Der vergessene Ernährungsinstinkt -- Kapitel 15

Rohkost Buch
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Irgendwann, als unsere Vorfahren das Feuer zu beherrschen gelernt hatten, gerieten auch ihre Nahrungsprodukte, wie z.B. Süßkartoffeln - die sie sonst immer roh aßen - mit in das Feuer. Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass dies zwangsläufig eines Tages passieren musste. Ein Zufall, ein Missgeschick oder auch ein Waldbrand könnten die Ursache der ersten Bratkartoffeln gewesen sein. Und es ist auch leicht vorstellbar, dass unsere Vorfahren diese Knollen, von denen einige gerade richtig gegart waren, eines Tages probiert haben.
 
Doch einmal damit begonnen, war es wie eine Krankheit, die sich weiter ausbreitete. Die Aufnahme denaturierter Produkte führte unweigerlich zu einer Überlastung ihres Körpers. Das hatte bei den anschließenden Mahlzeiten zur Folge, dass sie nun die rohen Produkte nicht mehr richtig befriedigten, weil der Instinkt, der mit den rohen Produkten korrekt funktioniert, automatisch eine weitere Überlastung des Körpers verhindern möchte. Befriedigung wurde aber dennoch gesucht, und da ihr Intellekt inzwischen zugenommen hatte, waren sie auch in die Lage versetzt, gezielt Manipulationen vorzunehmen. So war es also nahe liegend, wiederum die Kartoffeln ins Feuer zu werfen bzw. wiederum gekocht zu essen.

Nehmen wir einmal an, einem Tier - sagen wir einem Reh - passiert es, dass es im Wald gegarte Kartoffeln findet und diese frisst, was vor der Zeit der zivilisierten Menschen ziemlich selten gewesen sein dürfte. Aber nehmen wir das ruhig einmal an. Was wird weiter passieren? Das Tier hat keine andere Wahl, als zu warten, bis die verursachte Überlastung mit diesem denaturierten Produkt wieder im Körper abgebaut ist und der Genuss mit den reinen Naturprodukten wieder zunimmt. Es kann eben kein Feuer anmachen und die Kartoffeln von neuem da hinein werfen. Aber die Menschen mit ihrem zunehmenden Intellekt konnten das. So etwas wie ein unglaublicher Kurzschluss trug sich genau in dieser Situation oder mit dieser Möglichkeit zu. Wie ging es weiter?

Der Intellekt, der die Menschen zwar in die Lage versetzte, die Kartoffeln von neuem ins Feuer zu werfen, war nicht in der Lage, die Folgen dieser Handlung zu erkennen, zumal die auch kaum unmittelbar sichtbar wurden. Damit wurde diese Sache Schritt für Schritt immer schlimmer. So gab es allmählich zunehmend gekochte und immer weniger natürliche Produkte in der Ernährungspalette der Menschen. Eines Tages hatten sie dann auch ganz vergessen, dass sie die Kartoffeln einst roh aßen. Und so erzählten sie dann auch ihren Kindern, dass man Kartoffeln immer kochen muss. Sie waren inzwischen ohnehin derart überlastet - z.B. mit Stärke und Glukose - dass ihnen diese Knollen im rohen Zustand meistens sehr unangenehm, zumindest aber kaum genussvoll schmeckten. So konnten sie also auch keinen anderen Schluss daraus ziehen als den, dass das Kochen notwendig sei.

Ohne es zu ahnen haben die Menschen damit einen verhängnisvollen Kurs eingeschlagen. Sie haben sich damit immer weiter aus ihrem eigenen Gleichgewicht, ihrer Mitte und dem Gleichgewicht mit der Natur entfernt. Sie haben sich damit selbst aus dem Paradies vertrieben. Und dabei sieht es so gemütlich aus, am Feuer zu sitzen und eine Suppe zu kochen.
 
Auch trugen die klimatischen Bedingungen in den gemäßigten und kälteren Regionen für jene Menschen dort später verstärkt dazu bei, ihre Nahrungsmittel zu manipulieren. In den Tropen, wo das menschliche Leben einst entstand, hatten sie das ganze Jahr über die verschiedensten ursprünglichen Früchte und Pflanzen zur Verfügung, an die sie seit Jahrmillionen angepasst waren. In den gemäßigten Zonen, in die sie ausgewandert oder durch eiszeitliche Klimaverschiebungen geraten waren, gab es aber jedes Jahr einige Monate, während denen man in der Natur nicht viel pflanzliche Kost finden konnte. Die Denaturierung brachte nun die Möglichkeit mit sich, auch in Gebieten mit monatelangem Winter gut überleben zu können. Das ist freilich auch mit hundertprozentiger Rohkost durchaus möglich. Doch die einmal begonnene Denaturierung konnte unter diesen Lebensumständen einen besonderen Vorschub erfahren, und mit ihr auch die Entwicklung von Vorratswirtschaft und Konservierungsmethoden.

Aber auch in den wärmeren Zonen breitete sich das Kochen unvermeidlich überall aus. Einmal damit begonnen, war es auch hier nicht mehr aufzuhalten. Hatte ein Stamm vielleicht diese Neuerung noch nicht entdeckt, so sorgten schon seine Nachbarn dafür, dass sie ihnen bei der nächsten gemeinsamen Feier vorgestellt wurde. Doch ging diese Entwicklung in vielen tropischen Regionen deutlich langsamer voran als in den kälteren Klimazonen. Selbst im letzten Jahrhundert wurden noch mehrere verschiedene Ureinwohner in Urwäldern gefunden, die immer noch einen großen Anteil unveränderter pflanzlicher Naturkost und nur einen kleinen Teil denaturierter Produkte in ihrer Nahrung hatten. Diese Ureinwohner lebten in großer Harmonie mit der Natur und mit sich selbst, so lange, bis sie mit den ersten Konservendosen der Zivilisation in Berührung kamen. Es wurde bei solchen Ureinwohnern beobachtet, dass sie über eine sehr stabile Gesundheit und über tadellose Zähne verfügten. Doch schon nach wenigen Jahren Ernährung mit Zivilisationskost wuchsen die Zähne lückenhaft und schief und hatten lauter Löcher. Und es gab auf einmal verstärkt die verschiedensten Krankheiten.
 
