Frühe Pioniere der Rohkostbewegung

Ein Artikel von Nicole Freialdenhoven

Maximilian Bircher-Benner
Maximilian Bircher-Benner

Maximilian Bircher-Benner

Der Schweizer Maximilian Bircher wurde 1867 in Aargau geboren und ließ sich nach seinem Medizinstudium 1891 in Zürich als praktischer Arzt nieder. Schon zu dieser Zeit interessierte er sich sehr für gesunde Ernährung und Naturheilkunde.
Was später als "Vollwertkost" und "Birchermuesli" weltbekannt werden würde, basierte auf einer einfachen Mahlzeit die Bircher bei einer Wanderung in den Alpen von einer Sennerin serviert bekam. Sie bestand aus Haferflocken, Äpfeln, Nüssen, Zitronensaft und gezuckerter Kondensmilch. Er nahm diese Mahlzeit mit ins Tal nach Zürich und nannte sie "Apfeldiätspeise" oder einfach "d Spys". Erst später wurde daraus das Müesli, ein Diminutiv des schweizerdeutschen Wortes Mues (Mus). Die Kondensmilch, die vor der Entdeckung der Pasteurisierung die einzige haltbare Milch war, wurde später durch gewöhnliche Milch oder (für Veganer) Sojamilch ersetzt und um andere Früchte, wie beispielsweise Bananen ergänzt.Die "Apfeldiätspeise" würde Bircher-Benner zwar ein Denkmal setzen, war aber nur Teil seiner Ernährungslehre, zu der auch der Verzicht auf Brot aus Weißmehl und weißem Zucker und auf Fleisch gehörte. In seinem 1904 eröffneten Sanatorium stand neben der gesunden Ernährung auch tägliche körperliche Ertüchtigung auf dem Programm. Bircher-Benner starb im Jahr 1939 an einer Herzkrankheit, wonach seine Söhne das Sanatorium noch bis 1973 fortführten. Im Jahr 1994 wurde die mittlerweile der Stadt Zürich gehörende Bircher-Brenner-Klinik geschlossen.

Paul Kouchakoff und die Verdauungsleukozytose

Ebenfalls aus der Schweiz kam der Arzt Paul Kouchakoff, der 1930 mit seinem Vortrag "The influence of cooking food on the blood formula of man" in Paris Aufsehen erregte.  Er hatte beobachtet, dass die weißen Blutkörperchen im menschlichen Blut, die sogenannten Leukozyten, nach dem Essen zunahmen. Er folgerte daraus, dass es sich um eine Reaktion auf "falsche" Nahrungsmittel handelte, die durch das Kochen oder die industrielle Verarbeitung schädlich wurden und verwies darauf, dass bei einer Ernährung mit Rohkost keine Vermehrung der Leukozyten stattfand. Zwar konnte diese Theorie nie wissenschaftlich bewiesen werden (es gab und gibt auch keine Lobby dafür), doch viele Rohköstler berufen sich bis heute auf Kouchakoff und seinen Vortrag.

 

Norman W. Walker
Norman W. Walker

Norman W. Walker

Einer der ersten Amerikaner, der die Rohkost als ideale Ernährungsform propagierte, war Norman W. Walker, der schon früh mit der Produktion von Entsaftern begann um gesunde frisch gepresste Obstsäfte zu vermarkten. Dabei geriet er mehrmals mit den amerikanischen Gesundheitsbehörden aneinaner, die den Verkauft von nicht pasteurisiertem Obst- und Gemüsesaft verbieten wollte. Später gründete Walker ein eigenes Gesundheitsinstitut in Arizona und schrieb mehrere Bücher, in denen er die Rohkost anpries. Seiner Meinung nach gingen gut 80 Prozent aller Krankheiten vom Darm aus und nur eine gesunde rohstoffreiche Kost könnte den Darm gegen Verstopfungen und ähnliche Übel schützen. Er lehnte nicht nur hitzebehandelte Lebensmittel ab, sondern vor allem auch den Verzehr von Milchprodukten, Brot, Fleisch, Fisch und Reis, sowie von gewöhnlichem Leitungs-Trinkwasser. Die Theorien von Norman W. Walker wurden später von Harvey und Marilyn Diamond übernommen, die 1985 ihre "Fit for Life"-Ernährung zum ersten Mal öffentlich präsentierten.

 

Max Gerson
Max Gerson

Max Gerson

Der aus Deutschland stammende Amerikaner Max Gerson entwickelte in den 40er Jahren die Theorie, dass schwerkranken Patienten mit Säften geholfen werden kann. Die nach ihm benannte Gerson Therapie wurde zunächst als Hilfe bei schweren Migräne-Anfällen entwickelt und später auf die Behandlung mit Tuberkulose und Krebs ausgedehnt. Dabei handelt es sich zwar nicht ausdrücklich um eine Rohkosternährung, doch im Mittelpunkt stehen frischgepresste Gemüse- und Obstsäfte, während viele andere Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Sojabohnen, Nüsse und Pilze verboten sind. Kaffee ist als Getränk verboten, wurde von Gerson jedoch häufig als Einlauf genutzt. Seine Ideen leben bis heute in unterschiedlichen Rohkostvarianten fort, gelten jedoch bei Schulmedizinern als umstritten.

 

Ann Wigmore
Ann Wigmore

Ann Wigmore und Viktoras Kulvinskas

Wigmore und Kulvinskas werden als gemeinsame Gründer des Hippocrates Health Institute in den USA häufig in einem Atemzug genannt. Beide haben litauische Wurzeln und viele ihrer Theorien basierten auf Beobachtungen in ihren Familien mit natürlichen Heilmitteln und Kräutern. Zu ihren bekanntesten "Erfindungen" gehören Drinks aus Weizengrass, die heute weltweit verbreitet sind. Kulvinskas veröffentlichte 1975 als erster Ernährungsexperte im Westen das Buch "Survival into the 21st Century", das eine auf Rohkost basierende Ernährung propagierte und die Wichtigkeit der Enzyme in ungekochtem Gemüse und Obst betonte . Wigmore veröffentlichte außer ihrer Autobiographie "Why Suffer? How I overcame illness and pain naturally" keine weiteren Bücher. Sie starb 1994 durch eine Rauchvergiftung. Viktoras Kulvinskas ist bis heute aktiv und hält Vorträge und Vorlesungen und veranstaltet Retreats.

 

Franz Konz
Franz Konz

Franz Konz

In Deutschland gilt der Steuerexperte Franz Konz (der Verfasser der "1000 ganz legalen Steuertricks") einer der führenden Vertreter der modernen Rohkost-Bewegung. Neben den Steuertricks verfasste Konz den Ratgeber "Der große Gesundheits-Konz" in dem er sich für die Rohkost-Ernährung stark machte. Er selbst bezeichnete seine Ernährungslehre als "UrMedizin" oder "Urkost". Konz war 1965 an Magenkrebs erkrankt, der zu jener Zeit als unheilbar galt. Dank einer vollständigen Ernährung auf Rohkost gelang es ihm, den Krebs zu besiegen und in der Folge verfasste er nicht nur seinen Gesundheitsratgeber, sondern entwickelte auch das Konzept der UrMedizin: Danach beruhen die meisten Krankheiten lediglich auf einer falschen Ernährung und können durch eine entsprechende Umstellung der Nahrung auf "Urkost" geheilt werden. Ein wichtiger Bestandteil der Urkost sind dabei wild wachsende Kräuter und Blätter wie Löwenzahn und Vogelmiere.
Auf die Urkost von Franz Konz und weitere Rohkost-Pioniere werden wir in einem gesonderten Artikel genauer eingehen.