Warum Menschen essen
Auf der Pirsch durch den Bwindi-Nationalpark in Kenia gehen wir behutsam auf den Spuren der Gorillas, jener kraftvollen Primaten des bergigen Wald- und Buschlandes. – Da – ganz da hinten! Wir sehen eine einzelne, erwachsene Gorilla-Frau. Uns stockt der Atem. Anscheinend werden wir nicht bemerkt, der Wind steht gut. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass dieses Tier sehr wohl um unsere Nähe weiß, sich aber nichts anmerken lässt. Wie töricht von mir zu denken, ein so intelligentes Tier wäre auf Geruchswahrnehmung beschränkt! Wir nähern uns und verharren gut getarnt im Buschwerk. Wir übersehen jetzt mehrere Schneisen und kleine Plätze - und sehen mehrere Tiere, darunter auch einige kleinere, die sich ausgiebig balgen. Ein halbwüchsiges Tier nähert sich der Gorilla-Dame, die Blätter zupfend an einem Busch steht. Ui, das war wohl etwas vorwitzig - denn unvermittelt und kraftvoll wird der Halbwüchsige zur Seite bewegt! Beinahe unberührt und ruhig setzt die Alte das Mahl fort. Wie gedankenverloren zupft sie weiterhin Blätter und steckt sie sich in den Mund.
Im Denkapparat des betrachtenden Naturwissenschaftlers beginnt sich eine Gedankenkette abzuspulen, die etwa so lautet: Sie isst über einen Zeitraum von zwei Stunden beinahe ununterbrochen Blätter. Diese enthalten bestimmte Inhaltsstoffe, von denen soundsoviel Prozent Ballaststoffe und der Rest biochemisch verwertbare Substanzen sind, die das Tier zu Aufbau und Erhaltung seines Körpers benötigt.“ Es geht noch weiter „Der Brennwert der Nahrung liegt soundso hoch und eine Bilanzierung der Nahrungsaufnahme des ganzen Tages zeigt, dass es durch Nahrung soundsoviel Kilogramm und Kalorien aufnimmt und in der gleichen Zeit soundsoviel Substanz resp. Energie als Kot, Urin und Körperwärme ausscheidet. Auf diese Art kommt sie gerade durchs Leben, kann wachsen und von Zeit zu Zeit bleibt genug Überschuß, um Junge gebären und aufziehen zu können.“
Der Gorilla erscheint für unsere Vorstellung beinahe unvorstellbar stark, zudem er ja nur Pflanzen isst! Konkrete Daten zur Kraft fand ich jedoch nicht viele. Diese sei beispielhaft erwähnt:
Im Frankfurter Zoo ist auf einer Tafel zu lesen, ein Gorillamann könne einhändig eine Griffkraft von rund 100 kg aufbringen. Es gibt dort auch ein Messgerät, mit dem man seine eigene Griffkraft messen kann.
wer-weiss-was.de/theme245/article5685557
Die für uns Menschen unglaubliche Kraftentfaltung gelingt einem Gorilla mühelos durch nichts anderes als pflanzliche Nahrung. Auf den Blättern liegen jede Menge Mikroorganismen wie Pilze, Blaualgen, Pollen, Bakterien sowie Staub und Wasser. Sie gehören dazu, der Gorilla wählte die Blätter mit der ursprünglichen Sicherheit eines ungestörten Naturempfindens. Für ihn ist es keine Sekunde betrachtenswert, ob irgendetwas davon (die Bakterien z.B.!) dort falsch oder für ihn krankmachend sei. Er wird nichts essen, was gegen sein Empfinden ist – das ist doch ganz selbstverständlich! Die begleitenden Mikroorganismen gehören hier ganz einfach dazu, sie ergänzen natürlich die Nahrungsbasis der grünen Blätter! Wir Menschen stellen Stoffwechselberechnungen an und ermitteln konkrete Daten, die gemessen werden können. Darauf bauen manche Leute irgendwelche Diäten auf. Aber diese Diäten sind ehrlicherweise nie wirklich effektiv! Könnte es sein, dass auch Nicht-Stoffliches in den Körper des kraftvollen Körpers eingeht? Der „Wert“ des Nicht-Stofflichen kann mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht ermittelt werden. Könnte vielleicht die bei der Nahrungsaufnahme und bei anderen Verhaltensweisen auffällige Ruhe dem Gorilla Kraft erschließen? Wobei der Begriff Ruhe nicht nur in Phasen gilt, da der Gorilla nach außen hin kaum bewegt ist, sondern sogar dann vollkommene innere Ruhe herrscht, wenn er äußerlich s e h r aktiv ist? Diese ist nicht transformierbar in Messbares. Nur unser Gefühl gibt auf solche Fragen eine Antwort, und die eigene Erfahrung, wenn wir darin vom Gorilla lernten!
