Rohkost und Ausnahmen
Sie ernähren sich von Rohkost? Mal ganz ehrlich. Schaffen Sie es, die Rohkost-Ernährung stets ohne Ausnahmen zu praktizieren? Wahrscheinlich geht es Ihnen wie den weitaus meisten Rohköstlern. Sie schaffen es nicht. Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen in diesem Bereich schaffen es mindestens 95 % nicht. Vermutlich sind es sogar 98 %, die mehr oder weniger häufig immer wieder Ausnahmen machen. Vor allem, wenn die Rohkost-Ernährung schon länger praktiziert wurde. Das ist eine sehr große Zahl, so groß, dass sich für manch einen vielleicht sogar die Frage stellt, ob denn eine 100-prozentige Rohkost-Ernährung wirklich die richtige und erstrebenswerte Ernährungsform für uns darstellt. Doch betrachten wir die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, schauen wir uns an, auf welcher Grundlage das Leben über Jahrmillionen überhaupt entstand - nämlich auf der Grundlage der lebendigen natürlichen Nahrung -, oder beobachten wir die vielen Therapieerfolge mit dieser Ernährungsform, dann kommen wir eindeutig zu dem Ergebnis, das die Rohkost-Ernährung nach wie vor die ideale Ernährungsweise eben auch für uns Menschen sein muss, obwohl wir ein paar Jahrtausende einen kulinarischen Irrweg beschritten und uns zum Knecht des Pfluges und der Kuh gemacht haben.
Aber warum dann diese vielen Ausnahmen, wenn es eine perfekte Ernährungsform ist? Was passiert da eigentlich? Diese Frage genau zu untersuchen und ehrlich damit umzugehen, das ist notwendig und lohnt sich.
Mein eigener Rohkostweg begann 1990. Sehr konsequent und voller Begeisterung stellte ich mich rasch auf 100 % Rohkost ein. Aber auch mir sind Ausnahmen oder Rückfälle passiert. Zunächst über lange Strecken mitunter von mehreren Jahren keine. Aber dann eines Tages eben doch. Zu meiner eigenen Überraschung, muss ich sogar schon sagen. Wenn man, wie mir geschehen, z.B. jahrelang keine Ausnahme mehr gemacht hat, gerät man leicht in eine trügerische Sicherheit, das könne einen selbst nicht mehr treffen, man hat es ja geschafft und ist frei davon. Als ich dann aber doch den ersten Rückfall hatte, war ich zunächst sehr ärgerlich über mich selbst. Außerdem kam was kommen musste. Bei der einen Ausnahme blieb es nicht. Später begann ich aus dieser Geschichte zu lernen und Erfahrungen zu ziehen. Auch mit vielen anderen Rohköstlern habe ich über die Jahre immer wieder gesprochen. Das, was sie berichteten, ähnelte sich sehr. Das Problem der Ausnahmen besteht für beinahe alle.
Kritisch forschend oder nachspürend habe ich versucht die Zusammenhänge zu verstehen. Das, worauf ich dabei gestoßen bin, überraschte mich sehr. Das Thema der Ausnahmen ist komplexer und geht existentiell viel tiefer, als ich es zunächst ahnen konnte. Es lässt sich eigentlich kaum in einem Artikel fassen. Ein ganzes Buch wäre dafür notwendig.
Zusammenfassend will ich zunächst fünf Punkte nennen, die für eine langjährige unverkrampfte Rohkost-Ernährung ohne Ausnahmen notwendig wären.
