Rohkost, Sport und körperliche Leistungen -- Kapitel 41

Rohkost Buch
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Ich höre noch den Satz eines Verwandten im Ohr, der mir zu Beginn meiner Rohkosternährung erklärte: „Wer schwer arbeitet, der kann von einer solchen Ernährung aber sicher nicht leben.“ Doch das ist leider wieder mal ein weit verbreiteter Irrtum. Ein Märchen, das sich durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht und das selbst Lehrer und Professoren hartnäckig verkünden. Obwohl es von jenen, die es behaupten, niemals konsequent selber ausprobiert wurde. Aber eigentlich müssten wir doch sehr schnell zu der Überlegung kommen, dass in jenen Behauptungen etwas nicht ganz stimmen kann. Sämtliche denaturierten Nahrungsmittel sind ja irgendwann auch einmal Naturprodukte gewesen. Das gebackene Brot war rohes Getreide, das gekochte Gemüse war roh, das gebratene Fleisch war roh usw. Und nachdem wir heute eindeutig wissen, dass die Naturprodukte durch das Kochen eine Menge wichtiger Inhaltsstoffe verlieren - es ist noch niemals beobachtet worden, dass dabei welche hinzugewonnen wurden -, müssten wir doch schon aus diesem Hintergrund heraus fragen, wie es funktionieren soll, dass die gekochten und um ihrer vitalen Inhaltsstoffe drastisch beraubten Speisen einen höheren Nährwert haben sollen als ihre rohen Ausgangsprodukte?

Wer also glauben sollte, mit dieser Ernährung wäre man zu geringeren körperlichen Leistungen fähig, der irrt sich gewaltig. Das Gegenteil ist der Fall. Und die Liste wäre lang, wenn ich alle allein mir bekannten Beispiele aufzählen würde. So beschränke ich mich hier auf ein paar Fälle.
Ich bin in den letzten Jahren öfter mit kleinen, von mir geleiteten Reisegruppen in verschiedene tropische Länder gereist. Zu den Teilnehmern gehörten häufig Rohköstler, aber es waren auch Kochköstler darunter. Wir sind während dieser Reisen oft in der Natur unterwegs gewesen, bestiegen manchmal Berge oder gingen auch in den Urwald. Mit ständiger Regelmäßigkeit konnte ich beobachten, dass die Rohköstler zumeist eine größere Kondition besitzen als die sich gekocht ernährenden Teilnehmer. So hatte ich z.B. einmal einen älteren Herrn von 71 Jahren bei einer Thailandreise dabei, der sich schon seit Jahrzehnten nur von Rohkost ernährte. Er stieg einen steilen Bergweg zu einem Aussichtspunkt leichtfüßig wie ein Dreißigjähriger hinauf, wo manche sich gekocht ernährenden Leute, die nur halb so alt wie er waren, auf halber Strecke erschöpft aufgaben. Zwei Jahre später war er wieder bei einer anderen Reise dabei, diesmal nach Bali. Dabei stand auch die Besteigung des Vulkans Mt. Batur mit auf dem Programm. Er sollte auch diese Anstrengung ohne jedes Problem meistern. Die Besteigung und der Abstieg dauern insgesamt etwa sechs Stunden.

Ein anderes Beispiel. In der Nähe eines großen Campingplatzes, wo auch ein mir bekannter Rohköstler sein Sommerdomizil hat, sollte ein Marathonlauf veranstaltet werden. Auch jener Rohköstler wurde gefragt, ob er nicht Lust hätte, daran teilzunehmen. Obwohl er mit derartigen Langläufen bisher nicht viel im Sinn hatte, willigte er aus Spaß an der Sache ein. Nun muss man aber wissen, dass zu der Gruppe auch trainierte Läufer und Leistungssportler gehörten, die sich schon lange auf diesen Lauf vorbereitet hatten. Wie groß aber war die allgemeine Verwunderung, als jener Rohköstler als erster durch das Ziel lief und noch einige Minuten früher, bevor die anderen in Sicht kamen.