Nun frage ich weiter: M u ß ein Gorilla essen? E i n e Antwort lautet: Was sonst sollte er den ganzen Tag tun? Für uns erscheint dieser Disput selbstverständlich unsinnig. „Jedes Lebewesen m u ß essen. Das tun sie alle seit vier Milliarden Jahren.“ - „Also, so etwas kann man doch nicht fragen!“
„Man“ – das sind weder Du noch ich - also sollten wir so fragen, denn vielleicht gibt es auch für Tiere andere Quellen Energie zu tanken, als stoffliche Nahrung sie bietet? - Wie verhält sich das bei uns Menschen? Bei denen gibt es das – es gibt „Meister“. Ich glaube dies: Der Gorilla isst in erster Linie deshalb, weil er auf seine gorillaige Art beim Essen eine Form der Genugtuung und damit Freude am Leben empfindet. In der wissenschaftlichen Literatur wird gesagt, er esse so viele Stunden am Tag, weil er das „müsse“, um seinen Körper zu erhalten und zu entwickeln. Doch könnte alles viel einfacher sein. Der Gorilla f r e u t sich an allem in seiner Umgebung. Er geht mit a l l e m um. Pflanzen als Nahrung zu verwenden, gehört a u c h zu seinem Wirken und Tun in diesem Lebensraum. Da ist er hineingestellt worden, in dieses Leben. Das Leben lebt er dort, wo er gerade ist.
Er ist, isst und lebt – keine Frage,
darin und dadurch ist er glücklich.
Wer nicht weiß, dass hier die Rede vom Gorilla ist, kann diesen Text für die Beschreibung des Lebens eines Philosophen halten – eines Lebens voller Weisheit. – Ich halte diese Tiere für weise. Ich sage damit nicht, dass dieser Begriff „weise“ exakt mit dem übereinstimmt, wenn ich damit einen Menschen charakterisiere. Weisheit äußert sich in der göttlichen Natur vielfältig.
Was ist bei uns Menschen anders? Uns ist es abhanden gekommen, auf des Gorillas stille Art unseres Wegs zugehen. Wir spüren mit jedem Tritt, dass wir nicht recht wissen, wie unsere natürliche, gesund erhaltende Nahrung beschaffen sei. Wenn wir wenigstens ein bisschen, wenigstens in Bezug auf das Essen, etwas Gorilla-Philosophie lebten! Alleine schaffen wir es kaum - wir brauchen dazu Vereine, die sich mit gesunder Ernährung befassen. So erfreuen wir uns ganz einfach daran, dass es Vereine gibt, zum Beispiel den BFGeV. Oder auch diese baseline-website, in der der vorliegende Artikel erscheinen drufte! Da können wir ursprünglichste Probleme wälzen, sie gemeinsam zu lösen, indem wir einander Rat und Tat bieten! Lasst uns nicht mit Fragen quälen, und den Rat dann doch sehr oft in den Wind schlagen, oder uns über offene Worte ärgern!