1. Gute und reine Rohkostprodukte
2. Eine sichere Rohkost-Ernährungspraxis
3. Eine gute Entgiftung
4. Das Verständnis psychischer Zusammenhänge und ihre Aufarbeitung
5. Erfüllte Liebe und erfüllter Sex
Gute und reine Rohkostprodukte
Zunächst einmal ist es sehr wichtig, dass wir gute Produkte für die Rohkost-Ernährung zur Verfügung haben. Bio ist eigentlich das Mindeste. Noch besser sind Produkte aus ursprünglichen oder wilden Vorkommen. Wer da anfängt zu sparen, der spart wirklich an der falschen Stelle. Ich kann es gar nicht oft genug sagen. Wer die Rohkost-Ernährung allein oder überwiegend mit Produkten aus dem Supermarkt praktizieren will, der wird schon nach kurzer Zeit scheitern. Das ist schlichtweg unmöglich. Denn es ist unmöglich eine tiefe Zufriedenheit mit Produkten zu erzielen, denen die meisten Nährstoffe fehlen. Es ist viel zu selten, dass es auch in den üblichen Supermärkten hochwertige Früchte oder Gemüse gibt. Finden wir aber die notwendige Befriedigung nicht, dann fangen wir schon bald an den Genuss dort zu suchen, wo wir ihn früher immer gefunden haben, nämlich in der Kochkost. Die enthält zwar noch weit weniger brauchbare Inhaltsstoffe, doch sie bietet uns immerhin einen Scheingenuss, eine Illusion. Für unsere Psyche scheint es offenbar besser zu sein wenigstens diesen Scheingenuss zu bekommen, als leer oder fast leer auszugehen.
Eine sichere Rohkost-Ernährungspraxis
Eine weitere Ursache dafür, dass das Genussniveau mit natürlicher Nahrung unter das Niveau der denaturierten Produkte sinkt, ist eine unzureichende Rohkostpraxis. Im Grunde genommen müssen wir neu essen lernen. Viele Rohköstler essen viel zu oft, durcheinander und wahllos in sich hinein. Sie greifen zu, vom Kopf gesteuert, ohne ihren Körper aufmerksam über den Geruch und Geschmack zu befragen, ob er dieses Produkt im Moment tatsächlich favorisiert. Sie greifen zu, weil vielleicht irgendjemand gesagt oder geschrieben hat, dieses oder jenes Produkt soll man essen, es hat diese oder jene Inhaltsstoffe, Wirkungen und Vorteile. Sie greifen zu, weil dies gerade ein Sonderangebot war. Oder sie greifen zu, weil sie dieses Produkt nicht verderben lassen wollen usw. Aber das alles ist eine Falle des Intellektes. Der Intellekt kann niemals exakt wissen, was der eigene Körper im gegenwärtigen Augenblick braucht. Dazu muss man den eigenen Körper sozusagen befragen, muss hineinspüren, muss sensibel mit sich sein, muss dem Instinkt folgen, der nur mit rohen Produkten korrekt funktioniert. Das kennen wir aber aus der Ernährungspraxis mit gekochten Produkten nicht. Wir haben es jahrelang anders gemacht. Wir haben gegessen, ohne wirklich hungrig zu sein. Wir haben den Instinkt betrogen mit Zucker und Gewürzen.
Hinzu kommt aber auch, dass die meisten Rohköstler zu viele Früchte verzehren. Sie essen zu 80 oder 90 % nur Früchte. Das mag mal einige Wochen ganz gut gehen, aber langfristig ist es schlecht. Langfristig sollte im Durchschnitt der Früchteanteil nicht über 50 % liegen. Die andere Hälfte sollte zum größten Teil aus Grünzeug (Wildkräuter, Gemüse, Knollen) bestehen und einem kleinen Teil Nüssen oder anderen Protein-Produkten. Vorsicht ist auch angeraten bei zu starkem Verzehr von Datteln und Trockenfrüchten. Wir neigen leicht dazu, uns den süßen Kuchen von früher oder die fehlende Süße im Leben durch solche Happen zu ersetzen. Wer aber nicht in die Balance kommt, hat es schwer und ist viel schneller dazu geneigt eine Ausnahme zu machen. Schon der Verzehr eines einzigen erhitzten Produktes (z.B. Haselnüsse aus dem Supermarkt) kann rasch dazu führen Ausnahmen zu machen.
Eine gute Entgiftung
Manche Rohköstler meinen, das Thema der Entgiftung erledigt sich von selbst, wenn man nur Rohkost esse. Dem ist leider nicht so. Natürlich, es passiert schon sehr viel von allein durch die lebendige Rohkost. Aber die Belastungen die wir in den Jahrzehnten zuvor abbekommen haben sind viel zu schwerwiegend, als dass sich diese vollständig und rasch in Luft auflösen. Da gab es die denaturierte Nahrung, da gab es Medikamente und Schwermetalle, da gab es gehärtete Fette, da gab es jede Menge raffinierten Zucker und raffiniertes Salz, da gab es Gifte aus der Umwelt, da gab es Parasiten und manches mehr. Mir ist ein Fall bekannt, da hat ein Rohköstler bei einer Darmkur tote Würmer herausgebracht. Dieser Mann war aber bereits 10 Jahre Rohköstler.