Noch ein drittes Beispiel. Ein Mann aus Thüringen, ebenfalls Rohköstler, hatte sich bei einem Fahrradunfall einen Schädelbruch mit starker Gehirnerschütterung und Gehirnblutung zugezogen und dazu auch noch das Schlüsselbein gebrochen. Die Ärzte hatten seiner Frau gegenüber unmittelbar nach dem Unfall zunächst keine Hoffnungen ausgesprochen. Doch schon einen Monat später wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Bei dem Schlüsselbein, das genagelt werden musste, konnte schon nach drei Wochen der Nagel entfernt werden. Gut ein Jahr später wagte es dieser Mann das erste Mal in seinem Leben an einem 100-km-Lauf teilzunehmen. Er erreichte das Ziel und sollte diesen Lauf gut überstehen. Bleibt anzumerken, wie alt jener Rohköstler damals schon war. Er war bereits 69 Jahre.

Es ist also eindeutig. Mit Rohkosternährung ist man nicht etwa zu geringeren, sondern zu weit größeren körperlichen Leistungen fähig. Aber man sollte nicht etwa glauben, dass sich nun auf diese Weise neue Leistungssportler mit neuen Rekordmarken herausbilden lassen. Die Rohkosternährung bringt auch noch einen anderen wichtigen Umstand mit sich. Das Nervensystem wird nicht mehr überreizt, und man wird viel ausgeglichener und klarer. Das hat unter anderem auch zur Folge, dass man keinen Sinn mehr darin erkennt, warum man denn nun unbedingt eine Zehntelsekunde schneller sein sollte als ein anderer, und warum man dafür zwanghaft trainieren und auch noch seine Gesundheit aufs Spiel setzen sollte.

Besonders interessant fand ich selbst, dass ich gerade in den Phasen der Gewichtszunahmen - als sich mein Körper wieder auf das Normalgewicht einpendelte - wieder Lust bekam, mich sportlich zu bewegen. Kein Leistungssport, wie gesagt, aber hin und wieder ein gemäßigter Waldlauf und manchmal auch morgens einige Übungen. Es schien geradezu, als ob das neue Muskelfleisch regelrecht nach einer adäquaten Bewegung verlangte.

Die Natur in vollen Zügen einatmen, sich an einem vorstehenden Ast hinauf schwingen oder auf einen Obstbaum klettern, sich ins Moos fallen lassen, an den Bäumen hinauf zu den Wolken schauen, wieder aufstehen und weiterlaufen, auf dem Weg spontan ein Rad schlagen, mit dem Fahrrad gemächlich durch die Landschaft fahren, in einen See schwimmen gehen, dies alles macht mir, bei Lust und Laune, große Freude.

Aus Lebensfreude also, aus Spiel, Spaß und Belustigung werden gemäßigte sportliche Aktivitäten auch von Rohköstlern gerne begrüßt, besonders, wenn sie im direkten Kontakt mit der Natur stehen. In diesem Sinne ist es auch sehr zu empfehlen, vor allem, wenn sonst keine körperlichen Betätigungen bestehen. Mitunter wird es auch für den einen oder anderen von Interesse und Vergnügen sein, einmal die eigene Leistungsfähigkeit kennen zu lernen und die eigenen Grenzen auszuloten wie bei dem 100-km-Läufer. Aber jeglicher Zwang und jegliche permanente Überbelastung hat mit der Rohkosternährung keine Zukunft. Und das ist auch gut so.

Allerdings sollten Rohköstler auch nicht so vermessen sein und glauben, auf Grund ihrer gesunden Ernährung bräuchten sie gar nichts mehr weiter zu tun. Dies könnte sich als folgenschwerer Irrtum herausstellen. Besonders wichtig ist es aber, egal, ob man Fitness oder Yoga oder was auch immer macht, dass man sich von wirklich erfahrenen Menschen beraten lässt. Viel zu oft werden durch falsche Übungen und falsche Körperbelastungen überflüssigerweise Schäden verursacht, obwohl man doch seinem Körper etwas Gutes tun wollte.

 

Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Rohkosternährung -- Kapitel 48