Wie vielleicht nie zuvor sind viele Menschen in diesen Jahren auf dem Weg ihre „richtige“ Nahrung zu finden. Sie spüren, dass vieles Normale nicht richtig ist, wie es ExpertInnen sagen oder sogar dafür werben. Auf dem Weg, die artgerechte Nahrung zu finden, liegen für Zivilisten viele Stolpersteine – ein Freund nannte sie kürzlich verheerend. Es ist wirklich schwierig, sich im Wald der Reaktionen und Bedürfnisse zurecht zu finden.
Unsere Bedürfnisse sind oft wenig „wahr“ und sie sagen wenig aus über das, was w i r k l i c h an echtem körperlich-seelischem Bedarf besteht! Menschen fanden heraus, dass sie bei anderen Bedürfnisse wecken können – selbst solche, die diese bei Vernunft nie im Leben selbst gefunden hätten! Essen ist außer Schlafen eine so grundlegende Tätigkeit in unseren Leben, dass es alle Bereiche des Alltags beeinflusst – wirklich alle und alles!
Im Kreise der LeserInnen dieser Website sind wir uns einig, dass Rohkost der einzige richtige Weg zu Gesundheit sei. Sind wir das in vollkommener innerer Sicherheit? Es macht nichts, wenn es noch nicht so weit ist – immerhin wurde mit dem Erkunden des Weges begonnen! Wer sein Leben auf Rohkost umstellte, wurde vermutlich konfrontiert mit mancher Irritation - man wird nicht mehr satt, man isst zu viel Obst oder zu viel Nüsse oder trinkt zum falschen Zeitpunkt und zu viel, man singt nicht, man lacht nicht sehr oft, man will gegen die „Vernunft“ Fleisch essen – und vieles andere mehr! Was man eben so alles falsch machen kann, wenn man seit dem „Abstillen“ auf artfremde Nahrung konditioniert wurde. Und wenn wir zivilisierten Menschen uns dabei ertappen, etwas falsch zu machen, so sind wir rasch dabei mit Vorwürfen an andere und – noch dramatischer – mit Vorwürfen gegen uns selbst! Dies aber merken wir dann alle: Das bringt a l l e s zum Stocken – die Evolution steht still! Vorwürfe und Ärger stören unseren Stoffwechsel. Stoffwechselstörungen signalisieren dem Körper, dass höchste Gefahr besteht. Diese Störungen wirken deshalb destruktiv – da sollten wir rasch heraus kommen!
Wenn ich mich mal im Dickicht der Ideen, irgendwelcher Gefühle im Kopf „verheddere“, oder Gefühle von schlechter Verdauung im Körper spüre, dann gibt es einen Weg, bei dem es mir richtig gut geht: Ich werfe allen Ballast, alle Urteile weg, und sehe mich im Ur-Urwald leben. Das ist ein lichter Wald, eine Savanne mit einzelnen Bäumen und Gebüsch. Sie mag eher wärmegetönt tropisch-subtropisch oder gemäßigt bis nordisch, also kühl bis kältegetönt sein. Ich stelle mir dann vor, was ich da jeweils zu essen finden kann. Ich stelle mir vor, wie Gutes zu essen mir am Weg begegnet. „Aha, dies ist für mich – danke!“
Der beste Ort dazu, in meiner Wirklichkeit, liegt irgendwo im Garten, wo mich bald das fröhlich Gedeihende auf andere Gedanken bringt. Da kann ich meiner Empfindung am ehesten nachgehen - obwohl dann nicht selten jenes „kleine grüne Männchenweibchen im Ohr“ auftaucht, das sagt „das ist doch alles subjektiv, jetzt phantasierst Du Dir wieder was zurecht!“ Das kann ich „eingefleischten“ „Veganern von rein bis lakto-vegetabil-mit-etwas-Fisch-dabei“, wie wir uns von früher kennen, nicht vermitteln. “Mir geht es damit gut“. Vielleicht ging es mir deshalb gut, weil ich mir seit Kindertagen ausmale, wie ich urtypisch lebe bzw. wie Menschen und Tiere urtypisch lebten. Ich bin dann wie ein Beobachter zu mir. Ich bin nicht mehr dieses „ich“, welches sich ja sehr wesentlich aus Essens-Bedingungen herleitet. Nicht umsonst wird in unserer Welt immer von dem Welthungerproblem gesprochen. Das Welthungerproblem existierte nicht, wenn wir uns nicht auf so viel Fleisch, zu dem aus domestizierten Tieren und auf denaturierte Nahrung konditioniert hätten! Was am Wegesrand liegt, nehmen wir weder ernst noch wahr!