In der Öffentlichkeit und selbst in Kreisen der Wissenschaft wurden solche Beobachtungen lange Zeit entweder überhaupt nicht oder fast nicht mit irgendeiner nachhaltigen Beachtung zur Kenntnis genommen. Schon gar nicht führten sie dazu, unsere eigenen Verhaltensweisen ernsthaft zu überdenken oder gar zu verändern. Sahen wir uns doch auf einer viel höheren Entwicklungsstufe als diese „Wilden“ aus dem Urwald. Die müssen einfach in unserer Vorstellung auf einer niedrigeren Stufe als wir stehen, sonst hätten wir ja an uns selbst zu zweifeln.

 

Erfahrungen mit der instinktiven Rohkosternährung -- Kapitel 16

Als ich einmal zu einer Party eingeladen war, bei der jeder Besucher einen Beitrag in Form von Speisen für das Büffet mitbringen sollte, nahm ich einige Datteln mit. Es war eine ganz besondere Sorte von einem ökologischen Dattelhain aus Kalifornien. Eine Sorte, die es im üblichen Handel nicht gibt. Hundertprozentig naturbelassen, ein wunderbares weiches Fleisch, herrlich süß, ein phantastischer Geschmack. Vielleicht zu vergleichen mit süßem Kuchen und feuchten Kirsch-Nugat-Pralinen. Ich war schon einige Zeit instinktiver Rohköstler, und dachte, mit diesen Datteln werde ich die anderen sicher beeindrucken können, die ihren Nudelsalat, ihre Backwaren oder ihre Schokolade mitbrachten. Doch ich hätte es ahnen müssen. Ich war der Einzige, der mehrere dieser Datteln aß. Die anderen probierten sie zwar auch, aber ließen sie dann gleich wieder liegen. Sie erschienen ihnen einfach viel zu süß, was eigentlich nicht verwunderlich ist. Denn gewöhnlich verzehren die meisten Menschen bei uns viele stark gezuckerte Produkte, und sie sind daher mit Zucker arg überlastet. Da aber bei den naturbelassenen Datteln die instinktive Sperre funktionierte, empfanden sie diese als viel zu süß, so dass sie davon keine weiteren mehr essen konnten. Der Körper wollte die bestehende Überlastung mit Zucker nicht noch verschlimmern.
 
Wenn man seine Ernährung zur instinktiven Rohkost hin umstellt, passiert erst einmal Folgendes. In den ersten Tagen sinkt das Genussniveau beim Essen. Die alten gekochten bzw. denaturierten Produkte, stehen für die Befriedigung nicht mehr zur Verfügung, und die neuen ausschließlich rohen Produkte, bringen noch keine besondere Befriedigung, weil der Körper noch zu sehr mit den denaturierten Produkten belastet ist und diese abbauen will. So geht das Genussniveau erst einmal nach unten, wo es auch einige Tage bleibt. Diese Zeit ist dann auch die schwierigste bei einer solchen Ernährungsumstellung. Doch nach etwa ein bis zwei Wochen steigt das Genussniveau wieder an. Dann steigt es immer weiter und übertrifft sogar das bisher bekannte Niveau noch um Längen. Es sind schließlich Genuss- und Zufriedenheitserlebnisse möglich, die vielleicht zehnmal oder zwanzigmal höher als mit gekochter Kost liegen. Diese Erlebnisse werden als „himmlische Phasen“ bezeichnet.

Der Genuss ist dabei nicht in erster Linie auf dem Gaumen zu spüren. Dort sicher auch. Aber es geht gleichzeitig viel weiter. Es geht weiter hinab in eine innere Tiefe. Es ist ein Tiefengenuss, den wir uns im denaturierten System vielleicht erträumen, aber niemals wirklich erleben. Als ich meine erste himmlische Phase hatte, konnte ich es überhaupt nicht fassen, dass in dieser unveränderten rohen Nahrung in meiner Hand eine solche Befriedigung steckt. Nach jedem zweiten Bissen bin ich vor Aufregung und Freude begeistert in der Wohnung auf und ab gelaufen. Es ist eine solch tiefe Befriedigung und ein Wohlgefühl, als ob im Inneren des Körpers eine Sonne aufgeht.

Nein, nein, liebe Leser. Ich erzähle hier keine phantastischen Geschichten oder Märchen. Das ist wirklich so. Voraussetzungen dafür sind gute naturbelassene Produkte und eine konsequente instinktive Rohkosternährung. Wie letztere in der täglichen Praxis funktioniert, soll später noch genauer beschrieben werden.
 
Die schwierige Anfangsphase zu durchstehen, das ist die erste notwendige Voraussetzung für ein solches Erlebnis. Es ist, als ob erst einmal eine Talsohle durchschritten werden muss. Aber am Ende, auf der anderen Seite des Tales, warten himmlische Genüsse. Sämtliche bisherige Ernährungspraktiken haben niemals dieses Tal durchschreiten können, weil immer denaturierte Produkte mit im Spiel waren, und weil niemals der Instinkt die konsequente Führung übernehmen konnte. Auch die Ernährungspioniere am Anfang des 20. Jahrhunderts haben zunächst mit Müsli und ähnlichen Dingen zu experimentieren begonnen. Selbst sie konnten sich nicht vorstellen, dass der Mensch vollkommen von naturbelassener Rohkost leben könnte. Und dass damit nicht nur eine gedeihliche Entwicklung möglich ist, sondern dass er dadurch auch noch glücklicher, zufriedener und genussvoller leben kann als vorher.

Mit der instinktiven Rohkosternährung ist es möglich, immer genau ins Schwarze zu treffen, was die eigenen tatsächlichen Bedürfnisse betrifft. Das führt schließlich zu solchen himmlischen Phasen. Mit allen anderen Ernährungspraktiken liegt man garantiert meistens daneben. Denn so viele Zufälle hintereinander kann es gar nicht geben, dass man ebenso kontinuierlich ins Schwarze treffen würde, ganz abgesehen von den Problemen, die erst recht die denaturierten Produkte mit sich bringen. Da man aber meistens daneben liegt, entstehen unweigerlich Überlastungen und da der Körper versucht, diese abzubauen oder wenigstens nicht zu verschlimmern, muss zwangsläufig auch das Genussniveau mit Rohkost viel niedriger liegen oder sogar ganz ausbleiben, weil ja hierbei der Instinkt funktioniert. Weil aber das Genussniveau mit Rohkost zunächst viel niedriger liegt und unter das Niveau der Kochkost sinkt, versuchen wir irgendwie anders an unseren benötigten Genuss heranzukommen. Und was machen wir dann? ... ! Wir werfen wieder die Kartoffeln ins Feuer. Wir suchen den Genuss zu befriedigen über immer weitere denaturierte Gerichte. Böse Falle, nicht wahr!
 