In Gesprächen oder bei ersten Reaktionen über die Rohkosternährung machte ich immer wieder die Erfahrung, dass die meisten Menschen eigentlich ziemlich genau spüren, welche Ernährung die richtige ist. So wurde ich von manchen mitunter gefragt, ob ich denn einhundert Jahre alt werden möchte. Oder andere reagierten in dem Sinne, dass sie erklärten, lieber auf ein paar Lebensjahre als auf die vermeintlichen Genüsse verzichten zu wollen. Vor allem spontan und ganz am Anfang dieser Gespräche habe ich solche oder ähnliche Bemerkungen schon häufiger gehört, die eindeutig Rückschlüsse über ein vorhandenes, aber verborgenes Wissen um die Richtigkeit dieser natürlichen Ernährung zulassen. Im weiteren Verlauf steigen dann aber meistens schnell die vielen Vorurteile und die stereotypen, oder auch verschachtelten Denkmuster auf, die rechtfertigen sollen, warum man diese Ernährungsweise doch nicht anwenden oder anerkennen möchte, jedenfalls nicht in einer konsequenten Weise. Es ist ein ganzer Bulldozer, der sich dann mitunter rasch in Bewegung setzt und alles andere platt walzt. Da ich aber weiß, welche Bedeutung und tiefere Herkunft spontane Gedanken bzw. Impulse aus dem Inneren haben können, finde ich es hochinteressant, dass viele Menschen die Richtigkeit dieser natürlichen Ernährung spüren. Und ich finde es ebenso hochinteressant, wie diese Wahrheit und dieses uralte Wissen praktisch in allen Menschen tief gespeichert und vorhanden ist, auch wenn sie sich vordergründig vielleicht mit Vehemenz dagegen auflehnen.

Doch niemand, der die Rohkosternährung korrekt und konsequent betreibt, wird einen wirklichen Nachteil dabei haben, sondern nur Vorteile für sein Leben. Nicht Verlust ist die Folge, sondern ein enormer Hinzugewinn. Aber diese Erfahrung fehlt den Menschen, die sich denaturiert ernähren. Auch wenn sie nur hin und wieder ein bisschen Rohkost essen, werden sie solche Erfahrungen noch nicht machen. Daher können sich viele einfach nicht vorstellen, dass mit der instinktiven Rohkosternährung eine Steigerung ihrer Lebensqualität und ihres Genussempfindens möglich wäre.
 
Aber da spielen auch noch eine Reihe anderer gewichtiger Gründe mit, warum hartnäckig an der alten Ernährung festgehalten wird, insbesondere aus dem psychischen Sektor. Das Mutterbild, welches unbewusst unsere Verhaltensweisen lenkt, wurde schon erwähnt, der Behauptungszustand auch und ebenso die alten Spurrillen, in die wir immer wieder automatisch hineingelangen. Aber das ist noch lange nicht alles.

Ein Verwandter von mir, der sein Leben lang hart als selbstständiger Bäcker gearbeitet hat, hatte sich als Lohn für diese Arbeit immer schon gutes und teures Essen und Trinken geleistet. So stand z.B. fast jeden Abend eine teure Flasche Sekt bei ihm mit auf dem Tisch. Und viele Gerichte wurden grundsätzlich mit Sahne zubereitet. Ich höre noch, wie er im Alter von etwa fünfzig Jahren sagte: das Schlimmste für ihn wäre, einmal Diabetes zu bekommen. Mit Anfang sechzig war er dann bereits mehrere Jahre Diabetiker und hatte in den zurückliegenden Jahren einige Krankenhausaufenthalte und zwei Operationen hinter sich. Mit Mitte sechzig erlitt er seinen ersten Schlaganfall und saß danach im Rollstuhl. Größere materielle Werte oder Reichtümer hat er in seinem Leben eigentlich nicht angehäuft. Aber er hat immer gut gelebt, wie er meinte. In früheren Gesprächen mit ihm bemerkte ich wiederholt, wie er sein „gutes Leben“ - also gemeint war die üppige und fette Zivilisationsernährung - mit einer besonderen Wertschätzung oder auch Rechtfertigung hervorhob. War es doch das, was ihm der Lohn seiner Entbehrungen und seiner harten Arbeit eingebracht hatte. Er versuchte auch mehrmals, mich wegen meiner Lebensweise anzugreifen und dabei die absurdesten Begründungen zu knüpfen, warum eine Rohkosternährung für die Menschen nicht funktionieren könne. Was sich dahinter verbarg, wurde mir bald schon klar. Für ihn würde sein Lebenswerk und sein Lebenssinn zusammenbrechen, müsste er diese natürliche Ernährung anerkennen. Dagegen wehrte er sich. Und es gibt sicher viele Menschen, denen geht es ganz ähnlich. Inzwischen ist aber sein ganzes Leben zusammengebrochen. Zunächst musste ein Bein amputiert werden, da es wegen der hohen Diabetes nicht mehr durchblutet wurde. Wenige Jahre später ist er verstorben.