Wenn ich mir anschaue, was es natürlicherweise draußen in der Natur zu essen gibt, dann spüre ich mit meinem gesellschaftlich geübten Verstand und Gefühl sofort, dass das meiste geschmacklich „nicht so doll“ sein dürfte – worauf mir rasch einfällt, dass der Geschmack starker Konditionierung unterliegt! – Wenn ich das erlernte „Geschmacksdickicht“ als Maßgeber weglasse – d a n n sehe ich, was es für mich gibt und was ich leicht erschließe.
Da dominieren in meiner mitteleuropäischen Umwelt die grünen Blätter. Wenige Früchte gesellen sich dazu, saisonal bedingt mal mehr mal weniger, und sie sind meist klein, als reifende Sämerei am Kraut oder Baum noch weich – dann irgendwann sind sie hart, knorzig und folglich abweisend. Meist gibt es Früchte mit sehr wenig Fruchtfleisch! Die haben viele Kerne, oft knorzige, wenige oder gar viele. Wer isst schon die Hagebuttenkernchen oder den dicken Avocado-Samen? Ich den letzteren nicht und erstere kaue ich nicht. Von europäischer Natur aus fehlt am ehesten das, was es in der „westlichen“ Zivilisation in Mengen gibt, die dickfleischigen Schlürfer á la Khaki Diospirio! Man vergleiche das mal mit Schlehe oder Rose oder Berberitze und Sanddorn als Frucht! Die feinen Nüsse (Hasel- und Walnüsse) haben beträchtliche Konkurrenten unter den tierlichen Nagern. Da ist Mensch zu langsam, auch ich, obwohl ich gerne und behände klettere - auch auf leichtem Geäst. Mensch mag klettern wie er will, dem Eichhörnchen kommt er nicht gleich. Der urtypische Mensch macht sich daraus mit Sicherheit keinen Stress – so lange er ansonsten glücklich lebt. Das mag in den Eiszeiten an die Grenze gekommen sein, denn die Raum- und Nahrungskonkurrenz zwischen Pflanzen essendem Mensch und Tier dürfte heftig zu genommen haben. Diese Konkurrenz konnte am ehesten ausgeschaltet werden können, indem man sie erlegte – und dabei erfuhr, dass man dazu noch feine Felle gewann.
Auch die Schimpansen holen sich gelegentlich ein Stück Fleisch eines Tieres aus der Nachbarhorde. Dann geht es jedoch noch um mehr als ums Essen! Da sind Kommentkämpfe in den eigenen Reihen, jugendliche Zankereien und rivaloide Verhaltensweisen im Spiel. Allesamt darf man solcherlei –
1. als natürliches Verhalten dieser Tiere erkennen
2. sicher nicht als Lebensäußerungen im ruhigen ausgeglichenen Fahrwasser der Seele des Tieres verstehen.
Im Rivalenverhalten wirkt „ Ego“. Und das natürlich schon auf der Tierebene – nicht erst bei Menschen! Ich betone die Tier-Ebene so, weil wir an sich wissen, dass es ein Tier-Mensch Übergangsfeld gibt – zu dem der Mensch gehört. Das hat „schon KONRAD LORENZ“ und sicher auch vor ihm schon so mancher hehre Wissenschaftlerkopf zum Besten gegeben! „Das Übergangsglied auf dem Weg vom Tier zum Menschen, das sind wir“! - Welche Einsicht!!