Als ich - zusammen mit meinen beiden Söhnen - mit der Rohkost-Ernährung begann, wollte ich nach Weihnachten den aus Geschenken entstanden Vorrat an Schokoladenfiguren und ähnlichem entsorgen. Mein Schwager war Konditor und ich dachte es wäre eine gute Idee, ihm diese Figuren einfach zu geben, damit er sie in seiner Soße auflöst. Zu meinem Erstaunen erklärte er, dies würde nicht gehen. Die lösen sich nicht auf sondern verklumpen nur. Das muss man sich einmal genau vorstellen. Diese Figuren lösen sich nicht einmal in der erhitzten Soße auf, aber unser Darm soll damit fertig werden!? In der Lebensmittelindustrie gibt es Tausende manipulierter Substanzen, die mit gesetzlicher Genehmigung in unseren Körper gelangen, aber dort nicht mehr so leicht herausgehen.
Was können wir zu einer guten Entgiftung tun?
- Die Ernährungsumstellung mit Fasten beginnen (Einläufe dabei nicht vergessen)
- Auch später immer wieder einmal etwas fasten oder Fastenwandern
- Eine Darmreinigung machen
- Die Schwermetalle ausleiten
- Kassie und Heilerde verzehren (siehe auch die Artikel „Entgiften und Entschlacken“ sowie „Ein Vulkanmineral sorgt für Entgiftung“)
Das Verständnis psychischer Zusammenhänge und ihre Aufarbeitung
Wenn wir als kleine Kinder auf die Welt kommen, bringen wir in unseren Zellen gespeichert schon ein unglaubliches Wissen mit. Es ist das Wissen der Natur und des Lebens. Dieses Wissen übertrifft sämtliche Computer und die gelehrtesten Gehirne aller Zeiten. Darin ist auch exakt die Erwartung enthalten, welcher Nahrung wir bedürfen. Unsere Eltern verstehen das aber kaum. Sie fangen an, uns mit einem schrecklichen Brei zu füttern. Am Anfang werden wir noch dagegen strampeln und schreien und den Brei wieder ausspucken. Aber irgendwann ist der Widerstand gebrochen. Ein Löffel für Mami, ein Löffel für Papi, einen für die Oma usw. bis die ganze Familie durch ist. Die denaturierten Moleküle überschütten unseren Organismus. Es dauert nicht lange und die Babys sitzen in der gleichen Falle wie ihre Eltern.
Nahrung zu erhalten ist ein fundamentales Bedürfnis in uns, eine Erwartung, die in uns gespeichert ist. Doch es gibt noch ein zweites fundamentales Bedürfnis. Während es bei dem Essen um die stoffliche Nahrung geht, brauchen wir noch eine Ernährung auf der metaphysischen, also auf der nichtstofflichen Ebene. Es ist die Ernährung mit Zuwendung und Liebe.
Nun naht also die Mutter mit dem Löffel und dem Brei. Wie beschrieben werden wir uns als Babys zunächst dagegen wehren. Doch die Mutter ist natürlich viel stärker als wir. Sie wird mürrisch, wenn wir nicht essen wollen und sie zeigt sich glücklich, wenn wir brav unseren Teller leeren. Sie lobt uns, lächelt, verschenkt Küsschen und streichelt uns, alles als Belohnung dafür, dass wir diesen Brei schlucken. Schon in diesem zarten Alter entsteht in uns ein schrecklicher Konflikt, der uns für den Rest des Lebens zeichnet. Wir brauchen dringend natürliche Nahrung, aber wir brauchen auch dringend Liebe und Zuwendung. Doch wir merken, wir können der Erfüllung des Bedürfnisses nach Liebe und Zuwendung nur entsprechen, wenn die Nichtentsprechung des Bedürfnisses nach natürlicher Nahrung aufrechterhalten wird. Das ist wie ein Kurzschluss in unserer Psyche.