Besondere Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Rohkosternährung dürften mitunter in den am besten gebildeten Kreisen unserer Gesellschaft bestehen. Das scheint zunächst ein merkwürdiger Widerspruch zu sein. Gerade sie müssten eben wegen ihrer Intelligenz schnell die Bedeutung dieser Lebensweise erkennen. Aber gerade sie sind es auch, die häufig in ihren eigenen Denkmustern und Schablonen gefangen sind, die sie viele Semester lang eingebläut bekamen und die sie dann auch selbst immer weiter verkündeten und weiterentwickelten. Oder man stelle sich einmal vor, jemand hat seine Doktorarbeit auf Grundlage eines Irrtums geschrieben, oder eine Professur wird überflüssig durch die Erkenntnisse der instinktiven Rohkosternährung. Da werden sich nicht wenige unweigerlich gegen die Rohkosternährung aussprechen und sie einfach nicht wahrhaben wollen, um ihre gut situierte Existenz und ihren gesellschaftlichen Rang nicht in Frage stellen zu lassen. Am schwersten haben es all jene, für die ein ganzes riesiges Gebäude zusammenbricht, wie bei den Medizinern. Sie sind eigentlich fast zu bedauern. Sie haben sich dünkelhaft auf ein hohes Ross geschwungen und finden sich nun eigentlich in einer kolossalen Blamage wieder. Wer will sich das schon gerne freiwillig selbst eingestehen? Dann gibt es noch all jene, die beruflich oder geschäftlich mit denaturierten Produkten stark involviert sind und die schon aus diesem Grunde Widerstände gegen die weitere Verbreitung der Rohkosternährung entwickeln.

Ferner tauchen in den Widerständen auch noch all die Opfer auf, die man erbracht hat oder erbringen musste und die mit den Ersatzbefriedigungen aus der Kochkost und ihren Folgen überlagert oder gekoppelt wurden. Wir Menschen in der Zivilisation müssen täglich 8 - 12 Stunden arbeiten, um unseren Lebensbedarf sicherzustellen, während Naturstämme wie die Tasaday oder die Buschleute in Südafrika allenfalls zwei Stunden dafür brauchten. Uns geht durch unsere denaturierte Lebensweise viel Zeit verloren, das Leben zu genießen. Wir haben auch keine oder nicht genügend Zeit für unsere Kinder. Das macht Schuldgefühle. Doch wir rechtfertigen uns damit, dass wir ja schließlich so viel arbeiten müssen, um uns und unsere Familie versorgen zu können. Auch diverse Abhängigkeiten sind noch mit im Spiel. Schließlich wird eine Abkehr von der Kochkost auch noch als Verrat an der mütterlichen Liebe empfunden. Dass alleine schon angesichts dieser verborgenen Inhalte für nicht wenige Menschen so manche Widerstände oder Ablehnungen unweigerlich aufkommen, ist nur allzu verständlich.

Manche Leute, insbesondere wenn sie die Zusammenhänge dieser Ernährungsweise noch nicht näher kennen, bezeichnen sie mitunter auch als extrem. Aber ist es etwa extrem, dass wir saubere Luft einatmen wollen? Niemand käme auf die Idee, das als solches zu bezeichnen. Doch wenn es darum geht, saubere, natürliche Nahrung zu verzehren, wird dies als extrem angesehen. Es ist leider genau umgedreht. Das denaturierte Ernährungssystem und seine Produkte sind extrem. So extrem, dass wir uns damit an den Rand einer globalen Katastrophe manövriert haben.

Wenn wir davon ausgehen, dass eigentlich alle Menschen das tiefe Wissen der Natur über die richtige Ernährung in ihren Genen und Zellen gespeichert haben und dieses Wissen teilweise sogar spüren, aber sich andererseits gleichzeitig in Situationen befinden, in denen Genuss mit Leid und Krankheit gekoppelt ist - Situationen, denen sie zudem auch nicht zu entkommen vermögen und denen sie sich resignierend und scheinbefriedigt ergeben haben -, dann steigen oftmals unwillkürlich Schuldgefühle, Ängste und Konflikte in ihrem Inneren auf, wenn sie sich einer solchen grundsätzlichen Infragestellung der kulinarischen Normen gegenüber sehen, wie sie die instinktive Rohkosternährung bedeutet. Sie beeilen sich dann nicht selten, einen Schutzwall um sich herum aufzubauen, um ihr altes Wertesystem nur nicht ins Wanken geraten zu lassen.