Jede Ausnahme mit denaturierten Produkten führt unweigerlich dazu, dass die himmlischen Phasen verschwinden und man landet automatisch wieder ganz unten im Keller. Von dort muss man sich dann erst wieder mühsam hocharbeiten. Oder man bleibt bei fortgesetzten Ausnahmen weiter da unten. Deswegen ist es besonders zu empfehlen, die instinktive Rohkost hundertprozentig zu praktizieren, um die bestmöglichen und großartigen Erfahrungen damit zu machen. Andere Leute, denen jene Erfahrungen damit fehlen, glauben dann oft, man sei irgendwie radikal oder dogmatisch, wenn man Ausnahmen ablehnt. Doch diese Ernährungsweise hat absolut nichts mit irgendwelchen Ideologien zu tun. Diese am allerwenigsten von allen. Das muss man wirklich sehr klar sehen. Es ist vielmehr die konsequente Beachtung elementarer Naturgesetze. Es ist die konsequente Beachtung des eigenen Körpers und seiner innersten natürlichen Bedürfnisse. Wenn ich denaturierte Produkte ablehne, dann tue ich das nicht, weil ich mir etwas versage oder weil ich vielleicht allein an meine Gesundheit denke, sondern vor allem auch, weil ich die himmlischen Genüsse und die anhaltende Zufriedenheit mit meiner natürlichen Ernährung nicht verlieren möchte. Hinzu kommen noch eine Reihe anderer wunderbarer Ergebnisse, die sich mit dieser Ernährungsweise einstellen und die mit einem Abweichen davon auch wieder verloren gehen. Wir werden darauf noch näher zu sprechen kommen.

Da jedoch in unserer Zeit so gut wie alle Menschen in der Regel täglich denaturierte Produkte verzehren und Rohkost allenfalls zwischendurch oder als Nachtisch, müssen sie also auch zwangsläufig ein niedriges Genussniveau mit Rohkost haben, viel niedriger, als es eigentlich möglich ist. Außerdem glaubt man auch, dass der dabei empfundene Geschmack kollektiv für alle Personen und alle Zeiten so zutreffen würde. Viele Leute, die schon versuchten, ein paar Tage von Früchten zu leben, haben meistens schon nach kurzer Zeit frustriert aufgegeben. Wer kennt nicht das Gefühl, wenn man einen halben Tag lang nichts anderes als Obst zur Verfügung hatte. Dann heißt es oft: „Jetzt brauche ich endlich wieder etwas Richtiges zum Essen.“ Und dieses Richtige sind natürlich denaturierte Speisen. So ist dann auch die Überzeugung entstanden, dass eine reine Rohkosternährung für uns Menschen nicht möglich sei. Obwohl sich alle übrigen Lebewesen genau auf diese Weise ernähren. Doch das haben wir uns niemals kritischer vor Augen gehalten. Warum auch? Wir dachten, die armen Tiere. Die müssen immer nur Rohkost fressen. Wir dachten wirklich, wir sind mit unserem toten, denaturierten Brei besser dran. Zumal ja auch die Tiere denaturiertes Futter oftmals willig annehmen, weil eben auch sie darauf hereinfallen.

In der Natur ist alles sehr weise eingerichtet. Jede der vielen tausend Arten hat ihre Nahrungsquellen erhalten. Diese Nahrung braucht nicht erst noch behandelt oder zubereitet zu werden. Sie ist, so wie sie ist, in ihrem allerbesten und perfektesten Zustand. Manche Lebewesen haben eine kleine Palette an verschiedenen Naturprodukten für ihre Ernährung zur Verfügung. Andere eine größere. Und wir Menschen, wir haben eigentlich die größte Palette von allen. Wir haben einen riesigen Korb paradiesischer Früchte und eine Fülle von Pflanzen und anderen Naturprodukten erhalten. Aber wir haben dies vergessen oder verloren und können es einfach nicht mehr sehen und fassen. Doch es gibt immer noch tausende köstlichster Sorten für uns in der Natur. Wenn wir diese mit Hilfe der instinktiven Rohkosternährung wieder neu entdecken - wenn wir uns diesen Reichtum vergegenwärtigen und neu erschließen - und wenn wir dann auch noch die Erfahrung der himmlischen Phasen machen, dann verstehen wir, dass die Erde tatsächlich als Paradies gedacht ist. Für alle ihre Bewohner und besonders auch für uns Menschen.
 
Als ich meiner Mutter von meiner Rohkosternährung erzählte, sagte sie, da würde sie lieber fünf Jahre weniger leben. Und als ich ihr zu erklären versuchte, dass ja auch die Tiere auf diese Weise leben, da war sie ganz entrüstet darüber, dass ich die Menschen mit den Tieren verglich. Ein anderer Verwandter meinte, dass die Rohkosternährung sicher sehr gut sei, doch er brauche sie nicht, weil er ja ohnehin gesund sei. Hier muss ich allerdings anmerken: „... fragt sich nur, wie lange noch.“ Doch diese beiden Aussagen haben genau das ausgedrückt, was die meisten Menschen denken und sagen würden, denen die Erfahrungen einer solchen Ernährung fehlen. Die meisten sind zwangsläufig der Ansicht, eine Lebensweise nur mit Rohkost käme einer Selbstkasteiung gleich. Doch es muss wiederholt ganz deutlich gesagt und dick unterstrichen werden: Eine solche Lebensweise bedeutet keinen Verlust an Lebensqualität und keinen Verlust an Genuss, sondern ausschließlich Gewinn. Sie bedeutet sehr hohen Gewinn und das nicht etwa nur gesundheitlich. Sie bedeutet einen solch hohen Gewinn, wie man ihn sich vorher nicht vorzustellen vermag. Sie bedeutet einen Gewinn für den einzelnen Menschen und für die ganze Erde. Ich habe nicht den geringsten Grund, hier etwas anzupreisen, was lediglich einer bestimmten Anschauung entspricht. Ich kenne beide Seiten. Und ich bin viel zu sehr Genießer und viel zu gerne unabhängig in jeder Hinsicht, als dass ich eine Ernährungs- und Lebensweise annehmen würde, die mich nicht vollständig zufrieden stellt. Vielmehr berichte ich hier von Erfahrungen. Ich berichte von wunderbaren Erfahrungen, die noch dazu jeder selbst kennen lernen und nachvollziehen kann. Das ist etwas ganz anderes als irgendwelche einseitigen, von Abhängigkeiten oder Verpflichtungen und von Täuschungen oder Glaubenssätzen beeinflusste Behauptungen.