Doch da wir eben nicht nur ein gespeichertes Wissen mit auf die Welt bringen, sondern auch von den Erfahrungen und Erlebnissen, die uns widerfahren im wahrsten Sinne des Wortes geprägt werden, schleppen wir diese unglückselige Situation (die über die Jahre noch durch viele weitere gefestigt wird) auch als Erwachsene noch unbewusst mit durch das Leben, sogar bis zu unserem Tod. Wenn wir dann vielleicht eines Tages mit der Rohkost-Ernährung beginnen, erscheint das in unserem Inneren wie ein Bruch zur mütterlichen Liebe. Dies ist so schwerwiegend, dass wir uns die vermeintliche Mutterliebe immer wieder durch denaturierte Produkte einverleiben wollen, z.B. durch einen Kuchen oder durch ein Mittagessen.
Wie stark die Prägungen in der Kindheit sind, hat bereits Konrad Lorenz mit seinen berühmten Verhaltensforschungen bewiesen. Oder stellen Sie sich einmal vor, Sie sind Rechtshänder und müssen fortan links schreiben. Ähnlich schwer ist es, die Prägungen mit der Ernährung zu überwinden, also einem Verfahren, das wir jahrelang ganz anders gelernt haben. Hinzu kommt noch, dass uns die denaturierten Produkte in einen Sog des Süchtigen stürzen. Schon ein paar erhitzte Nüsse können genügen und in uns entsteht ein zwanghaftes Verlangen nach einer weiteren Ausnahme. Ähnlich wie bei einem Alkoholiker, der eine Weinbrandbohne verzehrt.
Erfüllte Liebe und erfüllter Sex
Jedes Jahr bringen sich ca. 13.000 Menschen in Deutschland um. Das sind etwa 36 Menschen jeden Tag. Dies entspricht einem großen Flugzeugabsturz jede Woche. Doch niemand berichtet darüber. Auf etwa 70.000 wird die Zahl der Selbstmordversuche geschätzt. Eine erschreckend große Zahl. Die wenigsten dieser Menschen haben wirtschaftliche Probleme oder vielleicht eine sehr schmerzhafte Krankheit, die sie nicht mehr ertragen können. Der Hauptgrund der Selbstmorde ist Mangel an Liebe. Wer keine oder nicht ausreichend Liebe bekommt, für den wird die Existenz sinnlos. Wer schon einmal Depressionen oder Selbstmordimpulse hatte, kann dies leicht nachvollziehen. Doch wenn man sich wieder verliebt, sind plötzlich diese Depressionen und Selbstmordimpulse weg. Es ist eine sehr bedauerliche Tatsache, dass die meisten Menschen in unserer modernen Zivilisation die meiste Zeit ihres Lebens nicht wirklich glücklich sind.
In unserer Kultur ist die Liebe (fast) untergegangen und die Sexualität schrecklich erniedrigt worden. Schon aus der Bibel können wir vernehmen, dass Menschen bestraft, beschimpft, gesteinigt und getötet wurden wegen der Liebe. Die Todesstrafe für die Liebe ist das Schrecklichste was sich Menschen einander antun können. Und das soll dem Wort Gottes entsprechen, dem Gott der Liebe???
Liebe und Sexualität sind zwei Dinge, die eng zusammengehören. Selbst der edelmütigste Prinz wird irgendwann mit seiner Prinzessin im Bett liegen wollen und umgekehrt. Doch in unserer Kultur hat man versucht die Liebe zu einer sexlosen Sache zu erhöhen und die Sexualität abzuwerten. Die Abwertung zieht sich bis in unsere Sprache. Die übelsten Schimpfwörter bezeichnen sexuelle Organe. Ein gutes Beispiel für die Erhöhung ist die unbefleckte Empfängnis, die jungfräuliche Geburt des Jesus.
Ich jedoch glaube schon lange nicht mehr an die unbefleckte Empfängnis. Ich glaube viel eher, dass Maria und ihr Geliebter gepoppt haben, dass die Balken der Scheune nur so knarrten, und dass sich in dem Schoße eines solchen ekstatischen Genusses der Samen für einen großen Menschen legte.