In einer Gesellschaft und Kultur, in der fast alle - im übertragenen Sinne - am Tropf hängen, projizieren sich gegen jene, die frei herumlaufen oder es zumindest versuchen, bisweilen automatisch Aggressionen. Diese treten meistens verkappt und in Kostümen getarnt auf. Sie werden vorgeschützt, um die eigene Lebensweise zu rechtfertigen, um eigene Interessen nicht zu gefährden und um seine Schwächen zu verschleiern, oder auch, um sich selbst die Augen zuzuhalten. Weil der Glaube und das Vertrauen in die Weisheit und die Kraft der Natur verloren gegangen ist - und weil man sich auch immer wieder mit so viel weniger zufrieden geben musste, als es ein inneres Bedürfnis in uns seit frühester Kindheit spürte -, hält man nun krampfhaft wenigstens an diesem wenigen fest. Wenn man dieses wenige auch noch verlieren würde, das wäre einfach schrecklich. Aber auch dieses wenige ist leider eine Illusion und noch dazu die heimtückischste, die uns je widerfahren konnte. Selbst wenn wir sehr viel Geld anhäufen und in den teuersten Restaurants verkehren, in denen die besten Köche für uns täglich die feinsten Gerichte zubereiten, bleibt es eine Illusion. Auch wenn wir das einfach nicht wahrhaben wollen. Nicht umsonst sind TV-Kochstudios so beliebt bei vielen Menschen. Die Illusion wird gepflegt. Dies um so mehr, wenn die TV-Köche eine gewisse Popularität haben.

Doch wer den Weg der instinktiven Rohkosternährung erst einmal ein Stück weit konsequent und sicher gegangen ist und dabei den tiefen Genuss, die echte Gesundheit, die große Harmonie, die innere Klarheit und Freiheit, die Lebensfreude, die wachsende Sensibilität, die Liebe und Vollkommenheit der Natur, die innere Ruhe, die spirituelle Kraft und die tiefe Weisheit dieses Weges gespürt hat, der dürfte eigentlich mehr und mehr verstehen, um welch großen Schatz es sich dabei handelt. Und der wird vielleicht sogar etwas finden, was er sein Leben lang bisher vergeblich gesucht hat.

 

Rohkosternährung und Öffentlichkeit -- Kapitel 49

Als ich diese Ernährungsweise erst ein paar Monate praktizierte, berichtete ich einigen Freunden voller Begeisterung von diesem wunderbaren Abenteuer. Ich fühlte mich, wie sich vielleicht ein Schiffbrüchiger fühlen muss, der eine sichere und dazu noch paradiesische Insel erreicht hat und der auch seine Gefährten, die noch irgendwo im Wasser herumstrampeln, auf diese Insel aufmerksam machen will oder sie zumindest an der Freude über dieses Abenteuer teilhaben lassen möchte. Aber die Reaktionen, die ich daraufhin von einigen konventionell lebenden Freunden oder Bekannten bekam, waren nicht unbedingt ermutigend und stimmten mich mitunter sehr nachdenklich. So war es öfter der Fall, dass zunächst zwar ein gewisses Interesse bekundet wurde, aber nachdem die weit reichende Konsequenz dieses Weges auch nur aus der Ferne sichtbar wurde, schlug die anfänglich positive Neugier in Ablehnung und starre Meinungsklopferei um. Einige reagierten sofort geharnischt und ablehnend oder auch abwertend. Andere erkannten oder ahnten sehr wohl den großen Nutzen dieses Weges, erklärten sich aber selbst außerstande, diesen zu gehen. Wieder andere, die sich spontan durchaus interessiert zeigten, stellten gleich eine Reihe von Fragen, was aber im Ergebnis häufig ebenfalls mit Ablehnung endete. Eine einzige Antwort in diesem Bereich kann - aus den gegebenen Umständen und Hintergründen heraus - gleich mehrere neue grundsätzliche Fragen aufreißen, die man in der Kürze gar nicht erklären kann. Denn es ist unmöglich, in wenigen Sätzen den globalen kulinarischen Irrtum und seine Folgen zu entwirren. Somit ist es auch unvermeidlich, dass einzelne Teilantworten in den bestehenden riesigen Rucksack der bisherigen Glaubens- oder Irrglaubenssysteme gesteckt werden, aus dem heraus die Dinge betrachtet oder bewertet werden. Und es ist ferner nahezu unmöglich, von jemandem, der das erste Mal von dieser Ernährung hört, eine sofortige Zustimmung erwarten zu dürfen, wenn er sich mit einer solch grundsätzlichen Infragestellung der ganzen Kultur - und womöglich noch mit seiner eigenen Identität - konfrontiert sieht.