 

Ausgeschlossen aus dem Paradies -- Kapitel 22

Es gibt noch die herrlichsten Früchte, und manch einer wird sich vielleicht auch fragen, warum er davon nicht schon früher etwas erfahren hat. Doch im Zusammenhang mit der denaturierten Ernährung geschieht in unserer Geschmackswahrnehmung etwas sehr Fatales. Wer sich denaturiert ernährt, wie praktisch fast alle von uns, wird zwar immer noch den Unterschied einer ursprünglichen Mangosorte im direkten Vergleich mit einer manipulierten Sorte erkennen. Aber die erfahrbare geschmackliche Tiefe ist nicht dieselbe. Es ist nicht das gleiche Spektrum und die gleiche Genusstiefe, die bei einer konsequenten instinktiven Rohkosternährung möglich wäre. Es ist allenfalls ein bescheidener Teil davon und manchmal nicht einmal dieser. Aber das ist noch längst nicht alles. Es kommt noch viel schlimmer. Doch um das zu erklären, muss ich erst einmal noch ein wenig in eine andere Richtung ausschweifen.

Unser Körper, der immer wieder mit denaturierten Stoffen überschüttet wird, versucht, damit irgendwie klar zu kommen. Er muss dies auch versuchen, sonst würde er sofort sterben. Er ist eigentlich so perfekt konstruiert, dass nicht jeder Fehler gleich zum Tode führt. Mit einem kleinen Teil unangebrachter Substanzen kann er durchaus fertig werden. Doch die Fülle der anormalen Substanzen und Toxine, die er durch die denaturierte Ernährung zugeführt bekommt, kann er einfach nicht bewältigen. Das stellt ihn vor Probleme, für die er keine genetische Antwort zur Verfügung hat. Er funktioniert dann mit Notprogrammen, und es stellen sich sogar Toleranzen ein. Und er versucht auch, die denaturierten Substanzen und die vielen toxischen Stoffe wenigstens teilweise irgendwie wieder loszuwerden. Hierzu bedient er sich auch immer wieder zahlreicher Krankheiten, um diese nach draußen zu bringen. Eiter, Pickel, Fieber, Schleim im Hals, alles mögliche. Aber es sind viel zu viele anormale Stoffe, die ihn durch die Überlistung der instinktiven Schranke regelrecht überschwemmen. Er kann diese nicht bewältigen. Auch stimmen sie nicht mit den Schlüsseln seines Stoffwechsels überein und das ist besonders verheerend. Doch er versucht dennoch, in dieser permanenten Notsituation das Beste daraus zu machen. Manchmal gelingt ihm das ein paar Jahrzehnte lang. Manchmal bricht er schon früher zusammen und manchmal auch später. Doch solange es noch irgendwie geht, bringt er die anormalen Stoffe und Gifte möglichst aus den Bereichen heraus, in denen sie gefährlich sein könnten. Er lagert sie also mit Vorliebe dort ab, wo sie die geringste Gefahr bedeuten. Und das ist zunächst in erster Linie das Fettgewebe. Es ist praktisch wie bei unserem Atommüll in den Salzbergwerken. Später kommen dann oft auch die Gelenke mit an die Reihe. Doch nach und nach wird auch der gesamte Körper betroffen.

Zum einen überfluten die anormalen Substanzen den Organismus regelrecht, so dass er allein schon deswegen irgendwann kapitulieren muss. Und zum anderen hat er auf Grund der bestehenden Zwangslage gar keine andere Wahl. Solange keine besseren Baumaterialien zur Verfügung stehen, müssen die Zellen nehmen, was sie bekommen, auch wenn es Schrott ist. So wird schließlich der gesamte Körper mit all seinen Zellen in der Tiefe belastet, geschwächt und vergiftet.

Nun beginnt also jemand mit einem so belasteten Körper die natürliche Ernährung. Der Körper, der jetzt die Nahrung bekommt, die er wirklich braucht und verarbeiten kann, wird als Erstes versuchen, die Depotgifte abzubauen und gegen die neuen natürlichen Stoffe auszutauschen. Dabei gelangen viele Gifte oder eben die anormalen Substanzen nach und nach wieder in die Blutbahn um ausgeschieden zu werden. Und jetzt komme ich zurück zu den ursprünglichen Früchten.

Je ursprünglicher und je kraftvoller die Früchte sind, umso größere Reaktionen können sie im Körper auslösen. Es ist logisch, je mehr Nährstoffe und Energie zur Verfügung stehen, desto mehr kann damit geschehen. Das hat einerseits zur Folge, dass mit solchen ursprünglichen Früchten sowohl himmlische Genüsse als auch klare Ablehnungen möglich sind, je nach Bedarf des Körpers. Aber andererseits bringt es im Zusammenhang mit einem überlasteten Körper noch eine andere verhängnisvolle Ablehnung mit sich. Der Körper, der eine Entgiftung durchzuführen hat, muss gleichzeitig darauf achten, dass die Entgiftung nicht zu massiv abläuft. Würde er dies nicht tun, würden zu viele Depotgifte auf einmal wieder in seine Blutbahn gelangen und er würde sich damit in große Schwierigkeiten bringen. Ja, er kann daran sogar scheitern. Nun sind aber die ursprünglichen Früchte diejenigen, die die stärksten Ausscheidungs-Reaktionen im Körper auslösen können. Doch der muss sich vor zu starken Entgiftungen schützen, weil sie ihn in Probleme bringen und glatt niederstrecken könnten. Hinzu kommen die instinktiven Sperren, die ohnehin zur Verhinderung weiterer Überlastungen bestehen, und hinzu kommt auch eine gewisse Trägheit des gesamten Organismus durch die jahrelange falsche Ernährung. So kommt es dann dazu, dass viele besonders ursprüngliche Früchte den meisten überlasteten Menschen zunächst als unangenehm oder zumindest nicht als besonders genussvoll erscheinen. Je nach Grad und Art der Überlastung und je nachdem, welche Arbeit diese ursprüngliche Sorte in dem Körper auslösen würde. Der Körper lehnt sie ab, weil er nicht in der Lage ist, diese Arbeit gegenwärtig zu bewältigen und heil zu überstehen. Aber nicht die Früchte sind es, die ihn in Schwierigkeiten bringen, sondern die alten Depotgifte, die nun wieder verstärkt in den Blutkreislauf gelangen würden.