Seit ein paar tausend Jahren geht man gegen ehebrecherische Impulse vor. Kaum etwas anderes wurde so stark in unserer Kultur bekämpft, wie diese Impulse. Doch was können wir heute feststellen? Sie existieren immer noch. Also wieder einmal ein Fehler in der Natur? Ich fürchte, der Fehler liegt wohl eher bei uns, und er steigert sich noch damit, indem versucht wird, diese wichtigen (Nahrungs-) Bedürfnisse zu unterdrücken.
Einmal unterhielt ich mich mit einer Frau, Mitte dreißig, die ich erst kurz zuvor kennen gelernt hatte, über das Thema Treue und Fremdgehen. Aus ihren Ausführungen konnte ich heraushören, dass für sie die Treue einen sehr hohen, ja geradezu absoluten Stellenwert hat. Sie beteuerte, dass für sie die Beziehung sofort zu Ende sei, würde sie Untreue bei ihrem Partner feststellen. Und sie betonte, dass sie das ohnehin merken würde, auch ohne nähere Details zu kennen. Woran, wollte ich natürlich gleich wissen. Nach ihrer Erfahrung und Auffassung würde man es beim Mann daran merken, dass er plötzlich netter, aufmerksamer und freundlicher als sonst zu seiner Frau sei, weil er ein schlechtes Gewissen habe.
Nun, ich fürchte, dass ist wieder einmal ein großer Trugschluss. Dieser Mann ist nicht netter, weil er ein schlechtes Gewissen hat, sondern weil er glücklich ist.
Ich weiß, ich schneide hier Fragen an, die ich unmöglich in diesem begrenzten Artikel ausführlich beantworten kann. Wer neugierig ist, dem sei mein Buch empfohlen, mit dem Titel "Ernährung, Psyche, Sexualität und Liebe". Doch auf eines will ich noch hinweisen. Wie gehen wir mit all diesen Problematiken meistens um? Wie reagieren wir darauf? Wir reagieren darauf mit Verdrängen und vor allem mit Essen. Und dazu eignen sich die denaturierten Produkte auch ausgezeichnet, weil sie ständig, sozusagen auf Verlangen, zur (Schein-) Genussbefriedigung bereit stehen. Es sind Ersatzbefriedigungen und Illusionen. Doch es wird Zeit, uns wieder an die echten Befriedigungen anzuschließen. Begegnen wir uns ehrlich, uns selbst und unseren Nächsten. Das ist ein sehr wichtiger Schritt, selbst wenn wir nicht gleich alles 100-prozentig perfekt schaffen.
Schlusswort
Wir kommen alle nicht aus einer paradiesischen Kultur und Gesellschaft. Wir tragen unsere Muster, Verletzungen und Prägungen mit uns. Auch haben wir leider keine perfekte paradiesische Insel griffbereit, auf die wir uns flüchten könnten. Wir müssen mit dem was war und mit dem was ist irgendwie zurechtkommen. Die Rohkost-Ernährung kann uns dabei sehr helfen. Aber sie wird nicht alles schlagartig lösen können. Wir brauchen Toleranz, Achtsamkeit, Nachsicht und Geduld mit uns selbst und mit den anderen.
Ich möchte Sie nicht zu einer hundertprozentigen Rohkostpraxis für immer drängen. Ich schlage eher vor, dass Sie wirklich Ihren eigenen Weg und Ihre eigene Position finden. Wenn es Ihnen gelingt, lange Zeit konsequent nur von Rohkost zu leben, dann ist es sehr gut so. Wenn Sie schrittweise Änderungen in Ihrem Leben einfügen, dann ist es auch gut. Wenn es aber dazu kommt, dass die Ernährung zum Kampf wird, dann ist es nicht gut. Manchmal ist es besser, die psychische Ebene zu befriedigen, auch wenn auf der physischen bzw. biochemischen nicht alles korrekt läuft. Natürlich gibt es dann auch die Möglichkeit, an der psychischen Ebene zu arbeiten. Aber das ist noch einmal ein neues Buch mit vielen Kapiteln.
Ich rate Ihnen für heute nur zu einem: Versuchen Sie es so gut es geht. Und lassen Sie sich nie wieder nachhaltig vom Kurs der Natur und von der Wahrheit des Lebens abbringen, auch wenn es manchmal ein bisschen nach links oder nach rechts geht. Achten Sie wenigstens darauf, so viel wie möglich LEBENSmittel zu verzehren.
Bernd Bieder