Alles, was bislang über Ernährung und Gesundheit von der Allgemeinheit gedacht und vertreten wurde, ist gefärbt mit einem Knäuel aus Stereotypen und Voreingenommenheiten und vermischt mit unzähligen verfälschten Beobachtungen und irrigen Interpretationen. Dass man dort hinein trifft, ergibt sich aus der Sache heraus von selbst. Das hat zwangsläufig nicht selten Ablehnungen oder Unverständnis zur Folge. Vor allem auch dann, wenn es zudem noch an der Bereitschaft mangelt, diesen Rucksack einmal ein bisschen durchlüften zu lassen. Hinzu kommt aber auch noch, dass die Erfahrungen und Erkenntnisse mit der instinktiven Rohkosternährung viele bisherige Ansichten so grundlegend über den Haufen werfen, dass es für manche schon geradezu als eine Zumutung erscheint, auch nur ein Auge ernsthaft darauf zu werfen.

Es macht aber keinen Sinn, seine Energien in fruchtlosen Diskussionen zu verschwenden. Ebenfalls ist es sinnlos, seine Mitmenschen vielleicht zu brüskieren, weil ihnen bestimmte Erfahrungen noch fehlen. Denn wer sich brüskiert sieht, ist noch viel weniger bereit dazu, neue lebensverändernde Erkenntnisse zuzulassen und aufzunehmen. So kommt es also eher darauf an, die Ansätze in seinen Mitmenschen zu fördern, die vielleicht schon bereit und offen für diesen Weg sind, statt jene Seiten in ihnen zu verurteilen, die es noch nicht schaffen. Es kommt darauf an, anderen mit Güte und Bedachtsamkeit statt mit Verurteilung zu begegnen, auch wenn man sieht, dass da etwas sehr im Argen liegt. Dies bedeutet natürlich nicht, dass man die Klarheit dieses Weges selbst verlassen sollte.

So bin ich nach meinen ersten Gesprächserfahrungen über dieses Thema schon bald dazu übergegangen, sehr differenziert und subtil zu entscheiden, ob und wie viel ich jemandem von dieser Ernährungs- und Lebensweise erzähle, und lieber etwas weniger als zuviel zu offenbaren. Ja, es gibt sogar zahlreiche Situationen, in denen ich es von vornherein vermeide, meine Ernährungsweise in ihrer tatsächlichen Konsequenz erkennen zu lassen. Natürlich kam es manchmal auch schon vor, dass ich von anderen konventionell lebenden Menschen daraufhin angesprochen wurde, weil vielleicht bemerkt wurde, dass ich viele Früchte und Gemüse einkaufe oder esse. Wenn ich dann von Personen, die mich und meine Lebensweise noch nicht näher kennen, gefragt werde, ob ich denn Vegetarier bin, dann antworte ich: „Ja, überwiegend, aber nicht ausschließlich.“ Damit habe ich nicht einmal die Unwahrheit gesagt. Doch jene Personen verstehen das dann natürlich ganz anders als es für mich tatsächlich zutrifft, was mir aber in dem Augenblick egal ist. So erschrecken sie wenigstens nicht ganz so sehr, was sich auch immer wieder in einem sich entspannenden Gesichtsausdruck nach dieser Antwort zeigt, und so brauchen sie nicht so starke Widerstände aufzubauen oder sich mit ihren eigenen Schuldgefühlen herumzuplagen. Dass bei dieser Ernährung auch tierische Produkte roh gegessen werden können, ist für konventionelle Ohren als erste Information besonders wenig geeignet. Es ist kaum zu glauben, wie manche Menschen - die wöchentlich mehrmals ihr gebratenes Steak oder Schnitzel usw. verzehren - sich aufplustern können, wenn dies jemand roh isst. Leichter ist es, wenn man darauf hinweist, gelegentlich ein paar Austern zu essen oder etwas rohen Fisch, wie die Japaner beim Sushi. Schließlich kann man aber auch noch ganz nebenbei auf das Carpaccio verweisen. Ein rohes Rindfleischgericht, das es in italienischen Restaurants gibt.

Auch hat es sich in vielen Fällen als günstiger erwiesen, gegenüber seiner Umwelt von einer Kur zu sprechen, die man gerade für einen bestimmten Zeitraum durchführt oder von einem Experiment. Das wird eher akzeptiert als eine Entscheidung mit großer Tragweite. Man kann auch sagen, dass der Arzt einem dazu geraten hat. Dann ist es von den meisten gleich akzeptiert.
 