Es ist verrückt. Wenn man das erst einmal kapiert hat, könnte man schreien. Nicht schon genug, dass wir uns aus dem Paradies hinausmanövriert haben, jetzt kommen wir auch nicht wieder hinein. Aber ganz so schlimm ist es zum Glück doch nicht, vorausgesetzt, dass wir die instinktive Rohkosternährung anwenden. Der Instinkt kann auch die Entgiftung in einer für den Körper am nützlichsten Weise steuern. Es werden die jeweils geeignetsten Produkte ausgewählt, mit denen der Körper die im Moment mögliche Arbeit leisten kann, ohne sich dabei in irgendwelche größeren Probleme zu bringen. Die Entgiftung läuft mit instinktiver Rohkost also schrittweise und gesteuert ab. Und eines Tages werden dann auch die besonders ursprünglichen Früchte wieder mit größtem Genuss an die Reihe kommen. Doch für die überlasteten Menschen, und das sind ja praktisch alle, brachte dieser Umstand eine fatale Folge mit sich. Die ursprünglichen Sorten wurden in vielen Teilen der Welt vergessen oder verloren, sie wurden uninteressant, da sie offenbar unangenehme Geschmackscharakteristiken hatten, und es konnten sich immer mehr die weniger kraftvollen und manipulierten Sorten etablieren, weil diese ja nicht solche starken Reaktionen bewirkten.
 
Allein das Erreichen der instinktiven Sperre wird mit einer ursprünglichen Frucht ein deutliches Zeichen, meistens ein Brennen im Mundbereich auslösen. Wenn aber schon vorher eine Überlastung besteht, die damit nur noch verschlimmert werden würde, so wird diese Sorte von vornherein in der subjektiven Wahrnehmung unattraktiv erscheinen, da ja mit naturbelassenen Produkten die instinktiven Mechanismen funktionieren. Wenn dann noch hinzukommt, dass diese Sorte eine zu starke Entgiftung auslösen würde, die der Körper momentan nicht zu bewältigen vermag, dann erscheint diese Frucht noch unangenehmer. Dabei könnte genau dieselbe Frucht den größten Genuss bereiten, würde sich alles in unbelasteten natürlichen Bahnen bewegen.

Aus der Unkenntnis dieser Zusammenhänge heraus entstand die gezielte Züchtung bestimmter Sorten, um scheinbare unangenehme Eigenschaften zu vermeiden oder zu beseitigen. Und aus der gleichen Unkenntnis heraus versucht man auch heute, bestimmte Charakteristiken mancher Obstsorten einfach wegzuzüchten, ohne zu ahnen, dass nicht diese Früchte falsch sind, sondern dass an unserer bisherigen Ernährung etwas falsch ist.
Wer schon einmal in Südostasien war und dort die Bekanntschaft mit einer Durian machte, der wird als normal überlasteter Durchschnittseuropäer zumeist davon berichten, dass diese Frucht fürchterlich stinkt und entsetzlich schmeckt. Diese Wahrnehmung hat der Durian auch den Beinamen Stinkfrucht eingebracht. Manche Leute sprechen sogar davon, dass sie ihnen wie eine Mischung aus Terpentin und Kloake mit altem Käse vorkommt. Ja, es soll sogar schon Flugzeuge gegeben haben, die außerplanmäßig früher landen mussten, weil jemand eine solche Frucht mit im Handgepäck hatte und Passagiere wie Besatzung es vor Gestank nicht mehr aushalten konnten. Das Personal beim einchecken versteht auch überhaupt keinen Spaß, wenn jemand eine Durian mit an Bord nehmen möchte. Dabei gehört die Durian zu den mit Abstand ursprünglichsten, nahrhaftesten und auch delikatesten Früchten der Erde. Ein richtiger Böller also. Sogar Tiger sollen gelegentlich Durian fressen. Auch Affen und Elefanten sind verrückt danach.

Als ich meine erste Durian probierte, da dachte ich auch, oh je, was habe ich denn da nur gekauft. Das hätte ich mir wirklich ersparen können. Damals war ich schon einige Monate Rohköstler, also nicht mehr so sehr überlastet. Bei der zweiten Probe war es aber schon anders, es schmeckte zunehmend interessanter. Und bei der dritten Probe war ich hin und weg vor Begeisterung, und ich hätte darauf geschworen, noch niemals zuvor in meinem Leben etwas so Köstliches gegessen zu haben. Nicht anders geht es den meisten anderen Rohköstlern. Viele berichten, dass ihnen die Durian bei der zweiten Probe wie Zwiebelkuchen schmeckt, was ja auch schon mal nicht schlecht ist. Und ab der dritten oder vierten Probe sind sie meistens regelrecht närrisch danach. Dann übertrifft der Geschmack der Durian in der Tat die köstlichste Konditorcreme, die man sich vorstellen kann. Es ist ein wahrer Superlativ aus der Konditorei der Natur. Es ist nicht nur ein einziger Geschmack. Es ist wie die Verdichtung von vielen wundervollen Geschmäcken. Dazu auch noch diese wunderbare buttrig-cremige Konsistenz. Es ist ein wahrer Geschmacksorgasmus.

Aber Vorsicht! Diese Frucht kann man sich nicht erzwingen. Ich kenne eine Frau, die bekam einen dicken Hals und sogar richtig Atemnot, als sie mit Macht Durian essen wollte. Und es soll sogar schon Todesfälle gegeben haben, weil nach der Durianmahlzeit reichlich Alkohol getrunken wurde, was man unbedingt vermeiden sollte. Mindestens heftige Verdauungsprobleme können in Verbindung mit Alkohol die Folge sein, während sonst derlei nicht auftritt. Vielmehr hat man normalerweise ein länger anhaltendes zufriedenes und gesättigtes Gefühl im Körper.

Die Cempedak gehört ebenfalls zu den besonders ursprünglichen Früchten, die vielen überlasteten Menschen zunächst eher stinkt. Doch mit dem allmählichen Abbau der Überlastung ändern sich auch hier sowohl der subjektiv empfundene Geruch als auch der Geschmack gewaltig.
Bei den ersten Kontakten mit solchen Urfrüchten, die auch mit kleinen Geschmacksproben erfolgen können, bekommt der Körper die Information, dass es solche Baustoffe noch gibt. Danach stellt er sich darauf ein, die damit mögliche Arbeit zu leisten. Als Dankeschön erhalten wir wunderbare Genusserlebnisse geschenkt. Wenn aber Normalköstler z.B. Durian probieren, kann es sehr lange dauern, mitunter Jahre, bis sie an diese heran kommen.