Mein Eindruck ist:
Fleisch und fleischverwandte „Nahrung“ vom Säuger, Reptil, Vogel und Fisch vor allem, und Milchprodukte direkt oder bearbeitet von den Säugetieren – Amphibien spielen kaum eine Rolle beim Essen, brauchen wir als Menschen allenfalls in geringer Menge – und diese könnte essentiell sein. Das mag abgeleitet werden aus der Nahrung unserer nächsten Primaten-Verwandtschaft. Alles „viel-an-Fleisch“ dient vermutlich zu nichts als zu Formen des Ego-Lebens*. Wir brauchen die Menge – über eine wie große essentielle Menge hinaus (die unbekannt ist), wie in unserer Zivilisation alltäglicher „Bedarf“, nicht wirklich, weder zur Erdung, wie gelegentlich zu hören, noch für irgendeinen Teil des Stoffhaushalts. Dies ist meine Hypothese – mir fehlen strenge Beweise. Ich leite es ab aus Erkenntnissen und Erfahrungen meiner Mitmenschen, mit denen ich über Essen sprechen darf – aber in erster Linie aus dem Verhalten von mir und meinem Körper.
*Zu den Ausdrucksformen des Ego gehören imponieren, dominieren und auffällig sein ebenso wie extreme Angst erzeugen oder durchleben und Depression.
Es ist kein Vorwurf an Menschen. Es ist einfach so. Ego-Methoden spielen eine Rolle in Situationen der Reifung, darin haben diese ihren Sinn. „Eigentlich“ ist im Universum nichts „falsch“ was geschieht, gleich wie stark es uns belastet.
Fleisch- und Fleischverwandtes begegnet uns in verschiedenen Lebenssituationen. Zum Beispiel streicheln wir unseren Liebespartner gerne und be-beißen sie oder ihn (meist) zärtlich. Und so wenden wir uns diesem Fleisch und Fleischverwandten ebenfalls zu, beißen hinein – und verinnerlichen auch es, wie wir unseren Liebespartner zu verinnerlichen suchen. Beides liegt auf der Ebene des ursprünglichen Wunsches auch körperlich empfinden zu können, dass wir ALLe EINES sind. Sortieren wir nun, warum Menschen überhaupt essen!
Essen aus einer bestimmten Gefühlssituation heraus
Alles Essen folgt einer Gefühlssituation. Sind wir unseren Gefühlen zu dem, was wir essen, unterworfen, oder haben wir sie im Griff? Leben wir bewusst, auch beim essen? Wissen wir also auch, wie viel wir wovon brauchen und, mehr noch, was unser Essen erlebt hat?
Jede Gefühlssituation erzeugt Resonanz.
Was ich aufnehme, gebe ich wieder ab, transformiert durch Geist und Körper, durch „mich“. Das Aufgenommene beeinflusst mein gesamtes Wesen. Es ist auffällig, und es mag sogar ein Signal der Echtheit beim Weg mit und zum Rohkostessen sein, wenn jemand mit Gesellschaftsverhalten, Geld und Drumherum Mühe hat. Je natürlicher die Ernährung wird, umso härter sind die Kontraste zu einer Gesellschaft, die Naturferne nahe legt oder fordert! Da von Natur aus rohe, nicht denaturierte Kost unsere Menschennahrung ist, wird sie zu einem Prüfstein auf dem Weg zu Echtheit.
Essen ist Zeitvertreib
Schaue ich in einem Film Gorillas an, so seh´ ich sie ohne jede Hektik durchs Gebüsch streifen und hier und da sehr ruhig sich Blätter zupfen, um daraus dann zu einem Berg an wirksamer Muskulatur zu werden. Machen sie dies Zupfen vier Stunden lang, so konstatiert ein Biologe, so brauchen sie das für ihren Lebenshaushalt. Dabei schwirren ihm Listen von „essentiellen“ Inhaltsstoffen, „notwendigen Kalorien“ etc. im Kopf herum.