Wer jedoch gerade außergewöhnliche Produkte in außergewöhnlich großen Mengen verzehrt, wie es in Heilungsphasen vorkommen kann, dem sei ohnehin geraten, dies seiner unvorbereiteten Umwelt lieber nicht zu offenbaren. Man wird sonst noch glatt für verrückt gehalten. Auf konventionell lebende Zivilisationsmenschen kann es ohnehin fast wie ein Schock wirken, einem Menschen zu begegnen, der keine gekochte oder gebackene Nahrung zu sich nimmt, der auf der Wiese oder im Wald Kräuter sammelt und sofort verzehrt, der Kaffee und Cola usw. ablehnt, der ungewaschene Früchte isst und der vornehmlich nur Wasser trinkt.

Wer in eine Gaststätte kommt und nicht alleine bei Wasser dort sitzen will, der kann den Ober auch bitten - mit Hinweis auf eine besondere Diät, die man gerade aus gesundheitlichen Gründen machen muss - eine Schale mit Früchten zusammenzustellen. Diese wird zwar kaum auf der Speisekarte stehen, doch man erklärt sich auch bereit, den Preis wie für ein Menü zu bezahlen. So wird man vielleicht sogar erleben, dass der Ober zum nächsten Geschäft läuft, um dort einige Früchte zu holen. Erfreulich ist, dass das Salatangebot in vielen Restaurants seit einigen Jahren immer besser wird. Die Entwicklung geht nicht rasend schnell, aber sie geht ganz klar in diese gesunde Richtung.

Dennoch wird es Ihnen immer wieder geschehen, dass Sie angesprochen oder sogar verspottet werden, wenn man Sie wiederholt nur mit Salat und Wasser zu Tisch erlebt. Lassen Sie sich aber nicht beunruhigen. Leben Sie das einfach, ohne viel zu diskutieren. Ein großes Selbstverständnis sowie ein starkes Selbstbewusstsein sind auch wichtig, weil das dann ganz anders aufgenommen wird, als wenn man sich vielleicht noch halb dafür entschuldigt, natürlicher als andere zu leben. Aber hin und wieder sind ein paar kleine Konversationstricks oder eine angemessene Zurückhaltung und eine dosierte Offenbarung besser, als seine Umwelt mit dieser Ernährungs- und Lebensweise gleich frontal zu konfrontieren. So wird man auch eine konventionelle Party mit souveränem Auftreten und Fingerspitzengefühl ohne Konversationskonflikte überstehen. Ein paar Impulse ggf. hier und da reichen aus. Sicher, wer mehr wissen will und diesen Weg spürbar sucht, der soll auch mehr erfahren. Die unverfälschten Früchte und Pflanzen der Natur laden alle ein, die wirklichen Sonnenseiten des Lebens zu finden und zu genießen.

Oft ist es auch gut, nur mit Fragen auf die Reaktionen der anderen zu antworten. Zum Beispiel mit: „Warum fragst du?“ Oder man bringt sein gegenüber zum Nachdenken durch eine Gegenfrage. So hat mich einmal ein Herr während einer gemeinsamen Reise angesprochen und meinte, ich würde durch meine vielen Salate, die ich in Restaurants esse, sehr ungesund leben. Denn die sind ja sicherlich nicht aus dem Bioanbau und daher wahrscheinlich gespritzt. Daraufhin fragte ich ihn, aus welchen landwirtschaftlichen Rohstoffen seine Gerichte bestehen, die er verzehrt und ob er wüsste, was damit alles geschehen ist. Es ist absurd, aber viele Menschen realisieren einfach nicht wirklich, dass die Zutaten zu ihrem gekochten Essen nicht erst in der Küche produziert werden und was damit geschehen ist.

Sicherlich würde ich es toll finden, weltweit quasi an jeder Ecke paradiesische Möglichkeiten zu finden. Aber solange dies noch nicht der Fall ist, versuche ich den Weg des Lebens so gut es geht zu gehen.

Ich habe einmal vor Jahren in einer Seminargruppe einen älteren Mann beobachtet, der sich von Rohkost ernährte. Während die Teilnehmer in der Pause ihre mitgebrachten Wurstbrote oder Süßigkeiten verzehrten, aß dieser seine Früchte. Es gab einige, die kannten ihn und seine Ernährungsweise schon von früheren Treffen und sie versuchten, ihn zu bespötteln. Doch er reagierte mit keiner Silbe, aß seine Früchte weiter mit sichtbarem Genuss und lächelte. Drei Monate später begann mein eigener Weg in das spannende Land der Rohkost.