Als ich das erste Mal länger in Thailand war, habe ich einen ganzen Monat lang hintereinander jeden Abend nur Durian gegessen. Und es war jeden Abend einfach göttlich. Wer so etwas mit einer gekochten Speise versucht und jeden Tag den gleichen Brei vorgesetzt bekommt, der wird wahrscheinlich schon nach drei Tagen ein langes Gesicht machen. Aber mit der instinktiven Rohkosternährung ist es möglich, dass man manchmal längere Zeit eine bestimmte Sorte ausschließlich bevorzugt und manchmal wechselt es sehr viel schneller, schon von einem Tag auf den anderen.

Einmal, als ich in Vietnam im Mekong-Delta unterwegs war, kam ich durch eine recht entlegene Gegend und ging einen Pfad durch den Dschungel. Plötzlich nahm ich an einer Lichtung einen wunderbaren Geruch wahr. Etwas wie süße Zitrusbonbons schien in der Luft zu liegen. Ich ging diesem Geruch nach und fand dreißig Meter weiter einen Baum mit Jackfrüchten. Das muss man sich einmal vorstellen, wie genau der Instinkt funktioniert. Schon aus weiter Entfernung kann man eine Frucht als angenehm duftend empfinden, wenn der Körper dafür im Augenblick einen Bedarf hat. Wenn er aber keinen Bedarf hat, dann kann es sogar sein, man hält seine Nase unmittelbar darüber und man riecht trotzdem absolut nichts oder vielleicht auch etwas Unangenehmes. Nicht weit von diesem Jackfruchtbaum war auch eine Hütte. Ich ging zu den Leuten, die dort wohnten, und kaufte ihnen eine dieser Riesenfrüchte ab, zog mein Messer aus der Tasche und hatte ein wundervolles Festmahl mitten im Dschungel. Weil ich auch noch durstig war, leerte ich zuvor zwei Trinkkokosnüsse. Die Jackfrucht hatte ein Gewicht von etwa 15 Kilogramm, so dass meine zwei Begleiter und ich noch mehrere Tage davon essen konnten.

Ein anderes, auch sehr interessantes Erlebnis hatte ich mit einer ursprünglichen Bananensorte, die ich ebenfalls in Vietnam fand. Eine Sorte mit vielen weichen Kernen, die man mitessen kann. Diese Kerne in Verbindung mit dem bananigen Fleisch wirken geschmacklich wie Bananenmüsli. Ich war hoch begeistert, als ich diese Sorte fand und begann, sie an Ort und Stelle zu verzehren. Aber die Marktfrauen gaben mir eindringlich zu verstehen, dass man diese angeblich nicht roh essen kann, da dies zu Bauchschmerzen und Durchfall führe. Diese Warnungen wiederholten sich auch noch an allen anderen Orten, wo ich diese Sorte später kaufte.

Als ich aber, die Warnungen missachtend, jene Bananen dennoch weiteraß, haben die Marktfrauen sicher gedacht, dass ich in den nächsten Tagen die Wirkung schon merken würde. Doch die prophezeiten Symptome blieben bei mir vollständig aus. Was hatte es also mit den merkwürdigen Durchfällen auf sich, die sonst in Verbindung mit dieser besonderen Bananensorte auftraten?

Wer über die Erfahrungen der instinktiven Rohkosternährung verfügt und diese schon einige Zeitlang praktiziert hat, versteht sofort die Hintergründe. Durch diese Bananensorte kann es in der Tat bei vielen Menschen, die sich gekocht ernähren, zu Durchfällen kommen, was aber nicht eine Krankheit, sondern eine starke Entgiftung des Körpers bedeutet. So wie überhaupt viele Entgiftungen des Körpers meistens als Krankheiten fehl gedeutet werden. Jene Bananen führten also roh verzehrt wegen ihrer Ursprünglichkeit ganz einfach zu starken Entgiftungen in Form von Durchfällen. Und sie wären schon lange von den Märkten verschwunden, wenn die Leute sie nicht gekocht verwenden würden.
So bleiben uns also die größten paradiesischen Köstlichkeiten unerschlossen, solange die Überlastungen bestehen, also solange wir denaturierte Produkte essen. Das betrifft nicht nur die genannten Sorten, sondern noch sehr viele andere. Und so bleiben uns selbst bei jenen Sorten, die wir essen können, die eigentlich möglichen tiefen Genusserlebnisse verborgen. Damit konnten immer mehr die manipulierten Sorten den Markt erobern, und damit wurden viele ursprüngliche Sorten vergessen oder ganz verloren.

Als ich mich einmal mit einer Reisegruppe in Thailand aufhielt, schwärmten einige Mitglieder der Gruppe, die Rohköstler waren unter anderem von den köstlichen Papayas. Ein Mann aber, der kein Rohköstler war, erklärte, dass diese Papayas sehr unangenehm und streng nach Medizin schmecken würden. Nun, hätte es sich hierbei um Supermarktfrüchte gehandelt, dann hätte man eine chemische Behandlung befürchten müssen. Doch jene Früchte stammten aus absolut unbehandelten und sicheren Quellen. Sie wuchsen teilweise sogar unmittelbar neben unseren Unterkünften. Außerdem hätten die langjährigen Rohköstler viel eher chemische Rückstände bemerkt als andere. Doch denen schmeckten die Papayas wie gesagt sehr köstlich. Was hatte es also damit auf sich, dass für jenen Herrn diese Papayas nach Medizin schmeckten?
Die Antwort darauf ist eigentlich sehr einfach. Diese hochwertigen Papayas hätten bei ihm zu einer starken Entgiftung der jahrzehntelang geschluckten Medikamente geführt, was sich bei ihm sogar schon geschmacklich mit den ersten Proben ankündigte. Denn wie sich auf Nachfrage bestätigte, gab es in seinem Leben mehrere längere Zeitabschnitte, während der er täglich Medikamente eingenommen hatte.

Zusammenfassend können wir also drei wesentliche Gründe feststellen, die unsere Geschmackswahrnehmung bei natürlichen Produkten vermindert:

1. Die bestehende Überlastung soll nicht noch verschlimmert werden. Der Instinkt funktioniert mit natürlichen Produkten und kann diese zurückweisen oder als unattraktiv erscheinen lassen, solange eine Überlastung noch nicht abgebaut ist.

