Die Urkost nach Franz Konz

Nicole Freialdenhoven
Nicole Freialdenhoven

Ein Artikel von Nicole Freialdenhoven

Die Urkost gehört zu den in Deutschland am weitesten verbreiteten Varianten der Rohkosternährung. Sie geht auf den Kölner Sachbuchautor Franz Konz zurück, der den meisten Menschen als Autor der "1000 legalen Steuertricks" bekannt ist. In den frühen 60er Jahren erkrankte Konz schwer an Magenkrebs und musste sich einer Magenoperation unterziehen. Da er sich zu diesem Zeitpunkt schon intensiv mit gesunder Ernährung und alternativen Formen der Naturmedizin befasst hatte, beschloss er, das Krankenhaus auf eigene Faust zu verlassen und sich mit Hilfe der sogenannten Urkost selbst zu heilen. Dies gelang ihm mit solchem Erfolg, dass er schließlich den "Bund für Gesundheit" gründete und den „Großen Gesundheits-Konz" verfasste, in dem er das ganzheitliche Konzept eines urzeitlichen Lebensstils propagierte.

Neben der rohköstlichen Ernährung vertrat Konz auch die Idee einer UrMedizin, die sich gegen die moderne Schulmedizin und ärztliche Behandlungsmethoden wendet, und einer urzeitlichen Bewegungslehre (UrTraining).

Franz Konz
Franz Konz

Die Prinzipien der Urkost

Der Urkostlehre liegt der Gedanke zugrunde, dass der Mensch evolutionär einfach noch nicht so weit ist, "denaturierte" Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Dazu gehören auch alle gekochten Speisen, da sie Mutter Natur nicht vorgesehen hat. Stattdessen sollte sich der Mensch an seinem nächsten tierischen Verwandten, dem Menschenaffen, orientieren. Dieser ernährt sich vor allem von Obst, Gemüse, grünen Wildpflanzen, Wurzeln und Samen. Auch kleine Insekten sind als Proteinlieferanten erlaubt.

Da der Affe kein Körnerfresser ist, sollte auch der Mensch keine Körner essen - dazu gehören auch alle Getreideprodukte. Was nicht in seiner natürlichen Form gegessen werden kann - zum Beispiel raffinierter Zucker oder Kochsalz - ist ebenso tabu wie künstliche Nahrungsergänzungsmittel.

Da Nahrungsmittel auch nicht gekocht werden dürfen, sind beispielsweise Kartoffeln (die nicht roh gegessen werden können) ebenfalls tabu. Fleisch könnte zwar theoretisch roh verzehrt werden (und andere Rohköstler tun dies durchaus), doch nach der Urkost-Lehre, ist der Mensch ganz einfach nicht zum Fleischverzehr geeignet, weil er nicht über die Reißzähne und Klauen eines fleischfressenden Raubtieres verfügt. Schon der Urmensch musste sich hierbei mit Speeren und anderen Waffen behelfen.

Vegane Küche mit viel Grün

Die Urkost nach Konz lässt sich in erster Linie als vegan bezeichnen, da keine tierischen Produkte verzehrt werden. Im Mittelpunkt stehen bei ihm nährstoffreiche Wildpflanzen wie Löwenzahn und Brennnesseln, die übrigens bis vor wenigen Jahrzehnten in der deutschen Küche noch weit verbreitet waren. Dazu kommen Früchte, Beeren, Samen und ähnliches. Was aus dem Garten gerupft wird, soll ohne abwaschen gegessen werden - auch wenn sich in der Erde noch Ameisen oder Würmer befinden.

Die Urkost an sich gilt als weniger bedenklich, als die ergänzenden "Empfehlungen" rund um den urzeitlichen Lebensstil. So riet Konz dazu, neben dem Verzehr der Rohkost kein zusätzliches Wasser zu trinken, da der Körper durch Früchte genügend Wasser aufnehme und die Affen in den Bäumen auch kein Wasser trinken würden (was jedoch nicht stimmt). Hintergrund dieser Theorie war die Beobachtung, dass bei reichhaltigen Mahlzeiten mit saftigen Früchten kaum Durst entsteht. Doch dabei wird wohlgemerkt sehr viel Fruchtsaft mit hohem Fruchtzucker-Anteil aufgenommen. Und zuviel Zucker ist immer problematisch - z.B. für den Darm -, auch wenn er als Fruchtzucker konsumiert wird. Ebenso fragwürdig ist die Empfehlung, vollständig auf Zahnpasta zu verzichten, da die Affen in der Natur ebenfalls keine Zahnpasta nutzen.

Was die Theorien der UrMedizin nach Konz betrifft, kann das Vertrauen in die pflanzliche Heilkraft für viele an unheilbarem Krebs erkrankte Menschen ein letzter Rettungsanker darstellen. Für Schulmediziner ist es dies freilich nicht.

Franz Konz starb aim Jahre 2013 im Alter von 87 Jahren. Mit seiner radikalen und oft auch wenig gefühlvollen Ausdrucksweise hat er so manchen Leuten die Augen geöffnet aber auch viele Interessierte abgeschreckt. Hoch anrechnen muss man ihm auf jeden Fall seine Bemühungen, die Wildkräuter wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt zu haben und seinen Mut, der Schulmedizin sowie der Pharmaindustrie und ihrer Lobby die Stirn zu bieten.