 

Schlusswort Rohkost Buch -- Kapitel 50

Was jetzt, werden Sie sich vielleicht fragen. Wie sollte ich meinen Weg künftig gehen? Vielleicht sind Sie entschlossen, Ihre Lebensweise radikal zu ändern. Vielleicht wollen Sie sich künftig hundertprozentig natürlich ernähren. Seit ich selbst im Jahre 1991 diesen Weg der Rohkost für mich zu erschließen begann, habe ich viele Beobachtungen gemacht. An mir selbst und an anderen. Ich habe sehr viele Jahre konsequent ohne Ausnahmen gelebt, also ohne denaturierte Produkte. Es kamen aber auch wieder Zeiten, in denen ich Ausnahmen zuließ. Viele überzeugte Einsteiger praktizieren die ersten Monate und Jahre die Rohkost-Ernährung sehr konsequent. Später schleichen sich wieder Ausnahmen ein, und manche geben diese Ernährungsform leider wieder ganz auf. Wie aber sollten Sie es selbst nun tun?

Wir kommen alle nicht aus einer paradiesischen Kultur und Gesellschaft. Wir tragen unsere Muster, Verletzungen und Prägungen mit uns. Auch haben wir leider keine perfekte paradiesische Insel griffbereit, auf die wir uns flüchten könnten. Wir müssen mit dem was war und mit dem was ist irgendwie zurechtkommen. Die instinktive Rohkosternährung wird uns dabei sehr helfen. Aber sie wird nicht alles schlagartig lösen können. Wir brauchen Toleranz, Achtsamkeit, Nachsicht und Geduld mit uns selbst und mit den anderen.

In der Rohkost-Szene, die ja ohnehin schon nicht sehr groß ist, gibt es auch noch verschiedene Gruppierungen. Die einen nennen sich Urköstler, die anderen Sonnenköstler, die nächsten Instinctos. Es gibt Rohköstler, die sich streng vegetarisch ernähren und solche, die tierische Produkte zulassen. Die Gruppierungen sind sich untereinander nicht unbedingt einig. Vertreter der streng vegetarischen Richtung verurteilen die Nicht-Vegetarier und stellen sich selbst gern als die besseren Rohköstler dar. Das, was auf Insider schon mitunter etwas seltsam wirkt, hinterlässt bei Außenstehenden einen verwunderten und bisweilen militanten Eindruck. So ist es auch nicht erstaunlich, dass hin und wieder die unterschiedlichsten Wertungen und Bewertungen bruchstückhaft durch die Presse gehen, die alles andere als vorteilhaft für diese Entwicklung sind. Das alles wird auch noch gespickt und vermischt mit den verschiedensten Irrtümern, Meinungen und Behauptungen.
Doch es sollte nicht darum gehen was uns trennt, sondern darum, was uns verbindet. Es sollte auch nicht darum gehen, wer die Besseren sind, sondern wie jeder für sich ein Stück mehr Bewusstsein erlangen kann. Für den einen ist das schon der Fall, wenn er das Rauchen aufgibt. Für einen anderen, wenn er die Erleuchtung findet.

Meine Antwort oder mein Statement am Ende dieses Buches wird Sie vielleicht etwas überraschen. Ich möchte Sie nicht zu einer hundertprozentigen Rohkost-Praxis für immer drängen. Ich schlage eher vor, dass Sie wirklich Ihren eigenen Weg und Ihre eigene Position finden. Wenn es Ihnen gelingt, lange Zeit konsequent nur von Rohkost zu leben, dann ist es sehr gut so. Wenn Sie schrittweise Änderungen in Ihrem Leben einfügen, dann ist es auch gut. Wenn es aber dazu kommt, dass die Ernährung zum Kampf wird, dann ist es nicht gut. Manchmal ist es besser, die psychische Ebene zu befriedigen, auch wenn auf der physischen bzw. biochemischen  nicht alles korrekt läuft. Natürlich gibt es dann auch die Möglichkeit, an der psychischen Ebene zu arbeiten. Aber das ist noch einmal ein neues Buch mit vielen Kapiteln.

Ich rate Ihnen für heute nur zu einem: Versuchen Sie es so gut es geht. Und lassen Sie sich nie wieder nachhaltig vom Kurs der Natur und von der Wahrheit des Lebens abbringen, auch wenn es manchmal ein bisschen nach links oder nach rechts geht.

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