2. Die Manipulation der natürlichen Sorten. Dadurch werden auch die vitalen Essenzen immer schwächer oder wesentliche Inhaltsstoffe gehen sogar ganz verloren. Das hat zudem zur Folge, dass die instinktiven Sperren - wie Brennen auf der Zunge oder an den Lippen - viel schwächer in Erscheinung treten, was als eine höhere Qualität der Produkte verkannt wird, doch in Wirklichkeit das ganze Gegenteil davon ist.

3. Die Entgiftungen, die besonders die ursprünglichen Produkte auslösen würden, wären zu stark für den Körper, so dass er momentan nicht bereit dazu ist. Um sich selbst vor zu vielen Depotgiften im Kreislauf zu schützen, muss der Körper dann ausgerechnet die ursprünglichsten Sorten, die er eigentlich am nötigsten hätte, zurückweisen, also unattraktiv oder unangenehm erscheinen lassen.

Es gibt Menschen, die sind so sehr überlastet, dass sie bei manchen Obstsorten sofort ein starkes Brennen auf der Zunge oder sogar Blasen an den Lippen bekommen oder auch andere allergische Reaktionen. Und es ist ihnen unmöglich, diese Früchte hinunterzuschlucken. Insbesondere bei älteren oder sehr dicken Menschen kommt es manchmal sogar vor, dass sie nur sehr wenig oder überhaupt kein Obst essen können. Sie müssen sich bei einer Ernährungsumstellung zur Rohkost zunächst langsam mit Gemüse herantasten, da dieses eine weniger stark entgiftende Wirkung als Obst hat. Aber selbst wenn man nicht so starke ablehnende Symptome zeigt, führt die denaturierte Ernährung immer dazu, dass die eigentlich möglichen paradiesischen Genüsse nicht oder nur noch in einem viel geringeren Maße wahrgenommen werden. Diese Zusammenhänge werden aber ohne die Erfahrungen mit der instinktiven Rohkosternährung nicht erkannt und deren Ursachen ohne eine entsprechende konsequente Ernährungsumstellung nicht beseitigt. So bleibt man sogar mitten im Paradies aus dem Paradies ausgeschlossen.

 

Einige Beispiele für instinktive Sperren und veränderte Wahrnehmungen -- Kapitel 27

Wie bereits an früheren Stellen erwähnt, kann es gegenüber naturbelassenen Produkten gleich von vornherein eine Sperre oder Ablehnung geben oder sie erscheinen uns einfach nicht verlockend, so dass sie für unsere persönliche Ernährung mindestens im Augenblick nicht in Frage kommen. Bei jenen Sorten, die verlockend sind, tritt dann die instinktive Sperre beim Essen genau in dem Augenblick ein, wenn der körperliche Bedarf gedeckt ist, oder, noch anders formuliert, wenn ein weiterer Verzehr der betreffenden Sorte den Bedarf überschreiten würde. Das hätte dann keinerlei Nutzen mehr für den Körper und würde diesen nicht nur überlasten, sondern auch schädigen können. Diese Zeichen, die sich meistens im Mundbereich z.B. durch ein Brennen äußern, sind am deutlichsten mit den ursprünglichen Sorten festzustellen. Es kann sogar sein, dass es absolut unmöglich wird, eine solche Sorte noch weiter zu essen. Aber bis an diese äußerste Grenze sollte man nicht unbedingt gehen. Besser ist es, schon in dem Augenblick aufzuhören, wenn der Genuss merklich nachlässt oder die ersten Anzeichen der Sperre spürbar werden. Bereits eine deutliche Genussverminderung muss als instinktive Sperre angesehen werden.

Während sich bei vielen Produkten die instinktive Sperre durch ein Brennen auf den Lippen, auf der Zunge oder am Gaumen äußert, kommt es manchmal zu einem Kratzen im Rachen oder auch dazu, dass man ein pelziges Gefühl im Mund empfindet. Letzteres vor allem dann, wenn die Früchte noch nicht ausgereift sind. Eine besonders interessante und heftige Sperre erlebte ich ein paar Mal, als ich nach der bereits beendeten Mahlzeit noch einmal mit dem Essen fortfahren wollte, obwohl ich inzwischen offenbar überhaupt keinen Bedarf mehr hatte. Dabei traten plötzlich stechende Schmerzen in meinen Kiefergelenken auf, die es mir kaum noch ermöglichten zu kauen.

Wenn im Körper ein Völlegefühl spürbar wird, so ist auch das eine Sperre, allerdings schon die letzte. Doch so weit sollte es in der Regel gar nicht kommen. Es ist dann eher als ein Alarmsignal zu bewerten. Bei der instinktiven Rohkosternährung spürt man den Magen normalerweise gar nicht. Kommt es dennoch dazu, dass sich im Mund keine deutliche Sperre zeigt, die uns am Weiteressen hindert, bedeutet das selbstverständlich nicht, dass nun der Völlerei doch wieder Tür und Tor geöffnet wäre. Mindestens das Absinken des Genussniveaus ist ein deutliches instinktives Zeichen des Körpers, an dem man bemerken kann, dass es nun langsam genug ist.
 
Die Ursachen für verminderte Anzeichen einer instinktiven Sperre können sehr verschieden sein. Dies kann in einer züchterischen Manipulation der betreffenden Sorte liegen oder es kann auch darauf hindeuten, dass das Produkt z.B. hitzebehandelt wurde. Es ist also immer Vorsicht geboten, wenn die Produkte nicht aus bekannten oder sicheren Quellen stammen. Aber es gibt auch Sorten, die selbst im weitgehend ursprünglichen und naturbelassenen Zustand nicht unbedingt immer sehr starke Merkmale instinktiver Sperren zeigen. Dennoch funktionieren diese Mechanismen auch mit solchen Produkten sehr präzise, was im manipulierten Zustand jedoch ganz und gar nicht mehr der Fall ist. Und dann spielen natürlich auch noch die eigenen Bedürfnisse eine große Rolle. Es ergibt sich also eine ganze Skala von individuellen Eindrücken und Erfahrungen, die von relativ milden Sperren bis zu plötzlich auftretenden, sehr heftigen Reaktionen reichen können und die in jedem Fall beachtet werden sollten.