Stellen wir uns statt dessen vor, der Gorilla nutze die Nahrung nur als Katalysator, er „akzeptiert, dass er seinen Darm beschäftigt“ und ansonsten dient ihm das Blätterpflücken als seine Art sich der Natur zuzuwenden, sich zu beschäftigen, etwas zu tun, an diesem lieben langen Tag. Mit den wenigen anderen „Abwechslungen“ in diesem Gorillaleben zusammengenommen ergibt das sein ur-bescheidenes Tagewerk – vollkommen erfüllend.
Eine meiner Konsequenzen ist nun, dass essen nichts anderes ist als >tun<. Menschen sind „Beschäftigungswesen“. Sie brauchen Beschäftigung. Und wenn sie eine zuträgliche Beschäftigung finden, bleiben oder werden sie gesund.
Nahrung als Katalysator
Essen, sprich Nahrung, stammt aus dem Kosmos, es ist von Natur aus lebendig, wie es im „Laden der Natur“ angeboten wird. Mit dem natürlichen Essen hole ich mir Lebenskraft. Ich verleibe mir anderer Organismen Lebenskraft ein, werde dadurch ein Teil von ihnen. Das schafft Befriedigung – Glück infolge Essens – eine Form Gemeinschaft zu leben. Das derart der Natur entsprechend Gegessene hat davor keine Angst. Es kann – als Pflanze – ja meist weiterleben, die paar Zupferl schädigen das Individuum nicht, so kann es die Pflanze sogar als frohen Austausch eines Gefühls von Gemeinsamkeit empfinden. Der letal abgeschnittene Kopfsalat kann das nimmer, aber den gibt’s >natürlich< sowieso nicht. Was ich sage gilt für Pflanzenesser. Das Räuber-Beute-Verhalten von Leopard zu Gazelle oder Mäusebussard und Maus erfordert eine eigene Betrachtung.
Essen dient mir im besten Fall als Förderband für die universale Energie – der Gorilla ist uns darin sehr nahe!! -
und jetzt kommts:
Essen als mechanisches Transportband brauche ich nur solange, als mich mein Bewusstseinszustand daran hindert, die universale Energie direkt aus dem Kosmos zu entnehmen. Diese universale Energie direkt aus dem Kosmos zu entnehmen - gelingt uns, - so kann ich derzeit nur vermuten, da ich noch nicht über diese Fähigkeit verfüge - sobald wir effektiv erkannt haben, und es vollständig so annehmen, dass die Natur Wesen – wie uns Menschen - hervorbringt, die mit einem beträchtlichen Bewusstsein ausgestattet sind. Zudem baut die Natur in jedem von uns, während wir leben, daran weiter, denn Evolution schreitet – auch im Individuum - unaufhaltsam voran. Selbst wenn uns in diesem Entfaltungsprozess manches zeitweilig überfordert oder der Wahrnehmung verborgen bleibt.
So kann ich verstehen, warum ich
besonders kraftvoll bin, wenn ich w e n i g esse – und warum ich dann wieder etwas „Ordentliches“ brauch´, wenn mir Kraft zehrende Gedanken oder „Äußerlichkeiten“ wie Ärger begegnen. Die können auch darin bestehen, dass ich es wieder mal nicht glauben kann, wie wenig ein gesunder Mensch braucht.
Das gesellschaftliche Leben, in dem wir uns entwickeln, nicht wenige sich darin nur noch durchschlagen, und ihre Lebensidee irgendwann ganz aus den Augen verlieren, „weil, Du musst da irgendwie durchkommen, und wenn das schon s o ist, dann will ichs bequem haben“ stellt uns unnachgiebig auf die Probe (und wäre es an der Biertheke). Das sind unsere Dönekes, womit wir es uns selbst und anderen einreden „so ist’s eben...“.
