeiten gegessen werden, ehe der Körper ab 20 Uhr mit der Verwertung beschäftigt ist.

Die Trennkost als gesunde Basis

Ernährungswissenschaftler konnten zwar schnell widerlegen, dass es für den Körper kein Problem darstellt, Kohlenhydrate und Proteine zusammen zu verwerten, doch viele Prinzipien der "Fit for Life" können zumindest zu einer gesünderen Ernährung beitragen. Dazu gehört vor allem der hohe Anteil an Früchten und Gemüse.  Dadurch, dass entweder Protein oder Kohlenhydrate weggelassen werden, sind die Speisen auch relativ kalorienarm. So kann zum Beispiel mittags eine Gemüsepfanne mit Kartoffeln gegessen werden und abends ein fettarmes Steak mit Salat.

Andere Punkte von "Fit for Life" wurden jedoch als gesundheitsschädlich bewertet, darunter vor allem die Forderung nur destilliertes Wasser statt angeblich schädlichem Mineralwasser zu trinken. Destilliertes Wasser sorgt für eine Unterversorgung des Körpers mit Mineralien, während Mineralwasser diese in wichtigen Mengen enthält.