Bei einem paradiesischen Büffet, bei dem es u.a. auch mehrere ursprüngliche Bananensorten gab, verfolgte ich einmal, wie ein Mann spontan erklärte, er habe noch niemals in seinem Leben solch köstliche Bananen gegessen. Schon nach wenigen dieser kleinen Bananen war er vollkommen zufrieden und gesättigt. Dieser Mann war bereits über siebzig. Mit solchen Bananen und mit einer solchen Zufriedenheit kommt man normalerweise gar nicht auf die Idee, sich immer weitere hineinzustopfen. Es muss also keineswegs immer erst zu extrem brennenden Zungen oder Lippen kommen. Auch wenn man ein angenehmes Gefühl der Befriedigung bereits ohne Sperre verspürt, so gibt es auch dann keinen Grund mehr weiter zu essen.
Eine junge Mutter erlebte dagegen, wie sie eine besonders wilde Sorte Avocado einfach nicht essen und hinunterschlucken konnte und schon glaubte, dass damit etwas nicht in Ordnung sei. Doch als ihre eineinhalbjährige Tochter hinzukam und genau dieselbe Avocado probierte, verzehrte sie diese sogleich mit einem sichtbaren Hochgenuss, der über jeden Zweifel erhaben war.

Häufig habe ich im Zusammenhang mit Sapotillen erfahren, dass Probanden, die das erste Mal diese tropischen Früchte essen wollten, unangenehme Erfahrungen machten. Diese gingen soweit, dass sie nicht nur einen stark pelzigen Geschmack spürten, sondern dass die abgebissenen Stücke geradezu im Halse stecken zu bleiben drohten. Der Grund dafür ist einfach der, dass sie versuchten, noch nicht ausgereifte Sapotillen zu essen. Im voll ausgereiften Zustand sind Sapotillen sehr weich, wunderbar süß und herrlich schmelzend. Eine echte Delikatesse. Doch im noch nicht ausgereiften Zustand sind sie dagegen fest und pelzig. Die ideale Reife kann sich bei diesen Früchten innerhalb von 1-2 Tagen einstellen. Versucht man ihnen aber vor dieser Zeit unseren Willen aufzuzwingen, dann geht das bei solchen Früchten mit Sicherheit schief.

Einem Tier braucht man nicht zu erklären, ob eine Frucht reif oder unreif ist und ob es diese Frucht verzehren kann, selbst wenn es diese noch nie zuvor gesehen hat. Es spürt dies einfach mit seinem Instinkt. Wir zivilisierten Menschen haben aber damit unsere Probleme. Wir sind so sehr darauf aus, unserer Nahrung immer wieder durch starre Behauptungen unseren Willen aufzustempeln - was uns ja auch im denaturierten System bestens gelingt -, so dass wir die instinktiven Zeichen beim Verzehr naturbelassener Produkte übergehen oder, falls dies nicht möglich ist, eine solche ursprüngliche Frucht auf immer und ewig für schlecht und unbrauchbar erklären. Und jene Sorten, bei denen diese Merkmale durch die Manipulationen verloren gingen oder sogar gezielt weggezüchtet wurden, gelten dann als die besseren Qualitäten.

Wenn ich Kulturfrüchte esse, dann merke ich meistens nur schwach die instinktive Sperre. Besonders schwach ist es z.B. bei Kirschen. Wenn ich dagegen einen Kirschbaum finde, der nicht veredelt wurde und der noch die sehr viel kleineren wilderen Früchte trägt, dann spüre ich die instinktive Sperre viel deutlicher und früher. Sie äußert sich bei mir in diesem Fall als ein leichtes Brennen im Rachen.
 
Bei Zitronen wiederum ist die instinktive Sperre für die meisten von uns immer sehr deutlich festzustellen. Allein der Gedanke daran, eine ganze Zitrone zu verzehren, dürfte bei nicht wenigen Leuten dazu führen, dass sich sämtliche Poren zusammenziehen. Da Zitronen immer schon mehr als Würzmittel verwendet und weniger als Früchte verzehrt wurden, hat man ihnen auch noch nicht die starke Säure weggezüchtet, was andernfalls sicher schon längst geschehen wäre. Aber wenn mein Körper einen Bedarf an Zitronen hat, was selten vorkommt, dann ist es ohne weiteres möglich, dass ich sechs oder acht Zitronen bei einer Mahlzeit esse und dabei den größten Genuss empfinde. Während andere Personen, oder auch ich selbst an anderen Tagen, von den gleichen Zitronen kaum ein einziges Stück hinunterbringen könnten.
 
Interessant wurden auch die Erfahrungen mit Wassermelonen. Davon gibt es inzwischen Sorten, bei denen bekanntlich sogar die Kerne weggezüchtet wurden. Dieses Merkmal wird ebenfalls als eine höhere Qualität angepriesen. Als ich mich selbst noch denaturiert ernährte, fand ich die vielen Kerne in den Wassermelonen auch ein bisschen lästig. Das geht den meisten Kochköstlern ganz ähnlich. Die kernlose Sorte wird als eine bessere empfunden. Doch seit ich mich für die Rohkosternährung entschied, änderte sich auch diese Wahrnehmung grundlegend. Seitdem achte ich darauf, nur die Sorte mit den Kernen zu kaufen. Die gleichen Kerne, die ich früher immer als unangenehm empfand und auszusondern versuchte, esse ich nun fast alle mit. Ich empfinde sie wie Mandelsplitter und das ist köstlich.
 
Noch ein letztes Beispiel, die Longans aus Vietnam. Das sind Früchte, die ich ebenfalls besonders schätze. Sie sind kugelrund und haben einen Durchmesser von etwa zwei bis drei Zentimetern. In ihrem Inneren befindet sich ein großer Kern, der über die Hälfte der Frucht ausmacht und um diesen herum ein Fleisch, welches süffig geleeartig ist und noch dazu mit einem himmlisch süßen und unverwechselbaren Aroma. Sie dürften zweifellos zu den süßesten Früchten der Erde gehören. Ihr Geschmack hat eine besondere Tiefe. Auch andere Rohköstler hörte ich schon davon schwärmen. Niemand von ihnen störte sich daran, dass die Kerne so groß waren. Wichtig allein war der ausgezeichnete und intensive Geschmack des Fruchtfleisches. Außerdem sind große Kerne zumeist auch ein untrügliches Zeichen für eine hohe Ursprünglichkeit. Einmal gab ich aber einem Freund, der sich herkömmlich, also denaturiert, ernährt, ein halbes Kilogramm von diesen Longans. Ich dachte wieder einmal, auch er müsste doch unweigerlich bei diesen Delikatessen ins Schwärmen kommen. Aber weit gefehlt. Er schimpfte sogar regelrecht über diese Früchte. Die Kerne wären ihm viel zu groß, das Fleisch zu schwabbelig und zu dünn, und die Süße empfand er als unangenehm und lästig. Beispiele wie dieses könnte ich noch seitenlang fortsetzen.

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