Das „so ist’s eben“ hat mich seit frühesten Kindertagen bei meiner Mitwelt irritiert bis geärgert, weil sie, schwach geworden, dran hängen blieben! Das wollte ich nie. Deshalb habe ich als Kind abgelehnt, das Geschäft meiner Eltern zu übernehmen und nicht zu rauchen. Damals wurde mir prophezeit „da kommst Du schon noch hin!“ In der Folge von diesem und anderem, kam ich in die Lage, dass es mir wirtschaftlich eng wurde. Die gegebene Fülle wird mir mehr und mehr bewusst, und ich lerne aus ihr wieder zu schöpfen.
Menschen unserer Zeit und Gesellschaft essen vor allem
1. aus Gruppengefühl
2. aus Beschäftigungssuche
3. als Katalysator kosmische Lebenskraft aufzunehmen – dies oft unbewusst.
(Der Kürze halber nenne ich die Lebenskraft im weiteren “Qi“, andere nennen sie „Atem Gottes“ oder „Prana“.)
Das Essen bildet, neben dem Atmen (was Zivilisten meist nicht bewusst lernen), den wichtigsten Qi-Austauschweg. Dies bewusst zu lernen, gehört in den Kindergarten und in alle weiteren Schullehrgänge, ins Fach „Leibeserziehung“. Begleitend sollte es ein altersgemäßes Einführen in Philosophie geben, und darin eine Philosophie des Atmens! Bis dato fehlt es daran in Kindergarten und Schulen weithin – und ebenso auf den Hochschulen und Universitäten.
Austausch
Ja, wir geben etwas zurück an die Natur – das Ausgeatmete, das Ausgeschiedene – beides d i e n t der Natur. Und wäre es nur, dass sie sich gegen so viel Dreck wehrte, um uns zu helfen, den „sauberen“ Weg der Ausscheidungen zu finden.
Qi Austauschweg
Dazu gehört Gefühle haben und äußern und zu denken! Wir üben darin Bewusstsein. Der „geistige Weg“ ist ein grundlegender Austauschweg, - und der unauffälligste vielleicht? Wie so oft mag das Unauffällige das besonders Bedeutende bzw. Wirksamte sein. Mit Gefühlen und Denken bestimmen wir den Lauf der Welt. Das tut jedes Wesen. Und besonders effektiv tut es der Mensch = die Frau - der Mann, da sie beide so ein hoch stehendes, so viel-befähigtes Bewusstsein geschenkt bekommen haben.
Abschließend betrachte ich nochmals die Eigenschaften des Essens – die es haben kann und im besten Falle entfalten hilft:
Das Essen -
- im ersten Fall als Gruppengefühl - ist es stressig, ggfs. entfaltet es Formen der Fröhlichkeit, was kein Widerspruch ist.
- im zweiten Fall als Beschäftigungssuche - mag es ruhig und anmutig sein!
- und im dritten Fall als Katalysator - bedient es sich aus kosmischer Fülle!!
Im dritten Fall also
verliert es seine bisherige Art der Dominanz (sie war ein Spiegel der fleischbasierten patriarchalen Strukturen) und
gibt es Raum für ein tieferes Erleben –
dem eines >wahren Menschen< als hohem, Bewusstsein lebendem Wesen.
„Mit Gefühlen und Denken bestimmen wir den Lauf der Welt.“
Da ist dann von Essen gar keine Rede mehr!
So schrieb jemand kürzlich:
In dem Moment, indem wir morgens erwachen, sollten wir daran
denken, dass dieser Augenblick der wichtigste des gesamten Tages ist.
Weil von ihm der ganze restliche Tag abhängt.
Weil von diesem Tag auch
unser weiteres Leben abhängen wird.
Der Beitrag regt zu Diskussion an – wer mag antworten? Ich finde das alles wunderbar. Gestalten wir uns das Essen und alles darum herum so schön wie irgend möglich! – Gleichwie, ich geh´ jetzt ´raus in die duftend nasse Alentejo-Natur.
Prof. Dr. Bernd Gerken
Marienmünster und Santana da Serra
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